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Linker Präsidentschaftskandidat Sodann "Ich will immer noch den Sozialismus aufbauen oder so was Ähnliches"

2. Teil: "Ich bin kein Stur- oder Querkopf"

SPIEGEL ONLINE: Eigentlich wollten Sie doch gar nicht mehr in die Politik nach dem Rückzug Ihrer Bundestagskandidatur im Jahr 2005. Warum jetzt doch wieder?

Sodann: Mein Rückzug lag damals nicht allein am MDR. Es war mir klar, dass ein Mandat nicht vereinbar gewesen wäre mit meiner Rolle als "Tatort"-Kommissar. Damals war ich nicht richtig vorbereitet. Würde ich jetzt wie durch ein Wunder Bundespräsident, würde ich das Amt natürlich annehmen - und versuchen, es mit einer weltpolitischen Heiterkeit und mit einem besonderen Gerechtigkeitsempfinden auszufüllen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sähe Ihre Berliner Rede aus? Bundespräsident Horst Köhler forderte zuletzt eine Agenda 2020.

Sodann: Ich habe mal eine Rede an Herrn Köhler gehalten, damals als er das Amt antrat. Darin sagte ich, dass ich mit der Agenda nicht einverstanden bin. Wenn in diesem Land ein Mensch Angst hat, ein Kind zu zeugen, dann ist das Land nicht in Ordnung. Das ist zwar eine hohe Forderung, aber es kommt auf den Weg an. Das Land gehört niemandem und die Früchte allen. So zu denken, hielte ich für vernünftig.

SPIEGEL ONLINE: Was Sie formulieren, ist der Wunsch nach einem idealen Staat. Den gibt es nicht. Der Versuch in der DDR, diesem Ziel nahe zu kommen, ist erbärmlich gescheitert - das brutale Gegenteil kam heraus.

Sodann: Diese Forderung kam ja nicht nur in DDR auf. Der Sozialdemokrat Kurt Schumacher war einer der ersten, die die Vergesellschaftung des Eigentums forderten, 1945 gleich nach dem Krieg. Und Ähnliches steht im Ahlener Programm der CDU von 1947. Wir haben es in der DDR getan und die Erfahrung gemacht, dass es nicht so einfach ist und wie es nicht geht.

SPIEGEL ONLINE: Nicht so einfach? Die DDR war am Ende nicht mehr zahlungsfähig, die Menschen hauten scharenweise ab.

Sodann: Der Sozialismus der DDR war eben nicht demokratisch und deshalb gar kein Sozialismus. Aber man sollte kein einseitiges Bild zeichnen. Die Menschen in der DDR haben auch Bewahrenswertes geschaffen. Und warten wir mal ab, was hier noch passiert mit der Bankenkrise und wie Deutschland dann dasteht.

SPIEGEL ONLINE: Deutsche-Bank-Chef Ackermann fand es nicht sehr witzig, als Sie sagten, Sie würden ihn gern festnehmen.

Sodann: Das war doch eine Kabarett-Nummer. Er sollte wissen, dass ich ihn gar nicht verhaften kann. Herr Ackermann hat keinen Humor. Wenn ich jetzt die scharfe Kritik aus der Bundesregierung an ihm höre, kann ich so falsch nicht gelegen haben.

SPIEGEL ONLINE: In Union und FDP gab es nach Ihren Äußerungen zur Demokratie schon Rückzugsforderungen. Ihr Vorstoß sei nicht angemessen für einen Bewerber um das höchste Staatsamt, lauteten die Vorwürfe.

Sodann: Was ist denn überhaupt dem Amt angemessen? Das wissen die auch nicht, die mich kritisieren. Was dem Amt angemessen ist, muss man mir doch überlassen, wenn ich das Amt hätte.

SPIEGEL ONLINE: Die Rückzugsforderungen beirren Sie also nicht?

Sodann: Das würden die auch fordern, wenn ich mich noch gar nicht geäußert hätte.

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie zugunsten der SPD-Bewerberin Gesine Schwan in einem dritten Wahlgang verzichten?

Sodann: So weit ist es ja noch lange nicht. Aber jeder soll den wählen, den er für den Richtigen hält.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass die Kandidatur Sie verändern könnte? Lernen Sie was in den nächsten Wochen?

Sodann: Natürlich, ich bin ja kein Stur- oder Querkopf.

Das Interview führten Claus Christian Malzahn und Björn Hengst

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