Berlin - Der designierte Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir will einen "gesellschaftlichen Deal mit der Energiewirtschaft" über die Zukunft der Kohle. Deshalb kann er sich den Neubau von Kohlekraftwerken vorstellen. Allerdings müsse der Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) insgesamt sinken, sagte Özdemir dem "Handelsblatt". "Vielleicht gibt es ein intelligentes Modell, bestehende und neue Kapazitäten so zu verrechnen, dass man unterm Strich die CO2-Emissionen Jahr für Jahr senkt. Wenn man das über den Emissionshandel hinkriegt, können wir darüber reden."
"Entscheidend ist, dass wir nicht auf Dauer in der Kohle drinhängen", wird Özdemir zitiert. Dann fehle der Anreiz, "alle Anstrengungen auf die erneuerbaren Energien zu richten". Die Grünen wollen bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien insgesamt auf fast 30 Prozent, beim Strom sogar auf 43 Prozent steigern.
Mit diesem Vorstoß verlässt Özdemir, Vertreter des Realo-Flügels, schon vor seiner Wahl zum Nachfolger des scheidenden Parteichefs Reinhard Bütikofer im November die offizielle Linie der Grünen. Bisher gilt als Credo der Partei ein Kohlemoratorium: Danach sollen erst dann wieder neue Anlagen gebaut werden dürfen, wenn der Traum vom CO2-freien Kohlekraftwerk Realität ist.
In Hamburg hängt die Zustimmung der Basis zur ersten schwarz-grünen Koalition auf Landesebene maßgeblich davon ab, ob es der grünen Umweltsenatorin Anja Hajduk dort gelingt, das geplante Kohlekraftwerk Moorburg doch noch zu verhindern.
als/dpa
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