Von Gerhard Spoerl
Alles hängt mit allem zusammen, und momentan gilt das Primat des Politischen. Dabei unterscheiden die Kenner der Münchner Konferenz zwischen "operativen" Runden und "explorativen" Gesprächen. Operativ ist es, wenn Karzai, Petraeus und Holbrooke über "Afghanistan und die Zukunft der Allianz" reden. Dabei geht es um die Aussichten, ob das Land mit einer neuen Doppelstrategie - harte militärische Schläge plus Gesprächsangebote - die Taliban zurückdrängen und stabiler werden kann. Schwerer könnte es werden, aus einer Mammutrunde zu "Nato, Russland, Öl, Gas und der Nahe Osten" Anregungen mitzunehmen.
Explorative Gespräche finden vorzugsweise am Rande der Konferenz statt, und dazu trägt der Tagungsort bei, der kleine feine "Bayerische Hof". Obama hat ja angekündigt, direkte Gespräche mit Iran zu suchen, und was sich machen ließe, können seine Abgesandten versuchen herauszufinden. Das Mullah-Regime schickt Ali Laridschani, er war Chef des staatlichen Fernsehsenders, dann Atom-Unterhändler in den Gesprächen mit der Europäischen Union und ist jetzt, leicht degradiert, Präsident des Parlaments. Ein interessanter Mann, der noch eine Zukunft in Teheran haben könnte.
Vieles steht momentan auf Anfang, manches erscheint möglich, und vielleicht weiß man nach München besser, wie sich die Welt, im Bann der Wirtschaftskrise, neu sortieren könnte: ob Entspannung zwischen Russland und Amerika eintritt, ob sich in Afghanistan, auf das sich Amerika verstärkt besinnt, Fortschritte entwickeln, was im Nahen Osten möglich ist, und was Amerika tun will, um Iran, auf Atomkurs, doch noch einzufangen.
Nebenbei hat auch die Konferenz ein neues Gesicht. Horst Teltschik, der außenpolitischer Berater Helmut Kohls war, hat es neun Jahre gemacht. Ihm folgt Wolfgang Ischinger, ein Karriere-Diplomat aus der Genscher-Schule, ein politischer Kopf mit besten internationalen Beziehungen. Er war Staatssekretär im Auswärtigen Amt, als Deutschland sich am Kosovo-Krieg beteiligte, und lebte nicht immer in schönster Harmonie mit seinem Außenminister Joschka Fischer. Später, zwischen 9/11 und dem Irak-Krieg, war er Botschafter in Washington, danach in London. Deshalb kennt er sie alle, Petraeus wie Holbrooke, Karzai wie Biden, Jones wie Angela Merkel, die ihn zum Leiter der Sicherheitskonferenz machte.
Die furchtbar interessanten Zeiten sorgen dafür, dass die Konferenz in München diesmal fast den Rahmen sprengt. Sie wird weltweit mehr Aufmerksamkeit denn je erregen. Es geht ja darum herauszufinden, was geht im ersten Obama-Jahr.
Und was nicht.
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