ThemaRechtsextremismusRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
16.02.2009
 

Attacke an Autobahnraststätte

Polizei fahndet nach schwedischen Neonazis

Tatort Raststätte Teufelstal: Nach dem Neonazi-Überfall auf Gewerkschafter hatte die Polizei den Bus der Schläger durchsucht, aber weiterfahren lassen. Jetzt wird nach drei Schweden gefahndet. Eines der Opfer hat einen Schädelbruch erlitten.

Jena - Nach dem brutalen Parkplatz-Überfall von Neonazis auf Teilnehmer einer Dresdner Demonstration gegen Rechtsextremismus fahnden die Beamten nach drei Schweden. Sie saßen nach Angaben der thüringischen Polizei vom Montag in dem Bus, den Beamte bei der Suche nach den Tätern stoppte. Die Schweden waren den Angaben zufolge gemeinsam mit Neonazis aus Hessen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz in einem Bus, gegen dessen insgesamt 41 Insassen wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung ermittelt wird. Sie sind wegen Fluchtgefahr zur Fahndung ausgeschrieben, sagte Polizeisprecher Sven Opitz am Montag in Jena.

Zum Zeitpunkt der Kontrolle des Busses sei nicht klar gewesen, wie schwer eines der Opfer verletzt worden war. Der 42-Jährige aus Hessen liegt mit einem Schädelbruch in der Uni-Klinik in Jena und wird am Montag operiert.

"Die Neonazis haben unsere zwei Busse aus Nordhessen mit den Worten 'Attack Antifa' mit Flaschen und einem mehrere Kilogramm schweren Eisklotz angegriffen", wird ein Gewerkschafter von der Nachrichtenagentur AP zitiert. Ein Kollege habe sich bei dem Angriff mehrerer Rechtsextremisten nicht mehr in den Bus retten können. Er sei so lange gegen Kopf und Oberkörper getreten worden, bis er sich nicht mehr gerührt habe.

Zur Aufklärung des Übergriffs auf der Rastanlage Teufelstal an der Autobahn 4 wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, an der auch das Thüringer Landeskriminalamt beteiligt ist. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf schweren Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung.

Augenzeugen, die sich am 14. Februar zwischen 19 Uhr und 20 Uhr auf der Raststätte Teufelstal an der Bundesautobahn 4 befanden und das Geschehen beobachten konnten, wurden gebeten, sich an die Kriminalpolizei Jena oder an die nächstgelegene Polizeidienststelle zu wenden.

Die rechtsextremen Angreifer waren in einem Bus mit insgesamt 41 Insassen im Alter von 14 bis 53 Jahren aus dem Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz und Schweden unterwegs. Insassen des Busses hatten am Samstagabend laut Polizei auf dem Rastplatz Teufelstal an der Autobahn 4 fünf Menschen verletzt. Ob sich die drei Schweden an den Ausschreitungen beteiligt haben, ist noch nicht geklärt.

Auch die Polizei im sächsichen Chemnitz ermittelt nach einer Attacke mutmaßlicher Neonazis am Samstag an einer Raststätte. Dabei wurde eine Gruppe aus Weimar angegriffen. Vier Menschen seien leicht verletzt worden. Laut Weimarer Stadtverwaltung berichteten die Opfer von Flaschenwürfen und Tritten ins Gesicht. Die Polizei stoppte kurz danach einen Bus mit zwölf Insassen und nahm die Verdächtigen in Gewahrsam.

In Dresden hatten am Samstag mehr als 10.000 Menschen mit Sternmärschen und Kundgebungen gegen Rechtsextremismus demonstriert. Sie erinnerten damit auch an die Zerstörung der Stadt bei Angriffen britischer und amerikanischer Bomben am 13. und 14. Februar 1945. Der Protest wandte sich gegen einen Aufmarsch von etwa 6000 Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland. Die Rechtsextremisten instrumentalisieren seit langem den Jahrestag der Bombardierung Dresdens Ende des Zweiten Weltkrieges.

Nach dem Überfall von Rechtsextremisten auf Teilnehmer der Anti-Rechts-Demonstration von Dresden bekräftigte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Forderung nach einem NPD-Verbot . DGB-Chef Michael Sommer verlangte am Montag in Berlin zugleich eine sofortige und umfassende Aufklärung des Übergriffs. Die Täter müssten rasch zur Verantwortung gezogen werden. Die Politik ihrerseits müsse ein Verbot der rechtsextremen NPD vorantreiben, mahnte Sommer, der an der Demonstration der Initiative "Geh Denken" in Dresden teilgenommen hatte.

hen/dpa/ddp/AP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Rechtsextremismus

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP