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Hessens Ministerpräsident Koch Alphatier in der Sommerfrische

Es gibt Ministerpräsidenten, denen fehlt der unbedingte Wille zur Macht. Und es gibt Roland Koch, dem fehlen drei Stimmen im hessischen Parlament. Aber echte Alphatiere wie er können warten - dass Andrea Ypsilanti stolpert, ist für Koch bloß eine Frage der Zeit.

Wiesbaden - Der konservative deutsche Schriftsteller Ernst Jünger hat in seinem 1960 erschienenen Essay "Der Weltstaat" einen starken ersten Satz formuliert. Er lautet: "Die Frage, wo stehen wir heute, fordert zunächst die Gegenfrage heraus: Stehen wir denn überhaupt?"

Damals hatte Roland Koch, einziger Sohn eines konservativen Rechtsanwalts, in einer kleinen Mietwohnung in Frankfurt-Rödelheim gerade das Laufen gelernt. Auch heute müsste der hessische Ministerpräsident Jüngers rhetorische Frage mit einem klaren Nein beantworten. Stehen? Wir fliegen.

Roland Koch - von der Kanzlerin gebeutelt, vom Wähler verlassen, vom Gegner geschmäht - hat gerade vollends den Boden unter den Füßen verloren. Der Hesse wird von einem Kettenkarussell eines Vergnügungsparks im Taunus in die Höhe gehoben, nun treiben ihn Geschwindigkeit und Fliehkräfte in eine stabile Seitenlage. Er lächelt mild und winkt in der Kurve freundlich Mitarbeitern, Journalisten, Passanten und Touristen zu. Der Fahrtwind zupft an Kochs solider Frisur, die - bis auf die inzwischen fast schlohweiße Färbung - seit Kindestagen die gleiche geblieben ist.

Ist das wirklich Roland Koch da oben? Unbeschwert, gut gelaunt? Müsste der nicht finster dreinblicken? Schließlich hat er am 27. Januar seine Mehrheit im hessischen Landtag verloren. Sein bisweilen rabiater Wahlkampf gegen kriminelle junge Ausländer wurde nicht nur von politischen Gegnern, sondern anschließend auch von manchen Parteifreunden attackiert. Um ein Haar hätte ihn jene linke Mehrheit, vor der er im Wahlkampf immer gewarnt hat, im April aus dem Amt gefegt.

Zwischen Horizont und Heimatboden

Koch arbeitet an seinem Comeback, er weiß, die nächsten Monate sind ein kompliziertes Intermezzo. "Jeder Schachzug kann über Sieg oder Niederlage entscheiden", sagt er im Séparée seines dunklen Reisebusses, mit dem er an Wolkenkratzern, Fachwerkhäusern, Bächen und Seen, Kernkraftwerken und Windanlagen vorbei das Bundesland Hessen bereist.

Sein Hessen.

Fast hätte er es verloren. Aber zum Glück gab es da eine Frau Andrea Ypsilanti, die um den Preis des offenen Wortbruchs Ministerpräsidentin werden wollte - und die standhafte Sozialdemokratin Dagmar Metzger, die bei dieser Operation am offenen Herzen der SPD nicht assistieren mochte. Als über die deutsche Sozialdemokratie im Frühjahr die Linkspartei-Debatte hereinbrach, konnte Koch, der sich schon mit dem persönlichen Amtsverlust auf Kosten einer Großen Koalition gedanklich vertraut gemacht hatte, sein Glück kaum fassen: Ausgerechnet die Sozis, mit denen der heute 50-Jährige seit seiner Jugend gerauft hat, richten ihn im Amt wieder auf. Ypsilantis Attacke wurde wegen Fahnenflucht auf St. Nimmerlein vertagt - und Roland Koch blieb Ministerpräsident.

Seitdem hängt in Hessen alles seltsam in der Schwebe. So wie im Kettenkarussell, irgendwo zwischen Horizont und Heimatboden, auf jeden Fall aber mitten im Wahlkampf. Dieser steht unter dem Motto: "Alles Gute für unsere Kinder".

Offiziell handelt es sich bei Kochs laufender Bustour durch Hessen jedoch nur um die "Sommerreise des Landesvorsitzenden der CDU Hessen". Andrea Ypsilanti hat ihre Reise schon hinter sich - sie tingelte im Juni durch Reinigungsfirmen, Postzentren und den Frankfurter Flughafen, immer ganz nah dran an der arbeitenden Bevölkerung. Die ständig wiederkehrende Frage nach der Linkspartei hat sie tapfer weggelächelt, so blendend wie Verona Pooth, wenn es um die Finanzen ihres Gatten geht.

