Wien/Erfurt - Mit großer Erleichterung reagierte Thüringens Vize-Ministerpräsidentin Birgit Diezel (CDU) auf das Erwachen von Thüringens Ministerpräsident Althaus aus dem künstlichen Koma. "Wir sind sehr dankbar, dass der Ministerpräsident wieder ansprechbar und auf einem guten Weg ist", sagte sie laut Mitteilung der Staatskanzlei in Erfurt. "Ich danke besonders auch den behandelnden Ärzten im österreichischen Schwarzach für ihren bisherigen Einsatz."
Thüringens Bauminister Gerold Wucherpfennig, der zurzeit in Österreich im Urlaub ist, kündigte an, Althaus besuchen zu wollen. Er werde mit ihm über Privates reden, sagte er auf einer Pressekonferenz.
Am Morgen erwachte Althaus aus dem künstlichen Tiefschlaf, in den ihn die Ärzte wegen seiner Schädel-Hirn-Verletzung und einer Gehirnblutung versetzt hatten. Er sei ansprechbar und nehme seine Umgebung wahr, gaben die Ärzte in der Unfallklinik in Schwarzach im österreichischen Pongau bekannt. Wenn die Genesung weiter gute Fortschritte mache, sei die Verlegung des CDU-Politikers nach Deutschland in der kommenden Woche denkbar, sagte Klinikleiter Reinhard Lenzhofer.
"Unzumutbare Belastung"
Althaus war von den Ärzten seit Freitag langsam aus dem künstlichen Koma geweckt worden. "Der Ministerpräsident hat seine Gattin erkannt. Er bewegt seine Extremitäten. Mehr kann man zurzeit nicht erwarten", sagte Lenzhofer. Der Patient werde nicht mehr künstlich beatmet, bekomme aber noch Infusionen. Die computertomographische Untersuchung habe seinen stabilen Zustand bestätigt: "Das macht auf eine günstige Entwicklung Hoffnung. Es ist aber noch nicht abschätzbar, bis er voll mobil wird - es wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen", so Lenzhofer. Derzeit sei ein Transport aber noch nicht zu vertreten.
Althaus soll nun langsam wieder an eine normale Ernährung gewöhnt und nach dem schweren Unfall psychologisch und durch einen Physiotherapeuten behandelt. Sein psychischer Zustand sei stabil, hieß es am Samstag. Die Ärzte wollen "in den kommenden zwei, drei Tagen der Genesungsfortschritt weiter beobachten", dann erst werde man über eine Verlegung des Patienten entscheiden, kündigte der Klinik-Anästhesist Hubert Artmann an.
Althaus war am Neujahrstag auf einer Piste der Riesneralm in der Steiermark mit einer 41-jährigen Slowakin zusammengestoßen. Die Frau, eine Mutter von vier Kindern, starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Ursache für den Unfall sind noch ungeklärt. Bisher, so betonte Lenzhofer, sei Althaus noch nicht über den Tod der Frau informiert worden, "weil dies eine Belastung für ihn wäre. Das ist zurzeit für ihn noch unzumutbar."
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
Inzwischen wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Leoben im Zusammenhang mit dem Skiunfall am Neujahrstag gegen Althaus routinemäßig wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Der "Ostthüringer Zeitung" sagte Staatsanwalt Walter Plöbst: "Es hat ein Zusammenstoß stattgefunden, der tödlich endete. Wir gehen nicht davon aus, dass ein Dritter beteiligt war. Aus diesem Grund wird gegen den Überlebenden ermittelt, um ihm Beschuldigtenrechte einzuräumen."
Wann der CDU-Politiker vernommen werden soll, stehe noch nicht fest. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde bereits eine Autopsie der Leiche der Slowakin vorgenommen. Wann das Ergebnis vorliegt, könne man derzeit noch nicht sagen. Zudem wurden mehrere Gutachter eingeschaltet, die die Unfallursache und den Hergang des Unglücks ermitteln sollen. Augenzeugen haben sich bislang noch nicht gemeldet.
Eine Vernehmung von Althaus sei allerdings "nicht dringend", sagte Plöbst. Die Staatsanwaltschaft werde auch keine Einwände gegen die Ausreise des CDU-Ministerpräsidenten erheben.
han/dpa/AFP/ddp
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