Berlin - Der designierte Parteichef Cem Özdemir hat einen Medienbericht präzisiert, wonach er sich für den Bau neuer Kohlekraftwerke ausgesprochen haben soll: "Uns ist bewusst, dass Kohlekraftwerke noch eine lange Zeit einen Beitrag zur Stromversorgung erbringen werden. Aber abgesehen von im Bau befindlichen Kohlekraftwerken wollen wir keine mehr zulassen, da die Klimaschutzziele damit unerreichbar werden", sagte Özdemir SPIEGEL ONLINE. "Wo soll denn sonst der Anreiz sein, alle Anstrengungen auf die erneuerbare Energie zu richten?"
Der Bau neuer Kohlekraftwerke passe auch nicht zu Hoffnungen, dass etwa die Photovoltaik schon in fünf Jahren konkurrenzfähig sein könnten. "Wenn die CCS-Technik marktreif wäre, hätten wir nichts gegen den Neubau von Kohlekraftwerken." Das Prinzip einer sauberen Kohleenergie, "Carbon Capture and Storage" (CCS) sieht vor, Kohle weiter als Energieträger einzusetzen, ohne dass das entstehende CO2 die Atmosphäre belastet. "Bislang funktioniert das aber nicht", so Özdemir.
"Das schließt damit auch Hamburg-Moorburg aus. Das haben wir in der Vergangenheit immer klar gemacht." Özdemir wies darauf hin, dass er vor kurzem in Mannheim mit den Grünen vor Ort Unterschriften gegen ein geplantes Kohlekraftwerk gesammelt habe.
Das "Handelsblatt" hatte zuvor geschrieben, Özdemir könne sich den Neubau von Kohlekraftwerken vorstellen. "Vielleicht gibt es ein intelligentes Modell, bestehende und neue Kapazitäten so zu verrechnen, dass man unterm Strich die CO2-Emissionen Jahr für Jahr senkt."
Bisher gilt als Credo der Partei ein Kohlemoratorium: Danach sollen erst dann wieder neue Anlagen gebaut werden dürfen, wenn der Traum vom CO2-freien Kohlekraftwerk Realität ist. Die Grünen wollen bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien insgesamt auf fast 30 Prozent, beim Strom sogar auf 43 Prozent steigern.
fat/dpa
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