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16.08.2008
 

SPD-Krise

Müntefering vor Comeback

Vielen Genossen gibt das Hoffnung: Franz Müntefering steht nach dem Tod seiner Frau vor dem Comeback. Ab September werde der Ex-Vizekanzler wieder als Abgeordneter in Berlin antreten, heißt es. SPD-Linke würden ihn lieber abdrängen: Dort ist er als Chef der Friedrich-Ebert-Stiftung im Gespräch.

Berlin - Seine Anhänger jubeln, seine Gegner sind skeptisch. Aber Franz Müntefering kehrt offenbar auf die politische Bühne zurück. Der ehemalige Vizekanzler werde im September seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter wieder in vollem Umfang aufnehmen, meldete die "Rheinische Post" unter Berufung auf die SPD-Bundestagsfraktion. Ein Fraktionssprecher wollte zu dem Bericht zunächst jedoch keine Stellung nehmen.

Müntefering war am 13. November überraschend von seinen Ämtern als Vizekanzler und Bundesarbeitsminister der Großen Koalition zurückgetreten, um seine schwer krebskranke Frau Ankepetra zu betreuen. Sie starb Ende Juli. Sein Abgeordnetenmandat behielt Müntefering jedoch.

Müntefering sei zunehmend unzufrieden mit der Entwicklung der SPD, berichtete die "Rheinische Post". Mit seiner Rückkehr verbindet sich in Teilen der Sozialdemokratie die Hoffnung auf ein stärkeres Eingreifen des 68-Jährigen bei der Bewältigung der derzeitigen Führungskrise der Partei. Erst am Donnerstag hatte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärt, Müntefering fehle der SPD.

Zahlreiche SPD-Politiker begrüßten die mögliche Rückkehr Münteferings. Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend sagte der "B.Z.", er sei froh, dass Müntefering wieder nach Berlin komme. "Gerade in diesen für die SPD schwierigen Zeiten können wir einen erfahrenen Fahrensmann wie ihn bestens gebrauchen." Die Entwicklung in Hessen rücke die SPD weiter an den Rand und nicht in die Mitte der Gesellschaft. "Daran können wir vernünftigerweise kein Interesse haben."

Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, sagte, Müntefering werde "als Urgestein von uns allen geschätzt, er hat viel mit der Seele der Partei zu tun". Zwischen Parteichef Kurt Beck, dem Fraktionsvorsitzenden Peter Struck und ihm werde sich etwas finden, das die SPD weiter bringt. "Er ist für die Partei eine Integrationsfigur und für viele Wähler einfach unverzichtbar."

Der Innenausschussvorsitzende Sebastian Edathy sagte der "B.Z.": "Franz Müntefering hat selbst angekündigt, als er die Pflege seiner Frau übernommen hat, dass damit nicht sein politischer Ruhestand beginnt." Müntefering könne einen Beitrag dazu leisten, das Stimmungstief der SPD zu überwinden.

Fraktionsvize Fritz Rudolf Körper bezeichnete Müntefering als wichtigen "Eckpfeiler für unsere inhaltliche politische Ausrichtung". Deshalb sei er froh, wenn Müntefering wieder an Deck komme und aktiv in die Politik eingreife.

Nach Informationen des SPIEGEL ist Müntefering aber auch als Chef der parteinahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) im Gespräch: Vor allem SPD-Linke sähen ihn demnach gerne auf diesem Posten, um so ein Comeback in die Parteiführung zu verhindern. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse werde ebenfalls als Kandidat genannt. Die bisherige FES-Vorsitzende Anke Fuchs wird vorgeworfen, die Stiftung mit zu wenig Schwung zu führen. Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse wird als Kandidat genannt. Er habe intern bereits Interesse bekundet.

han/Reuters/AP/dpa

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