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insgesamt 28 Beiträge
darkwingduck 18.07.2008
Koch ist ein "Show-Man" und Demagoge. (Stichworte Unterschriftverweigerung, U-Bahn-Schläger) Was ja für einen Politiker - ob man dies nun wahr haben will oder nicht - eine zwingende Voraussetzung ist. Das er bei der [...]
Zitat von sysopEs gibt Ministerpräsidenten, denen fehlt der unbedingte Wille zur Macht. Und es gibt Roland Koch, dem fehlen drei Stimmen im hessischen Parlament. Aber echte Alphatiere wie er können warten - dass Andrea Ypsilanti stolpert ist für Koch bloß eine Frage der Zeit. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,566636,00.html
Koch ist ein "Show-Man" und Demagoge. (Stichworte Unterschriftverweigerung, U-Bahn-Schläger) Was ja für einen Politiker - ob man dies nun wahr haben will oder nicht - eine zwingende Voraussetzung ist. Das er bei der letzten Wahl gescheitert ist, hat weniger damit zu tun dass der Wähler ihn für schlechte Politk abgestraft hat (es gibt Politker die schlechtere Ergebnisse vorweisen können). Auch zu behaupten Kochs Stammtisch Gebrabbel über die U-Bahn Schläger habe die Wähler verstimmt ist Unsinn (wenn Stammtisch-Gebrabel zu Stimmenverlust führt dürfe die CSU unter 5% stürzen). Koch hat - genauso wie Ypsilanti - die Ohrfeige bekommen welche die Wähler der Bundesregierung noch nicht erteilen konnten. Fakt ist, dass Roland Koch immer noch nach Berlin schielt. Er ist nur schlauer als Beckstein und weiß, daß ein Schießen gegen die Kanzlerin kontraproduktiv ist. Eine neue Sau (wie die Pendlerpauschale) durch Dorf zu trieben bringt ihm nichts (die Wahl ist ja gelaufen). Die Kanzlerin weiß aber sicher auch, dass ein Alphatier wie Koch sich nur auf einem Sessel wohl fühlen würde. Und dass ist der ihre.
deuterius 18.07.2008
Ich bin wahrlich kein Fan von Koch, aber für mich ist klar, dass Ypsilanti, das Beispiel ohne Gleichen einer Quotenkarriere, diesem Mann haushoch unterlegen ist.
Ich bin wahrlich kein Fan von Koch, aber für mich ist klar, dass Ypsilanti, das Beispiel ohne Gleichen einer Quotenkarriere, diesem Mann haushoch unterlegen ist.
marc_malone 18.07.2008
Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, nur das allererste k streiche ich. Denn ich bin wahrlich ein Freund von Koch. Mich macht es glücklich, dass Menschen, die ihre eigenen Wahlversprechen einfach vergessen, damit nicht [...]
Zitat von deuteriusIch bin wahrlich kein Fan von Koch, aber für mich ist klar, dass Ypsilanti, das Beispiel ohne Gleichen einer Quotenkarriere, diesem Mann haushoch unterlegen ist.
Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, nur das allererste k streiche ich. Denn ich bin wahrlich ein Freund von Koch. Mich macht es glücklich, dass Menschen, die ihre eigenen Wahlversprechen einfach vergessen, damit nicht durchkommen.
garfield 18.07.2008
Die Wendung "Haushoch unterlegen" gibt's nicht. Das ist etwa so wie "eisiger Hitzerekord". Es heißt "haushoch ÜBERlegen". Das wollten Sie doch sagen, stimmt's ? ;-) PS: Wenn es zu Neuwahlen [...]
Zitat von deuteriusIch bin wahrlich kein Fan von Koch, aber für mich ist klar, dass Ypsilanti, das Beispiel ohne Gleichen einer Quotenkarriere, diesem Mann haushoch unterlegen ist.
Die Wendung "Haushoch unterlegen" gibt's nicht. Das ist etwa so wie "eisiger Hitzerekord". Es heißt "haushoch ÜBERlegen". Das wollten Sie doch sagen, stimmt's ? ;-) PS: Wenn es zu Neuwahlen kommt, und Koch wieder seine Mehrheit kriegt, gilt auch für uns Hessen: Wir bekommen die Regierung, die wir verdienen.
Foul Breitner 18.07.2008
ist echt der Burner bei Spon. Ich wette auf wenigstens 1000 Hinweise bis Samstag 9 Uhr, daß Koch die Wahlen verloren hat.
ist echt der Burner bei Spon. Ich wette auf wenigstens 1000 Hinweise bis Samstag 9 Uhr, daß Koch die Wahlen verloren hat.
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