Berlin - Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) haben 1977 offenbar einen Mordanschlag auf den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß geplant. Das erzählen Strauß' Kinder in einem gemeinsamen Interview zu dessen Todestag, der sich am 3. Oktober zum 20. Mal jährt.
Die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier sagte der "Bild"-Zeitung, das damalige RAF-Mitglied Verena Becker habe in einem Münchner Hochhaus eine konspirative Wohnung angemietet: "Dort sind die Terroristen eingezogen und haben unsere Wohnung mit Ferngläsern beobachtet, uns ausgespäht."
Es seien Pläne gefunden worden, "die eine Sprengstoffattacke auf unsere Wohnung mit Modellflugzeugen vorsahen". Franz Georg Strauß, der jüngste Sohn des 1988 verstorbenen CSU-Politikers, erinnert sich: "Unsere Wohnung konnte von zwei Hochhäusern eingesehen werden. Sie war nicht sicher und wir mussten daraufhin umziehen."
Strauß gehörte im Deutschen Herbst von 1977 zum parteiübergreifenden, sogenannten "großen politischen Beratungskreis", dem großen Krisenstab, in dem Maßnahmen zur Bekämpfung des RAF-Terrors beraten wurden.
Dort sollen im September 1977 auch radikale Maßnahmen wie der Einführung der Todesstrafe, von Erschießungen und von Repressalien zur Sprache gekommen sein, sollte der damals entführte Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer nicht freigelassen werden. Strauß galt als Verfechter einer besonders harten Linie: Er forderte eine "massive Gegendrohung".
phw/dpa/AFP
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