Köln - Gut eine Woche vor der Landtagswahl steuert die hessische SPD auf das schlechteste Ergebnis seit Kriegsende zu. Wie eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Hessischen Rundfunks und der ARD ergab, liegen die Sozialdemokraten derzeit in der Wählergunst bei landesweit 24 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Roland Koch kommt auf 42 Prozent, sein Wunschpartner FDP auf 13 Prozent.
Damit haben beide großen Parteien gegenüber dem vergangenen Dezember je einen Prozentpunkt zulegen können. Allerdings verbessert sich die Union gegenüber dem Wahlergebnis des Jahres 2008 um mehr als fünf Prozentpunkte, während die SPD derzeit um mehr als zwölf Prozentpunkte unter ihrem damaligen Ergebnis liegt.
Die Grünen können derzeit mit 13 Prozent der Wählerstimmen rechnen. Die Linkspartei liegt bei fünf Prozent und muss damit um ihren Wiedereinzug in den hessischen Landtag bangen.
In Hessen waren Neuwahlen notwendig geworden, weil Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti zweimal mit der Bildung einer von den Linken tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung gescheitert war. Vier SPD-Abgeordnete hatten sich geweigert, Ypsilanti zur Ministerpräsidentin zu wählen. Zum Spitzenkandidaten kürte die SPD nach dem gescheiterten Machtwechsel den Landtagsabgeordneten Schäfer-Gümbel.
Über zwei Drittel halten SPD für "nicht mehr glaubwürdig"
"Das Paket, das mir auf die Schultern gelegt wurde, das ist mächtig", sagte Schäfer-Gümbel am Donnerstag auf einem Wahlkampftermin. "Die Partei war am Boden und das soll jemand, der 39 ist, auf einmal richten." Auch die Umfrage zeigt, dass der gescheiterte Machtwechsel der hessischen SPD offenbar nachhaltig geschadet hat.
Kampf um jede Stimme
Die hessische CDU erklärte in einer ersten Reaktion, die wiederholten Versuche, Ministerpräsident Koch zu diffamieren, hätten sich für die SPD nicht ausgezahlt. Der unanständige Wahlkampfstil der SPD stoße die Menschen ab. "Die CDU erfährt eine erfreuliche Zustimmung", sagte Generalsekretär Michael Boddenberg.
Dagegen erklärten SPD und Grüne, die Wahl sei noch nicht verloren. 27 Prozent aller hessischen Wähler seien noch unentschieden, betonte SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt. "Diese Gruppe wollen wir gezielt ansprechen und für uns gewinnen."
Die Grünen erklärten, ihr Ziel sei es, den Platz als drittstärkste Partei im hessischen Landtag von der FDP zurückzuerobern. Auch die Linke rief ihre Anhänger zu verstärkten Wahlkampfanstrengungen auf. Nur wenn die Linkspartei im Landtag bleibe, werde auch das Thema soziale Gerechtigkeit auf der Tagesordnung bleiben. "Wir werden um jede Stimme kämpfen", sagte der Landesvorsitzende Ulrich Wilken.
amz/AP/dpa
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