Schwäbisch Gmünd - Özdemir hatte am Wochenende eine schwere Niederlage erlitten. Auf dem Landesparteitag in Schwäbisch Gmünd scheiterte er mit seinem Vorhaben, einen aussichtsreichen Listenplatz für die Bundestagswahl 2009 zu erlangen. Danach verließ er kommentarlos den Veranstaltungsort. Am Sonntag erschien er nicht mehr.
Nach der öffentlichen Demontage ihres designierten Bundesvorsitzenden fühlten sich führende Grüne offenbar berufen, Özdemir ihre Unterstützung auszusprechen. Parteifreunde begründeten die Niederlage mit dem "grünen Prinzip" der Trennung von Amt und Mandat und zeigten sich zuversichtlich, dass Özdemir trotzdem noch Bundesvorsitzender werden wolle.
Fraktionschef Fritz Kuhn betonte: "Ich hoffe sehr, dass er antreten wird." Kuhn fügte hinzu: "Die Leute wollen Cem als Bundesvorsitzenden sehr gerne." Die Zahl der Sitze im Bundestag jedoch sei knapp. Da hätten die Parteifreunde nicht noch einen an den designierten Bundesvorsitzenden vergeben wollen, der dann ja ohnehin in Berlin sein werde.
Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Kerstin Andreae, sagte, Özdemir "muss jetzt noch einmal überlegen". Er wolle sich mit Beratern und Familie absprechen, ob er noch Bundesvorsitzender werden wolle. "Das war schon eine Niederlage für ihn." Andreae, die auf Listenplatz eins gewählt wurde, sprach von einem "politisch unklugen Abstimmungsverhalten" gegenüber Özdemir.
Die Grünen in Nordrhein-Westfalen stellten sich ebenfalls hinter den designierten Parteichef. "Özdemir ist der richtige Kandidat zum richtigen Zeitpunkt. Er hat sich bei Vorstellungsterminen in NRW als kluger, moderner, aber auch politisch erfahrener Bewerber für das höchste Parteiamt präsentiert", erklärte der Landesvorsitzende der Grünen, Arndt Klocke.
Auch aus Hessen erhielt Özdemir Rückendeckung. "Wir wünschen uns trotz des für ihn unbefriedigenden Ausgangs des gestrigen Parteitags, dass Cem Özdemir an seiner Kandidatur als Bundesvorsitzender festhält", sagten die beiden Landesvorsitzenden der hessischen Grünen, Tarek Al-Wazir und Kordula Schulz-Asche. Özdemir sei "eines der größten politischen Talente" der Grünen. Er könnte als Bundesvorsitzender "integrativ in die Partei wirken, neue Impulse einbringen und die Grünen hervorragend repräsentieren".
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer sagte, er sei "tief enttäuscht". Die Partei habe nicht viele so gute Leute wie Özdemir.
Die Partei sei seit 2005 "auf der Suche nach einer neuen Orientierung". "Ich hoffe, dass wir keine radikalen Oppositionsreflexe entwickeln", sagte Palmer. Nach Angaben von Grünen-Landeschef Daniel Mouratidis plant Özdemir "vorerst keine Konsequenzen" für den Bundesvorsitz.
Özdemir war am Samstagabend in der Wahl um Platz sechs dem Bundestagsabgeordneten Winfried Hermann mit 46 Prozent Stimmenanteil unterlegen. Anschließend sagte er: "Es war kein Votum gegen mich." Grund sei der Wunsch vieler Parteimitglieder, Amt und Mandat zu trennen. Jedoch wolle er als Bundesvorstand Fraktionsmitglied sein, um dort die Interessen der Partei stark zu vertreten. "Es geht darum, dass der Einfluss der Partei gestärkt wird", bekräftigte der designierte Grünen-Bundeschef. In der Kampfabstimmung um Platz acht unterlag Özdemir anschließend mit 41,3 Prozent Alexander Bonde.
Als Spitzenkandidaten gehen Andreae und Kuhn in die Bundestagswahl. Sie traten ohne Gegenkandidaten an.
jdl/ddp
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