Der bayerische Waffenhändler Karlheinz Schreiber hat weitere Enthüllungen in der Parteispendenaffäre angekündigt. Aus dem Verfahren würden noch "viele Fakten zum Schaden der gesamten politischen Klasse in Deutschland und vor allem Bayerns an die Öffentlichkeit kommen", sagte Schreiber gegenüber der Tageszeitung "Die Welt". Dies sei erst der Anfang. "Der wirkliche Schaden für die Bundesrepublik Deutschland steht noch bevor", menetekelte der Waffenhändler. Am Montagabend wurde Karlheinz Schreiber in der ARD-Sendung "Report" telefonisch befragt. Hier einige Wortlautauszüge des Telefon-Interviews aus Toronto:
ARD: "... Für was haben Sie 1994 100.000 Mark an Schäuble übergeben?"
Schreiber: "Sollten Sie Herrn Schäuble fragen, für mich war es eine Spende."
ARD: "... Wer war der Spender?..."
Schreiber: "Von den gleichen Leuten."
ARD: "... Wusste Herr Schäuble, von wem die Spende kam?"
Schreiber: "Glaube ich nicht, wurde nicht diskutiert. Er konnte davon ausgehen, dass sie von mir ist."
ARD: "... Warum in bar?"
Schreiber: "Ich habe nie Spenden in solcher Größenordnung überwiesen. ... Die Politiker brauchen alle ihre Spenden, vor allen Dingen wenn Wahlkämpfe sind ... Das kriegen Sie nicht im Altersheim oder im Armenviertel. In der Regel wollen die Spender nicht genannt sein, meistens nach meinen Beobachtungen jedenfalls, weil sie in verschiedene politische Richtungen Spenden verteilen..." ...
ARD: "... Kenntnis über weitere Spenden?"
Schreiber: "... Ich für meinen Teil möchte dem nichts hinzufügen."
ARD: "... Was haben Sie mit Wolfgang Schäuble besprochen ... War er überrascht?"
Schreiber: "Erstens ist der Vorgang nicht so gewesen, wie Sie ihn gerade beschrieben haben. Koffer auf den Tisch und 100.000, das war ein kleiner Kreis mit einem Essen und einer Diskussion. Das ist anders erfolgt. Aber, ich würde trotzdem vorziehen, dass Sie Herrn Schäuble danach befragen und nicht mich ...
... Ich weiß nicht, zu welchen Konten der Herr Kohl Zugang hatte, von welchen Konten er wusste. Ich weiß nur aus der offiziellen Berichterstattung, dass Herr Kohl von dieser Million nichts wusste ... und ich hab auch keinen Grund, wenn Herr Kohl sagt, er hat nichts davon gewusst, daran zu zweifeln. Ich habe jedenfalls mit Herrn Kohl nie über eine Million gesprochen."
ARD: "...Haben Sie auch Spenden in solchen Dimensionen anderen Parteien gegeben und wann werden Sie mit Ihrer ganzen Wahrheit auf den Markt kommen?"
Schreiber: "Überhaupt nicht. Das überlasse ich den anderen Leuten, das zu erzählen, wie die Dinge sind, die dazu verpflichtet sind. Ich bin doch nicht verpflichtet, mich als Informationsbüro zu betätigen."
ARD: "... Das Geld ist nicht Ihr Privateigentum, sondern Sie haben es schon im Auftrag von Auftraggebern gemacht?"
Schreiber: "Meiner Gruppe, ganz richtig."
ARD: "Hat diese Gruppe nie was damit verbunden?"
Schreiber: "Nein, es war eigentlich, wenn Sie so wollen, eine Art Landschaftspflege. Es ist nicht so, dass nicht Unterstützung gelegentlich auch von einer Regierung für ein Projekt notwendig ist. Es gab ein sehr großes Projekt, an dem ich sehr interessiert war in meiner Eigenschaft als Chairman von Thyssen Industries. Das ist allgemein bekannt. In naher Zukunft wird (man) darüber auch mehr hören. Ich erwarte eigentlich eine ziemlich problematische Entwicklung."
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