Sonntag, 22. November 2009

Politik



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16.01.2009
 

Sächsischer Dankesorden

Zoff um Auszeichnung für Wladimir Putin

Von Steffen Winter, Dresden

Ein Skandal, findet die Opposition: Stanislaw Tillich, Ministerpräsident mit DDR-Systemnähe, wird beim Semperopernball dem einstigen Dresdner KGB-Offizier und jetzigen russischen Premier Wladimir Putin den Dankesorden in Gold überreichen. Kritiker fragen: Wofür bloß?

Dresden - Das Schmuckstück ist von außergewöhnlicher Schönheit. In Handarbeit von einem Dresdner Juwelier gefertigt, besteht der Sächsische Dankesorden aus massivem Gelb- und Weißgold mit einem Reinheitsgehalt von 18 Karat.

Ex-KGB-Mann Putin: Fünf Jahre in Dresden stationiert
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AP

Ex-KGB-Mann Putin: Fünf Jahre in Dresden stationiert

Der "Heilige Georg zu Pferde" ist die Kopie eines Schmuckstücks, das im berühmten Dresdner "Grünen Gewölbe" lagert. Und es ist ein besonderes Symbol. Georg steht für den Sieg des Guten über das Böse. So wurde dem Zierrat ein wegweisendes Motto eingraviert: "Adverso Flumine" – "Gegen den Strom".

Das Motto scheint vor allem für die Ordensverleiher zu gelten, weniger für die Geehrten. Denn außer den Sachsen würde derzeit wohl niemandem in den Sinn kommen, dem russischen Ministerpräsidenten, der gerade halb Europa den Gashahn zudrehte, einen Orden an die Brust zu heften. So wird die Verleihung zu dem, was ein Opernball offenbar braucht, um wahrgenommen zu werden: zum skandalträchtigen Ereignis.

"Zynisch und skandalös" findet Werner Schulz, einstiger Grüner Bundestagsabgeordneter und heutiges Mitglied im Stiftungsrat zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Verleihung. Die Fraktionschefin der Grünen im Dresdner Landtag, Antje Hermenau, ätzt, man könne ja im nächsten Jahr Libyens Staatschef Gaddafi auszeichnen, um noch mehr Aufmerksamkeit auf den Ball zu lenken. Der sächsische Unionspolitiker Heinz Eggert sieht mindestens eine "politische Instinktlosigkeit" in der Preisvergabe an den prominenten Staatsgast.

Die Begründung für die Ordensverleihung ist denkbar schwammig gehalten. Eigentlich ist der Orden gedacht für "außergewöhnliche Personen", die sich "unbeirrt und voller Mut für Gegenwart und Zukunft des Landes Sachsen und für Deutschland" engagieren. Putin hingegen wird offiziell geehrt für den "sächsisch-russischen Kulturaustausch". Es gebe regen Austausch zwischen Museen und Kapellen, versichern die Ball-Veranstalter. Auch um die Rückgabe von Beutekunst habe sich der Russe verdient gemacht, hieß es zeitweise.

Mit der Materie befasste Unterhändler billigen Putin in diesem Zusammenhang maximal eines zu: er habe die verfahrene Situation nicht weiter verschärft. Aber verbessert habe er sie ausdrücklich nicht.

Warum also die Ehrung? Aus dem Umfeld des Kanzleramtes ist zu hören, der Russe habe sich im Anschluss an seinen Besuch bei der Kanzlerin am Freitag eine Dresden-Visite gewünscht, um private Besuche zu erledigen.

Putin kennt sich bestens aus im Elb-Florenz. Von 1985 bis 1990 war er als KGB-Offizier in Dresden stationiert und residierte in einer Villa in der Angelikastraße – vis-à-vis der Stasi-Bezirksverwaltung. Unter dem Decknamen "Adamov" sollte er neue Spitzel für den sowjetischen Geheimdienst anheuern.

Werner Schulz glaubt sich zu erinnern, dass es Putin war, der Demonstranten zur Wendezeit Waffengewalt androhte, wenn sie dem KGB-Gebäude zu nahe kämen. Für die Organisatoren des Semperopernballs ist jede Publicity willkommen. Das Provinzspektakel wurde erst vor vier Jahren wiederbelebt, es soll möglichst weltweit Beachtung finden. "Wir haben jetzt ein internationales Level erreicht", glaubt Ballchef Hans-Joachim Frey.

Bisher tummelte sich einheimische Prominenz wie Hans-Dietrich Genscher, Lothar de Maizière, Henry Maske und Franz Beckenbauer auf dem Parkett. Die sächsische Staatskanzlei lud Putin also auf Bitte des Ballvereins im März 2008 zu dem Event ein. Im Oktober kam die Zusage. Die Idee für die Einladung und für die Preisverleihung sei jedoch von den Organisatoren des Balles ausgegangen, versichert der Regierungssprecher.

So kommt es am Abend um 21.24 Uhr zu einem denkwürdigen Ereignis in der 1985 von Erich Honecker wiedereröffneten Oper. Ein sächsischer Ministerpräsident, der 1989 noch Staatsfunktionär in einem Rat des Kreises war und wegen des Umgangs mit seiner DDR-Biografie massiv unter Druck steht, überreicht einem ehemaligen Dresdner KGB-Offizier im Jahr 20 nach dem Mauerfall einen Dankesorden.

"Blockflöte für Tschekisten", fällt Werner Schulz dabei spontan ein. Heinz Eggert rät seinem Regierungschef, Putin wenigstens daran zu erinnern, "dass er seine Posten nur den demokratischen Bewegungen von 1989/90 verdankt. Hätte es diese politischen Umwälzungen nicht gegeben wäre er jetzt immer noch ein namenloser Offizier beim KGB, der noch nicht einmal das Geld hätte, einen Opernball zu besuchen".

Die Dresdner Attac-Gruppe hat für den Abend schon mal eine Gegenbewegung angekündigt. Auf der gegenüberliegenden Elbseite werden die Globalisierungsgegner einen "Dreigroschenball" starten.

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