Die Frage ist alt, die Antwort neu: Was wusste Otto Schily über die Entführung von Khaled el-Masri? In der Dokumentation "The Dark Side" ("Die dunkle Seite") beschreibt Jane Mayer, Autorin des Wochenmagazins "New Yorker", neue Details über ein geheimes Treffen zwischen dem früheren Innenminister Schily und dem früheren US-Botschafter in Berlin, Dan Coats, Ende Mai 2004. Gegenstand war die Verschleppung des deutschen Staatsbürgers durch den US-Geheimdienst CIA in ein afghanisches Geheimgefängnis (der SPIEGEL berichtete in seiner Ausgabe 7/2005).
Als der Diplomat dem Innenminister unangenehme Details des Kidnappings gebeichtet habe, soll Schily demnach geantwortet haben: "Warum erzählen Sie mir so was?", noch dazu in Anwesenheit eines Mitarbeiters, der sich Notizen mache. Laut Mayer habe Schily dann über den drohenden politischen Wirbel in Deutschland geklagt. Im Hinblick auf das Entführungsopfer Masri habe der deutsche Innenminister schließlich bemerkt: "Warum haben Sie ihm nicht einfach Geld gegeben und über das Ganze geschwiegen?"
Schily, der es bislang ablehnte, sich zu Details der Unterredung zu äußern, ließ auch eine SPIEGEL-Anfrage zu der Schweigegeld-Passage aus dem Mayer-Buch unbeantwortet.
Die brisanten Textstellen dürften vor allem den BND-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags interessieren: Der Grüne Hans-Christian Ströbele, Mitglied des Gremiums, kündigte bereits an, den Vorwürfen nachzugehen. "Wenn das zutrifft", so Ströbele, "würde sich unsere Vermutung bestätigen, dass die Bundesregierung eigentlich gar nicht so viel wissen wollte."
Kürzlich hat Masri eine Klage beim Berliner Verwaltungsgericht eingereicht: Er will damit erreichen, dass sich die Bundesregierung bei den USA für die Auslieferung seiner Peiniger einsetzt.
hei
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