Wiesbaden - Von den 55 hessischen Wahlkreisen hat die SPD an diesem Sonntag nur noch 9 erobert - im Vergleich zu 27 im Vorjahr. Die CDU schaffte es, ihr insgesamt 18 Direktmandate abzujagen, und kommt nun auf insgesamt 46.
Die gesamte CDU-Fraktion besteht damit aus direkt gewählten Abgeordneten. Durch Überhangmandate ist sie größer, als es dem Wahlergebnis von 37,2 Prozent entspricht.
SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel scheiterte in seinem mittelhessischen Wahlkreis an CDU-Innenminister Volker Bouffier. Der CDU-Politiker verteidigte das Direktmandat im Wahlkreis Gießen II mit 42,6 Prozent. Schäfer-Gümbel kam auf 35,4 Prozent der Erststimmen - er zieht nun über die SPD-Landesliste in den Landtag ein, auf der er den ersten Platz hatte. Vor einem Jahr hatte Bouffier mit 40,5 gegen 38,3 Prozent etwas knapper vor seinem SPD-Gegenkandidaten gelegen.
Die am Sonntag als SPD-Landeschefin zurückgetretene Andrea Ypsilanti verlor ihr Direktmandat im Frankfurter Nordosten deutlich. Im erneuten Duell mit CDU-Kontrahentin Gudrun Osterburg erhielt sie im Wahlkreis Frankfurt VI nur noch 23,1 Prozent - ein Minus von 17,9 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Die 63-jährige Osterburg gewann den als bürgerlich geltenden Kreis mit 41,2 Prozent, knapp 4 Punkte mehr als vor einem Jahr. Bei den Zweitstimmen kam die SPD sogar nur auf 20,6 Prozent. Ypsilanti wird dennoch in den Landtag einziehen, da sie über den zweiten Platz der Landesliste abgesichert ist.
Die Wahlkreise der vier SPD-Abweichler, die mit ihrem Nein zu einer rot-grünen Minderheitsregierung die Neuwahl letztlich herbeigeführt haben, gingen allesamt an die CDU. Alle vier Abweichler waren zur diesjährigen Wahl nicht mehr als Kandidaten angetreten.
SPD-Abweichler (v. links) Silke Tesch, Jürgen Walter, Carmen Everts und Dagmar Metzger (Archivbild): Direktmandate an die CDU verloren
CDU-Mann Utter bezwang mit 42,3 Prozent der Stimmen den ebenfalls im Wahlkreis Wetterau I angetretenen FDP-Spitzenkandidaten Jörg-Uwe Hahn, der 16,0 Prozent erreichte.
Ministerpräsident Roland Koch gewann das Direktmandat in seinem Wahlkreis Main-Taunus I mit etwas mehr Zustimmung als im Vorjahr erneut. 55,3 Prozent der Wähler wollten sich durch den CDU-Landeschef weiterhin in Wiesbaden vertreten sehen, das waren 3 Prozentpunkte mehr als bei der Landtagswahl 2008. Bei den Zweitstimmen kamen CDU und FDP auf eine Zwei-Drittel- Mehrheit. Die CDU verlor 2,2 Prozentpunkte auf 43,6 Prozent, die FDP steigerte als zweitstärkste Kraft ihren Anteil um 7,5 Punkte auf 22,5 Prozent.
Grünen-Chef Tarek Al-Wazir erreichte in seinem Wahlkreis Offenbach-Stadt 18,2 Prozent der Erststimmen und unterlag im Rennen um das Direktmandat damit Stefan Grüttner von der CDU, der 38,0 Prozent schaffte.
Linke-Spitzenkandidat Willy van Ooyen kam in seinem Wahlkreis Main-Taunus II auf nur 4,1 Prozent.
tno/dpa/AP
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