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11.11.2008
 

Atommüll im Wendland

Castor-Transport erreicht Endlager nach heftigen Protesten

Die Fahrt ist zu Ende: In der Nacht traf der Castor-Transport im Zwischenlager Gorleben ein. Zuvor hatten die heftigsten Blockade-Aktionen seit Jahren die Atommüll-Container fast einen ganzen Tag lang aufgehalten.

Gorleben - Am Ende ging es plötzlich ganz schnell. Am Dienstagmorgen um 0:17 Uhr fuhren die elf Tieflader mit den Castor-Behältern auf das Gelände des Zwischenlagers in Gorleben. Die Fahrt auf dem letzten Teilstück sei reibungslos vonstatten gegangen, sagte ein Sprecher der Polizei. "Damit ist der Einsatz beendet."

Erst eine gute Stunde zuvor, um 23.11 Uhr, hatte sich der Konvoi doch noch am Verladebahnhof im niedersächsischen Dannenberg in Bewegung gesetzt. Bewacht von Hunderten Polizisten rollten die Tieflader in das gut 20 Kilometer entfernte Gorleben.

Der Atommülltransport enthält die Reste alter Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken. Der Müll war für die Zwischenlagerung in der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Frankreich in Container verpackt worden. Der Sonderzug nach Gorleben war von dort am Freitagabend gestartet. Insgesamt brauchte er für die Fahrt nach Gorleben fast 80 Stunden.

Am Montag hatte der gesamte Transport seit dem Mittag stillgestanden, weil beide möglichen Routen zum Zwischenlager Gorleben durch Blockaden versperrt waren.

Selbst ein massives Polizeiaufgebot hatte das nicht verhindern können. Laut einem Sprecher der Polizei gab es gewaltsame Zusammenstöße mit Demonstranten. Nahe der Ortschaft Laase seien Wasserwerfer eingesetzt worden. Angaben über Verletzte gibt es bisher nicht.

Es waren die massivsten Proteste gegen einen Castor-Transport seit Jahren. Erst nach Stunden gelang es der Polizei, eine Sitzblockade direkt vor dem Zwischenlager zu beenden. Am Abend zeugten nur noch zertretenes Stroh und zerknüllte Wärmefolien von dem Protest. Am Nachmittag hatten hier zeitweise mehr als tausend AKW-Gegner auf der Straße gesessen - manche bei stürmischem Wind und niedrigen Temperaturen schon seit Samstag.

Einige Demonstranten wurden ruhig aufgefordert und problemlos abgeführt - andere mussten von den Beamten an den Armen gepackt und hinter eine stark gesicherte Absperrung gezogen werden. Gewaltsamen Widerstand gab es kaum, aber immer wieder wurden Sprechchöre laut, mit denen die Atomgegner von den Polizisten forderten, ihre Schutzhelme abzunehmen.

Sechs kleinere Sitzblockaden, die Demonstranten am frühen Abend bildeten, konnte die Polizei nach eigenen Angaben zügig beenden.

In der Ortschaft Grippel, wo beide mögliche Routen zusammenlaufen, dauerte die Blockade bis kurz nach 22 Uhr. Hier hatten sich acht Demonstranten mit den Armen in zwei Betonpyramiden angekettet. Die Betonklötze bereiteten den Beamten extreme Probleme. Die Demonstranten hatten sich dort so kompliziert gefesselt, dass es selbst mit Spezialwerkzeug nur langsam voranging - es sollte niemand verletzt werden.

Eine Nachricht, die sich durch die SMS-Kette der Anti-Atom-Initiativen rasend schnell verbreitet hatte, befeuerte den Protest: Laut Greenpeace setzen die neuartigen französischen Atommüllbehälter vom Typ TN85 deutlich mehr Neutronenstrahlung frei als die alten Castor-Behälter. Die Strahlung sei eigenen Messungen zufolge um 40 Prozent höher als beim Castor-Transport 2005.

Das Landesumweltministerium dementierte. Die gemessenen Strahlungswerte bewegen sich demnach im Bereich des Erlaubten. Bei allen drei in Dannenberg gemessenen Behältern seien die am Verladebahnhof Valognes festgestellten Messwerte bestätigt worden, nach denen die zulässigen Grenzwerte unterschritten seien, teilte das Ministerium in Hannover mit.

Friedlicher Protest und "hohe Gewaltbereitschaft"

Schon am Sonntag hatte es zum Teil heftige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und großen Gruppen von Blockierern auf dem Schienenweg Lüneburg-Dannenberg gegeben, mit Schlagstockeinsatz, brennenden Barrikaden und Verletzten auf beiden Seiten. Die Proteste konzentrierten sich auf einen dicht bewaldeten Schienenabschnitt im Großraum Göhrde.

ler/dpa/AP/ddp

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