Von Maike Jansen und Philipp Wittrock
In Clements politischer Heimat Bochum hat Rudolf Malzahn für Ruhe und Sachlichkeit an diesem Donnerstag nichts übrig. Fast sehnsüchtig wartet der Vorsitzende des Ortsvereins Bochum-Hamme am Donnerstagmorgen auf den Postboten, der den entscheidenden Brief bringen soll. "Die breite Basis hier ist für den Rauswurf von Clement", sagt Malzahn SPIEGEL ONLINE, "nur die, die ihm nahestehen, wollen, dass er bleibt." Malzahns Ortsverein wollte den Rauswurf, gegen die Rüge in erster Instanz hatte man wie Clement Einspruch eingelegt.
Aus Malzahns Sicht hat der ehemalige Regierungschef längst den Draht nach Bochum verloren. So sei das eben mit den sogenannten Leistungsträgern: "Die wissen doch gar nicht mehr, wo sie eigentlich herkommen." Das Gerede um die Verdienste Clements - Malzahn kann es nicht mehr hören: "Heißt das denn, dass er deshalb Scheiben einschmeißen darf?" Der Verlust von 250.000 Mitgliedern, die Gründung der Linken - auch das zähle schließlich zum Erbe Clements. "Letztlich hat er sich doch selbst rausgekegelt."
"Wer in einer Mannschaft immer nur aufs eigene Tor schießt, muss sich nicht wundern, wenn er irgendwann außerhalb der Mannschaft steht", sagt auch der Bochumer Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer SPIEGEL ONLINE. "Von Clement hört man immer nur ein Ich, Ich, Ich. Man sollte auch mal wieder ein Wir hören."
Das Wir-Gefühl in der SPD wird allerdings durch das harte Urteil der Parteirichter sicher nicht gestärkt - so viel ist an diesem Donnerstag schon klar. Ruhe hatten sie sich für die Sommerpause verordnet, doch stattdessen zeigen sich die Sozialdemokraten tief gespalten.
Die einen freuen sich mit der Bochumer Basis: Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner etwa, der findet, dass Clement der Partei "bewusst schwer geschadet" habe. "Wer fortgesetzt auf das eigene Tor schießt, sollte den Verein verlassen." SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer will von einem Signal für eine Beschneidung der innerparteilichen Meinungsfreiheit nichts wissen. Und SPD-Vordenker Erhard Eppler erklärt, "bewusst parteischädigendes Verhalten ist in der Geschichte der SPD immer so gehandhabt worden".
"Unfassbar und grotesk" nennt dagegen der Bielefelder Bundestagsabgeordnete Rainer Wend den Rauswurf in der "Rheinischen Post". Reinhard Schultz, auch er Mitglied der NRW-Landesgruppe im Bundestag, schreibt in einem Brief an SPD-Chef Kurt Beck und NRW-Landeschefin Kraft, die Entscheidung sei "lächerlich und beängstigend" zugleich. In der SPD komme es auf diese Weise zu "ideologischen Säuberungsaktionen". Der Leipziger Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber (SPD) droht gar selbst mit Parteiaustritt, sollte Clement aus der Partei ausgeschlossen werden. "Dann gehe auch ich", betonte Weißgerber.
Und sogar Franz Müntefering meldet sich zu Wort, was er seit seinem Rückzug wegen der schweren Erkrankung seiner Frau nur in Ausnahmefällen tut. "Die in demokratischer Streitkultur geübte Sozialdemokratie muss solche Auseinandersetzungen anders als mit Ausschluss beantworten", sagte der einstige Vizekanzler der Agentur Reuters.
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