Zunächst: Ohne Geduld, langen Atem, zähe Ausdauer und belastungsfähiges Sitzfleisch geht nichts in der Politik. Personen mit einem ausgeprägten Schlafbedürfnis sind ohne Chance. Hochintelligente Menschen, denen Redundanzen in stundenlangen Kommissionen ein Greuel sind, sollten sich politische Karrierepläne aus dem Kopf schlagen.
Steinmeier, Merkel: Politische Führung ist nicht leichter geworden
Auch Intellektuelle, streng systematisch denkende Menschen werden es schwer haben, auf dem Gipfel zu bestehen. Weit wichtiger sind Intuition, Gefahreninstinkt, die Fähigkeit, unterschiedliche Informationen blitzschnell zu verknüpfen.
Und in der Regel erweist es sich überdies als Vorteil, nicht über die Maßen klug zu sein. Der Mangel an Zweifel am eigenen Tun erleichtert das politische Führungsleben, während Skrupel und Reflexionswut es erheblich beschweren.
Erfreuliche Momente für die Kraftnaturen der Macht sind Krisen und Katastrophen. Denn dann weitet sich für einen kurzen Zeitraum das politische Spielfeld. Die Vetomächte müssen ihre Routineeinwände unter dem Druck der aufgeschreckten Öffentlichkeit zurückstellen. Der Exekutive werden in den Zeiten des Notfalls außerordentliche Befugnisse eingeräumt. Die sonst sperrigen Institutionen dürfen zwischenzeitlich übergangen werden. Helmut Schmidt war ein großer Nutznießer solcher Konstellationen, auch Gerhard Schröder.
In der Außenpolitik gibt es ebenfalls historische Knotenpunkte, an denen die innenpolitischen Blockademächte nicht beteiligt sind und Spielräume sich öffnen. In einem solchen "Weltenmoment" kann man als politischer Anführer einer Nation dann Geschichte machen, wie Adenauer in den fünfziger, Brandt in den frühen siebziger Jahren und Kohl 1989/90. Ist der Moment vorüber, hat der Held erledigt, was er zu vollbringen hatte, dann wird die Geschichte ihn wegwerfen "wie leere Hülsen", um einmal den großen Georg Wilhelm Friedrich Hegel zu zitieren.
Auch scheint es einen politischen Habitus und Regierungsstil zu geben, mit dem milieuübergreifend Resonanz zu erzielen ist, der Studienräte genauso beeindruckt wie diejenigen ihrer Angestellten, die ihnen das Haus sauber halten. In diesem Typus des vergleichsweise erfolgreichen Politikers paaren sich Härte, evidente Durchsetzungsfähigkeit, ein Stück souveräner Unabhängigkeit von der eignen Partei mit Biss, Witz, Schlagfertigkeit, oft auch mit einem Hauch lustvoller rebellischer Provokation.
Der Blick des politischen Aufsteigers ist illusionslos
Der erfolgreiche Politikertypus solcher Fasson verbindet politischen Instinkt, Populismus, Stimmungs- und Problemsensibilität, Konzentration auf das Wesentliche, virtuose Medienpräsenz und Pragmatismus miteinander. Er muss eine immens facettenreiche Gestalt sein, muss als Projektionsfläche für verschiedene Bedürfnisse, Einstellungen und Kulturen taugen, muss rochieren, sich neuen Verhältnissen blitzschnell anverwandeln, ohne dabei aber opportunistisch zu wirken. Er sollte ein umarmungsfähiger Integrator sein, aber auch ein konzeptioneller Scout mit Witterung für die Themen von morgen.
Es ist auffällig, dass oft der Typus des Aufsteigers viele dieser Eigenschaften in sich vereint. Er konnte sich auf seinem harten Weg nach oben überflüssige Sentimentalitäten und übermäßiges Fairplay nicht leisten; er hatte die Ellbogen rüde auszufahren, Mimikry zu üben gelernt, Rivalen früh wittern und ohne große Skrupel in den Orkus schicken müssen. Mit Tiefschwätzereien kann man ihm nicht kommen. Sein Blick ist illusionslos. Er schlägt hart zu, wenn ihm genommen werden soll, was er sich trotz der Widrigkeiten seiner inferioren Herkunft alles aufgebaut hat.
Oft sind sie, die nicht selten in ursprünglicher Gegnerschaft zur Gesellschaft angetreten sind, die rüden und robusten Verteidiger des Systems, in dem sich ihr Aufstieg schließlich vollzog. Jedenfalls: Aus diesem Holz scheinen die harten Führernaturen des politischen Establishments häufig geschnitzt zu sein.
Dabei ist unzweifelhaft, dass moderne Parteien nicht autoritär geführt werden können. Die Basis lässt sich durch zentralistische Dekrete nicht langfristig beeindrucken; Parteiversammlungen sind durch einen zackigen Befehlston nicht zu kujonieren. Politische Führung ist mittlerweile in der Tat auf kommunikative Fähigkeiten angewiesen. Wer politisch ausdifferenzierte Parteien erfolgreich führen will, muss koordinieren, vermitteln, ausgleichen, delegieren, einbinden, vernetzen, überzeugen können. So sind gleichsam sanfte Führungsformen gefragt.
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Dieses „man“ sind in der Realität üblicherweise genau diejenigen, die entweder davon profitieren, dass die deutsche Demokratieform wichtige politische Entscheidungen sorgfältig vor dem Einfluss des Willens der Wählermehrheit [...] mehr...
.... Das Thema ist ja Macht, und ob der einfache Abgeordnete so viel Macht hat, das wage ich mal zu bezweifeln. In Wirklichkeit dürften sich die meisten Abgeordneten hilflos bei dem fühlen, was andernorts entschieden wurde [...] mehr...
Die Existenz von Verbrechen beweist nicht die Sinnlosigkeit von Gesetzen. Das Problem mit den Deutschen ist, dass man ihnen leider nicht allzu viel Demokratieverständnis zutraut. Ich würde bei einer direkten Demokratie [...] mehr...
In der deutschen Politik kann man sie nicht verwechseln, denn dort steht Lobbyismus oft als Tarnbegriff für Korruption. Das halte ich zwar für falsch, aber wenn man den ehrlichen - nicht korrupten - Lobbyismus meint, kann man [...] mehr...
ein hervorragender Beitrag. Genau so ist es seit ca. 25 Jaren Würde man die gesamten Typen die sich da in Berlin den Hintern platt sitzen auf Stellensuche schicken, müßten sich mindestens 4/5 bei der ARGE melden, da sie [...] mehr...
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