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Studie zu Migranten Neue deutsche Elite

2. Teil: Warum Migranten eine neue Leistungselite sind

Die neue Studie legt den Schluss nah, dass aus der Migration heraus ein produktiver und innovativer Leistungskern für die deutsche Gesellschaft erwächst. Vor allem bildet sich in den "intellektuell-kosmopolitischen" und "multikulturellen Performermilieus", wie sie von den Milieuanalytikern etwas sperrig bezeichnet werden, eine neue, für das 21. Jahrhundert formative Elite heraus, die immerhin schon ein Viertel der Gesamtmigration umfasst. Deren Träger - mehr Frauen als Männer - sind stolz auf ihre Bikulturalität, ihre Mehrsprachlichkeit, ihre lebensgeschichtliche Inspiration durch sehr verschiedenartige Philosophien. Aus diesem Erfahrungsreichtum ziehen sie ihr Selbstbewusstsein und begründen damit den Anspruch, als Leitformation einer kulturell spannungsreichen Weltgesellschaft eine Art Pionierrolle einzunehmen. In diesen beiden Milieus verfügt die Mehrheit über die deutschen Staatsbürgerschaft, während das im traditionell religiös-verwurzelten Milieu nur auf 16 Prozent der Zugehörigen zutrifft.

In vielerlei Hinsicht steht die Mehrheit der Migranten der Aufsteigermentalität in der deutschen Nachkriegsgesellschaft außergewöhnlich nah, ja verkörpert diese frühere deutsche Leitkultur inzwischen kraftvoller und vitaler als der Rest der deutschen Nation. Fast 70 Prozent der Menschen in Deutschland mit Zuwanderungsvergangenheit ist überzeugt davon, dass jeder, der sich anstrengt, auch nach oben zu gelangen vermag. Die deutsche Mitte sonst ist da mittlerweile weit skeptischer, auch resignierter, eher in Furcht vor dem Abstieg gefangen als durch Hoffnungen auf Aufstieg beseelt. Insofern haben es Apologeten des alten Sozialstaats in den neuen Migrationsgruppen künftig allerdings nicht leicht. Denn dort wird mehrheitlich sehr dezidiert das Postulat abgelehnt, dass es eine vorrangige Aufgabe des Staates zu sein habe, die sozial Schwachen verlässlich abzusichern.

Es ist ein bisschen so wie mit der neuen SPD unserer Tage. Nicht ganz wenige Kinder aus dem berufsstolzen, disziplinierten, traditionellen Arbeitermilieu der seinerzeit sogenannten "Gastarbeitergeneration" haben sich mittlerweile stärker nach oben gerobbt, ein wenig streberhaft, ziemlich ehrgeizig, jederzeit anpassungsbereit. Und wie die Parvenüs in der SPD hat man sich auch bei den erfolgreichen Migranten von den Zurückgelassenen unten getrennt und kulturell distanziert. Die neue Mitte der Einwanderung ist ebenso wie das Zentrum der klassischen Mehrheitsgesellschaft darauf erpicht, sich nur in solchen Wohnquartieren niederzulassen, in denen der Ausländeranteil gering ist.

Und so bleiben auch in der Migration nicht ganz wenige zurück - rund ein Viertel dürften es wohl mindestens sein. Der Aufstieg der einen lässt die anderen ihr Scheitern und ihre Rückständigkeit als noch schmerzhafter empfinden. In der Sinus-Studie firmieren sie als "entwurzelte" beziehungsweise "hedonistisch-subkulturelle Milieus". Hier wird am stärksten die Aussage bekräftigt, dass "Menschen mit einem Migrationshintergrund gerade in Deutschland Bürger zweiter Klasse" seien.

In diesen beiden Lebenswelten dominieren Männer mit geringer schulischer Qualifikation, unzureichender beruflicher Ausbildung. Das "entwurzelte Milieu" speist sich vor allem aus der meist nur wenige Jahre zurückliegenden Einwanderung aus der früheren Sowjetunion und Ex-Jugoslawien. Die Deutschkenntnisse sind sehr gering; weder im Familien- noch im Freundeskreis wird hauptsächlich Deutsch gesprochen. Man bleibt mithin unter sich, pflegt keine oder kaum Außenkontakte zu anderen Lebenswelten. Fast die Hälfte identifiziert sich mit dem Satz: "Mein Herkunftsland ist meine eigentliche Heimat; in Deutschlands verdiene ich nur mein Brot."

Das "hedonistisch-subkulturelle Milieu" hingegen - wo nur ein Viertel ein derartiges Bekenntnis abgibt - wird eher von jungen männlichen Türken geprägt, die größtenteils während der neunziger Jahre nach Deutschland gekommen sind, von denen aber auch überproportional viele hier bereits geboren worden waren. Über die Hälfte besitzt nicht die deutsche Staatsbürgerschaft, aber ihre Kenntnisse der deutschen Sprache sind bemerkenswert gut.

Wahrscheinlich ist dies der brisanteste Lebenszusammenhang, der die signifikant positive Integrationsperspektive der neuen Migrationsstudie bricht und relativiert. Es ist das Milieu junger, sich ihrem Selbstverständnis unsicherer Menschen, von denen viele sich vehement dagegen sträuben, in der deutschen Mehrheitsgesellschaft adaptiv aufzugehen. Sie wollen sich nicht unter Druck assimilieren, verhalten sich renitent, demonstrativ provokativ.

Nach wie vor trifft wohl zu: Diese Eigenkultur ist unzweifelhaft modern, aber sie hat mindestens Spuren oder Teilelemente auch der Traditionalität, des Rückgriffs auf Ethnie und religiösem Eigensinn aufgenommen, um sich von der verhassten Mehrheitsgesellschaft abzugrenzen und dadurch vielleicht eine eigene, gewiss schwierige Identität zu konstruieren.

Und dabei mag es sein, dass die Religion doch wieder mit ins Spiel kommt.

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insgesamt 257 Beiträge
newliberal 09.12.2008
Na ja, können, vielleicht, unter Umständen, in Zukunft. Wenn ich mir so die Bildstrecke ansehe bin ich nicht so überzeugt. Ausser einem wirklich brillanten Regisseur der Spitzenklasse, einem erfolgreichen Unternehmer, einem [...]
Zitat von sysopBestens ausgebildet, gut bezahlt, religiös liberal: Migranten in Deutschland können zur neuen Elite des Landes werden, wie eine neue Studie dokumentiert. SPIEGEL ONLINE erklärt, warum manche Einwanderer den Aufstieg schaffen - und andere nicht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,594896,00.html
Na ja, können, vielleicht, unter Umständen, in Zukunft. Wenn ich mir so die Bildstrecke ansehe bin ich nicht so überzeugt. Ausser einem wirklich brillanten Regisseur der Spitzenklasse, einem erfolgreichen Unternehmer, einem Fussballtalent, sehe ich eine Ex-Pornoaktrice (immerhin) und vor allem viele, viele Gutmenschpolitiker. Wenn das die Elite sein soll die Deutschland in eine erfolgreiche Zukunft führen soll..... Es kann sein, dass hier eine Elite heranwächst, es kann aber auch sein, dass wir hier auf französische oder schlimmer noch jugoslawisch-kosovarische Zustände zusteuern. Ich glaube eher Letzteres, hoffe aber Ersteres. Time will tell.
Was genau soll der Artikel jetzt eigentlich aussagen? Wenn ich lese, dass Migranten DIE neue deutsche Elite sind, wirkt es auf mich, als ob DIE deutsche Elite der Zukunft NUR aus Migranten besteht. Aber soll das wirklich ausgesagt [...]
Was genau soll der Artikel jetzt eigentlich aussagen? Wenn ich lese, dass Migranten DIE neue deutsche Elite sind, wirkt es auf mich, als ob DIE deutsche Elite der Zukunft NUR aus Migranten besteht. Aber soll das wirklich ausgesagt werden? Falls ja: Oh, das schürt ja direkt Überfremdungsängste! :-P Falls nein: Bitte ein wenig klarer formulieren. ;-)
Chris110 09.12.2008
Zitat "Nach der Schule spielte die Deutsche zunächst in Hardcore- Pornos mit, bis sie schließlich als seriöse Schauspielerin Anklang fand" Sehen Sie, das hat für mich mit Elite nichts zu tun. Und auch für sonst [...]
Zitat "Nach der Schule spielte die Deutsche zunächst in Hardcore- Pornos mit, bis sie schließlich als seriöse Schauspielerin Anklang fand" Sehen Sie, das hat für mich mit Elite nichts zu tun. Und auch für sonst niemanden, da steht Spiegel mal wieder alleine da. Elite ist etwas ganz anderes, keiner von denen gehört dazu.
Teodore 09.12.2008
Da wird eine verzerrte Wahrnehmung oder Darstellung auf erfrischende Weise zurechtgerückt. Natürlich ist der klassiche Auswanderertypus fleißig, hungrig, aufstiegsorientiert. Offenbar gibt es im Ausland viele Menschen, die in [...]
Da wird eine verzerrte Wahrnehmung oder Darstellung auf erfrischende Weise zurechtgerückt. Natürlich ist der klassiche Auswanderertypus fleißig, hungrig, aufstiegsorientiert. Offenbar gibt es im Ausland viele Menschen, die in Deutschland eine Perspektive sehen. Diesen Optimismus können wir gebrauchen. Ich kenne selbst Migranten, die mit einem Fleiß auch sogenannte niedere Arbeiten verrichten, weil sie sich -an sich selbstverständlich- aus eigener Leistung verbessern wollen. Ein wohltuender Kontrast zur satten Jämmerlichkeit, wie sie so häufig anzutreffen ist.
Adran 09.12.2008
Natürlich ist das so, und wird immer so sein. Das die ganze Migrationsthematik immer als neues Phänomen dargestellt wird, ist schlicht lachhaft, wenn man sich die Geschichte an sieht. Und ob die nun Kurt Tucholsky, oder Fatih [...]
Natürlich ist das so, und wird immer so sein. Das die ganze Migrationsthematik immer als neues Phänomen dargestellt wird, ist schlicht lachhaft, wenn man sich die Geschichte an sieht. Und ob die nun Kurt Tucholsky, oder Fatih Akin heißt, spielt nie eine Rolle.. Migraten und Integration gab es immer, und wird es immer geben, genauso wie jede migratengeneration auch ihre Eliten und Leistungsträger hervorbringen wird, und auch ihr eignes "Prekariat" Wo ist das also neu, oder irgendwie ein Problem? Auch bei der Integration der Hugennoten gab es seiner Zeit Probleme, aber heute sind sie integriert, und man sieht mit Stolz auf diese Wurzeln. Ergo wird das auch bei der "Neuen" Migration so sein.. ;)
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