Karlsruhe/München - Unter dem Decknamen "Hüseyin Colak" soll er in Deutschland die Aktivitäten der PKK geleitet haben: Einen Tag nach der Rückkehr der drei entführten Bergsteiger hat die Bundesanwaltschaft den mutmaßlichen Deutschland-Chef der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans verhaften lassen. Wie die Karlsruher Behörde am Dienstag mitteilte, ist Hüseyin A., ein Türke kurdischer Abstammung, bereits am Montag in seiner Wohnung in Detmold gefangen genommen worden.
Für die Behörden ist die Festnahme ein wichtiger Schritt bei der Verfolgung der PKK. Ein Ermittler sagte, der Kader sei eine "wesentliche Figur" im Netzwerk der verbotenen Organisation in Deutschland. Insgesamt haben die Fahnder zwischen 120 und 150 PKK-Anhänger in Deutschland im Visier, die nach Paragraf 129 als Mitglieder oder Unterstützer einer Terrororganisation verfolgt werden.
Verhaftungen gab es in den vergangenen Monaten immer wieder, doch so hochrangig wie im Fall von A. waren die meisten nicht. Ihm wird vorgeworfen, die kriminelle Vereinigung geführt zu haben sowie Nötigung in einem besonders schweren Fall. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der 47-Jährige eine 21-jährige Frau zum Schwangerschaftsabbruch gezwungen haben. Im August 2007 habe er der Frau gedroht sie umzubringen, wenn sie das Kind des damaligen PKK-Zuständigen für die Region Stuttgart nicht abtreibe.
Den Ermittlern zufolge war A. Deutschland-Verantwortlicher der PKK und wurde erst im Mai turnusgemäß abgelöst. Davor habe er den PKK-Sektor Süd geleitet. Am Dienstag sei ihm in Detmold ein in der vergangenen Woche erlassener Haftbefehl des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs eröffnet worden. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.
Die PKK ist seit November 1993 in Deutschland verboten. 2003 hat sie sich 2003 in "Volkskongress Kurdistans" (Kongra-Gel) umbenannt. Die Führungsebene wird aber von der Bundesanwaltschaft nach wie vor als kriminelle Vereinigung eingestuft. Die Europäische Union führt die PKK zudem auf der Liste von Terrororganisationen.
Im Mittelpunkt der Tätigkeiten der PKK in Deutschland steht die Geldbeschaffung für den bewaffneten Kampf in Kurdistan, aber auch die Werbung von Rekruten für den Einsatz. Zur Geldeintreibung bedient sich die PKK nicht nur die Propaganda unter Kurden, sondern auch alle Arten von kriminellen Geschäften, von Prostitution über Drogenhandel bis hin zu Erpressung.
Welche Rolle A. dabei genau spielte, ist bisher noch nicht ganz klar, Ermittler hielten sich am Dienstag mit Details über den Mann noch zurück. Mit der Geiselnahme in der Türkei, das betonten mehrere Fahnder am Dienstag, habe er jedoch nichts zu tun.
Erst am Montag waren drei von der PKK freigelassene bayerische Bergsteiger zurück nach Deutschland gekommen. Die drei Männer wurden am 8. Juli am Berg Ararat von kurdischen PKK-Rebellen verschleppt und als Geiseln genommen. Möglicherweise haben die Behörden mit der Verhaftung von A. gewartet, bis die Geiselnahme überstanden ist. Denn die Geiselnahme sei eine Reaktion auf die Verhaftung von PKK-Funktionären in Deutschland und auf das Verbot des kurdischen TV-Senders Roj TV, erklärten die Entführer.
Nach der Heimkehr der Bergsteiger hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zur Zusammenarbeit gegen die Untergrundorganisation aufgerufen: "Wir erwarten von den Kurden, insbesondere von denen, die in Deutschland leben, dass sie auf jede Art von Gewalt verzichten und sich von jeglicher Gewaltanwendung eindeutig distanzieren."
Aktivitäten der PKK in Deutschland würden nicht geduldet. "Hier lebende Ausländer missbrauchen ihr Gastrecht, wenn sie Konflikte in ihrer Heimat in Deutschland austragen. Dem werden wir auch künftig energisch entgegentreten." Die PKK hat nach Herrmanns Angaben in Deutschland etwa 11.500 Anhänger unter den rund 500.000 Kurden.
fat/mgb/AP/dpa
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