Berlin - Das Echo aus der eignen Partei ist verheerend: Der frühere Grünen-Politiker Hubert Kleinert hat mit seinem Vorstoß für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken scharfen Widerspruch in seiner Partei ausgelöst.
Die Grüne Jugend nahm Kleinerts Äußerungen "mit Entsetzen" auf, wie es in einem offenen Brief vom Montag heißt. Kleinert habe damit den Grünen "massiv geschadet". "Das hätten wir von einem so honorablen Mitstreiter wie Dir nicht erwartet", erklärte der Parteinachwuchs.
Kleinert gehörte einst zu den prominentesten Grünen, war Weggefährte von Joschka Fischer und später Landesvorsitzender in Hessen. Heute ist Kleinert Politikwissenschaftler.
Im Interview mit dem SPIEGEL riet Kleinert seiner Partei, sie sollte "bei der Nutzung vorhandener Atomanlagen zu einer verantwortungsethischen und rationalen Bewertung kommen". "Eine Verlängerung der Laufzeiten für moderne Atomkraftwerke scheint mir bei rationaler Risikoabwägung durchaus diskutabel", sagte Kleinert.
Die Grüne Jugend warf Kleinert nun eine "offene Kapitulation vor der Atomlobby" vor. Die jungen Grünen bezeichneten die Risiken der Atomkraft als unkalkulierbar und verwiesen zudem auf die ungeklärte Endlagerfrage. Auf einem Parteitag würde Kleinert mit seiner Haltung "kläglich scheitern", heißt es in dem Brief.
Kleinert hatte zudem angeregt, Milliardengewinne aus dem Weiterbetrieb von Reaktoren in den Ausbau erneuerbarer Energien zu stecken. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast nannte diese Haltung "naiv". Kleinerts Interview zeige, dass auch ein Politikprofessor grüner Herkunft Dinge sagen könne, "ohne Sachkenntnis zu haben".
Bereits heute machten die Energieunternehmen satte Gewinne. Diese würden aber nur zu einem kleinen Teil in die regenerativen Technologien investiert. "Wir sind sehr gut beraten, wenn wir beim Atomausstieg bleiben", betonte Künast.
ffr/ddp
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