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08.11.2008
 

SPD-Spitzenkandidat

Eine Verlegenheitslösung namens Schäfer-Gümbel

Von Christian Teevs, Frankfurt am Main

Er tritt ein schweres Erbe an: Thorsten Schäfer-Gümbel beerbt Andrea Ypsilanti als Spitzenkandidat der Hessen-SPD. Die Aufgabe könnte nicht schwieriger sein - doch der unbekannte Parteilinke gilt als Verlegenheitslösung. Der hochgehandelte Favorit, Manfred Schaub, hatte zuvor verzichtet.

Frankfurt am Main - Schon lange vor der öffentlichen Bekanntgabe am Samstagnachmittag drang die Information aus dem Sitzungssaal im Frankfurter DGB-Haus: Thorsten Schäfer-Gümbel wird neuer Spitzenkandidat der Hessen-SPD. Er beerbt die gescheiterte Andrea Ypsilanti, die jedoch an Partei- und Fraktionsvorsitz festhalten will.

Schäfer-Gümbel: Er legt Wert auf Loyalität
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DDP

Schäfer-Gümbel: Er legt Wert auf Loyalität

Schäfer-Gümbels Kandidatur ist eine faustdicke Überraschung. Kaum jemand - weder in der Partei noch unter den Berichterstattern - hatte den 39-Jährigen auf der Rechnung. Als klarer Favorit galt zuvor der Baunataler Bürgermeister Manfred Schaub. Dieser verzichtete jedoch. Laut Sitzungsteilnehmern traue er sich die Aufgabe nicht zu, da er nicht ständig in Wiesbaden weile.

Der Sozialdemokrat Schäfer-Gümbel ist einer von Ypsilantis Leuten. Angeblich soll er darauf bestanden haben, dass sie Partei- und Fraktionschefin bleibe. Damit hätte er zwar bewiesen, dass er über die in der Politik wichtige Fähigkeit zur Loyalität verfügt - zumal ein Wahlkampf mit Ypsilanti alles andere als einfach würde. Ein Zeichen von Stärke wäre der freiwillige Verzicht auf den Partei- und Fraktionsvorsitz allerdings nicht. Spitzenkräfte wissen, wann sie alte Verbindungen kühl und leidenschaftslos kappen müssen. Ob der zunehmende Druck Ypsilanti nicht doch noch zum vollständigen Rückzug zwingt, ist offen.

Der 39-jährige Schäfer-Gümbel, Unterbezirkschef von Gießen und stellvertretender Vorsitzender der SPD Hessen-Süd, hat die klassische Ochsentour hinter sich gebracht. Mit 16 trat er in die Partei ein, war Bezirkschef und stellvertretender Landesvorsitzender bei den Jusos. Er kommt aus einer Arbeiterfamilie und sagt, dies habe ihn entscheidend geprägt.

Im Jahr 2003 - bei der historischer Wahlniederlage des damaligen Spitzenkandidaten Gerhard Bökel - zog der kräftige Mann in den Landtag ein. Die Sozialdemokraten stürzten damals auf 29 Prozent ab. Eine Große Koalition mit Koch oder Bouffier war für Schäfer-Gümbel immer unvorstellbar. "Seit ich 2003 in den Landtag gekommen bin, habe ich unter Kochs Alleinregierung gelitten wie ein Hund. Alles Fortschrittliche wurde umgemäht, das Ziel war und ist, uns und unsere Themen kaputtzumachen."

Schäfer-Gümbel kennt seinen Landesverband und sagt, die Berliner Schubladen - Linke, Seeheimer und Netzwerker - seien in Hessen nicht anwendbar. "In jeder Strömung gibt es bei uns mindestens drei verschiedene Interessengruppen", doziert er gern. Gegenüber Ypsilantis Königsmörder Jürgen Walter verkniff er sich bislang jedes böse Wort. Am Mittwoch forderte er jedoch, dieser müsse wie seine Mitstreiterinnen Carmen Everts, Dagmar Metzger und Silke Tesch sein Mandat niederlegen.

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