Mohammed Bouyeri, der Mörder der Filmemachers Theo van Gogh, besuchte einer der vier herausgestellten niederländischen Moscheen. An einer zweiten wurden 2002 13 Islamisten festgenommen, denen Terrorplanungen vorgeworfen wurden. Drei salafistischen Imamen erklärten die niederländischen Behörden formal, dass sie unerwünscht seien - unter anderem, weil sie reisenden Terrorrekruteuren nicht entschieden entgegengetreten waren.
Trotz des verstärkten Drucks, heißt es in dem Report, sei in den Niederlanden unterdessen "keine Eingrenzung" der salafistischen Ideologie nachweisbar. Im Gegenteil: Es gebe immer mehr und immer jüngere salafistische Prediger ebenso wie eine steigende Zahl unterwanderter Moscheen. Allerdings sei keine dieser Einrichtungen offen dschihadistisch; die Sorge ist freilich, dass sie es im Verborgenen doch sind. Diese Einschätzung hegt jedenfalls der niederländische Inlandsgeheimdienst, heißt es in der Studie.
Für die Behörden stellt sich die Frage, wie man auf die salafistische Szene reagiert. Während in Großbritannien gerade debattiert wird, ob man nur noch oder auch mit gewaltbereiten Salafisten redet, hat das Landeskriminalamt Bayern vor wenigen Wochen einen ganz anderen Ansatz gewählt - und eine groß angelegte Razzia durchgeführt. In Verlagsgebäuden, Privatwohnungen und Moscheebibliotheken verschafften sich Beamte Zutritt und beschlagnahmten Dokumente, Bücher, DVDs und Rechner.
Razzien in Deutschland
Es war kein besonders gut gehütetes Geheimnis, dass es bei der Aktion darum ging, der Szene klarzumachen, dass sie unter Beobachtung steht. Noch sind die Asservate nicht komplett ausgewertet, aber bisher hat sich nichts Relevantes gefunden.
Nicht überall wird dieser Ansatz für sinnvoll erachtet. Die Razzia traf zwar durchaus einschlägige Personen der hiesigen Salafistenszene - es war aber kaum jemand dabei, der jemals zu Gewalt aufgerufen hat. Im Gegenteil: Die meisten Betroffenen vermeiden alle politischen Themen bewusst. Sie mit Razzien zu reizen, so Kritiker, befördert im schlimmsten Fall die Radikalisierung erst. In jedem Fall kippt es Wasser auf die Mühlen derer, die von einer grundsätzlichen Feindschaft aller Ungläubigen zum Islam ausgehen.
Was sind die Gründe dafür, dass der Salafismus eine ernstzunehmende Attraktivität hat? Die niederländischen Autoren geben zu, dass es mehr offene als beantwortete Fragen gibt. Man wisse kaum etwas über die Szene: Sehen Salafisten fern? Lesen sie Zeitung? Gehen sie wählen?
Mehr Predigten auf Niederländisch
Trotzdem spekuliert die Studie über mögliche Anknüpfungspunkte: Salafisten statteten Suchende mit einer starken Identität und einem sozialen Zusammenhalt aus; sie griffen zudem das weit verbreitete Gefühl auf, dass Muslime ungerecht behandelt werden - und kanalisierten es.
Hinzu komme, dass - im Gegensatz zu den Gepflogenheiten vieler moderater Moscheen - die nachwachsenden Salafistenprediger vielfach auf Niederländisch predigen. Für die zweite und dritte Generation von Einwanderern erleichtere das den Einstieg. Allerdings werde salafistische Literatur zunehmend ins Türkische übertragen. Dasselbe beobachten deutsche Behörden.
Erwartbar unbestimmt bleiben beide Berichte mit Blick auf die Frage, wie man der potentiellen Gefahr begegnen kann. Die deutsche Studie mahnt zunächst mehr Erkenntnisse an. Für einfache Lösungen sei das Problem zu komplex. So sei etwa nicht ausgelotet, ob die nichtmilitant-salafistische Seite bei der Eindämmung der Dschihadisten helfen könne. Sie betont zudem, dass die Szene sehr heterogen und nur lose vernetzt sei. Das erschwere eine Gefahreneinschätzung.
Die Niederländer spekulieren, dass eine veränderte Einstellung zum Salafismus in Saudi-Arabien auch in Amsterdam und Den Haag Folgen hätte - denn viele Institutionen der Salafisten würden durch Gelder von der Arabischen Halbinsel finanziert.
Zugleich deuten sie aber auch die Möglichkeit an, dass man sich an die Präsenz nichtmilitanter Salafisten eventuell schlicht gewöhnen müsse.
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