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Landtagswahl Realo-Linke rüsten für bayerische Revolution

2. Teil: Tohuwabohu bei den Linken und eine Marxistin auf Gewerkschaftskurs

Doch nicht überall läuft bei den weiß-blauen Dunkelroten alles so geordnet wie in Franken. Schweinfurt, wo es früher noch nicht mal ein Dutzend PDS-Genossen gab, ist nicht Bayern. "Da sind Welten aufeinandergetroffen", sagt einer, der sich noch gut an die Vereinigung von WASG und PDS erinnern kann. Zum Glück hätten die rund tausend Neumitglieder das Klima verändert.

Es ist der bayerische Spitzenkandidat Fritz Schmalzbauer, auch er ein Gewerkschaftsmann, der anfangs unter den neuen Freunden von der PDS zu leiden hatte: Bei der Aufstellung der Bayernliste für die Bundestagswahl 2005 ließen ihn die Genossen durchfallen. Und in diesem Jahr, auf dem Bundesparteitag in Cottbus, verwehrten sie ihm einen Sitz im Vorstand - vier Monate vor der Bayern-Wahl. Sogar Klaus Ernst wurde mit nur noch 59,2 Prozent zum Vize der Bundespartei gewählt.

Ärger gibt es bei den Bayern-Linken auch um die Verbuchung einiger Spenden. Seit vergangenem Jahr ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft, mit einem Abschlussbericht ist noch vor der Wahl zu rechnen. Und dann natürlich der bayerische Verfassungsschutz, der die Linke beobachtet, ihr in seinem Jahresbericht 19 Seiten eingeräumt hat. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nennt die Partei eine "linksextremistische Organisation", die sich "hinter smarter Fassade" verberge: "Die gehen mit Galionsfiguren aus dem Gewerkschaftsbereich im Wahlkampf hausieren - und zwischen denen stehen dann Linksextreme auf der Liste."

Herrmann meint damit Leute wie Linke-Vorstandsmitglied Nicole Gohlke. Im Verfassungsschutzbericht wird sie als "Aktivistin der trotzkistischen Gruppierung 'Linksruck-Netzwerk'", jetzt "marx21", vermerkt.

Kapitalismus? "Nicht das Ende der Geschichte"

Die 32-Jährige findet das nicht lustig. "Mich ärgert das, ich habe in keiner Form verfassungsfeindlich gehandelt oder gedacht." Gohlke sitzt im Biergarten des Eine-Welt-Hauses in München und rührt in ihrem Latte Macchiato. Dann sagt sie, dass sie natürlich Marxistin sei und der Kapitalismus "nicht das Ende der Geschichte".

Gohlke, die auf Listenplatz zwei in Oberbayern antritt, hat große Sympathien für die Mühen der Gewerkschafter um Klaus Ernst: "Es ist zwar richtig, die Systemfrage zu stellen - das allein reicht allerdings nicht." Deshalb seien "die Schweinfurter" so wichtig, denn sie setzten mit ihren Forderungen "im Hier und Jetzt" an. "Total großartig" sei es, wie die Linke mit den Gewerkschaftern in sozialdemokratische Milieus vorgestoßen sei.

Total großartig findet dieses Milieu im "Intermezzo" gerade die Rede von Klaus Ernst. Die Zahl der Zuhörer hat sich auf 30 verdoppelt, Stühle sind herangerückt worden. "Mensch, Klaus", sagt ein Rentner am Ende, "Du hast Recht in allem und so schön geredet." Der Mann kratzt sich am Kopf: "Nur, wie kommen wir damit in die Presse? Wir können ja immer nur Leserbriefe schreiben."

Ob er ihnen denn nicht eine Kopie seiner Rede geben könne, die wolle man dann verteilen.

Das geht nicht. Ernst hat frei gesprochen. Und Info-Material hat er auch keins dabei. Der Kümmerer ärgert sich: "Mist, hätte ich dran denken können." Und dann sagt er schnell: "Ich kann euch einen Mitarbeiter aus Berlin runterschicken, der hilft euch."

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