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Geheimnis der Machtmenschen Wieso Politiker nicht die Klügsten sind

2. Teil: In der Politik geht es nicht um Glaubwürdigkeit

Einerseits. Doch anderseits kann diese nur derjenige effektiv verwenden und durchsetzen, der durch Energie, Disziplin, Kaltschnäuzigkeit und Machtwillen auch Konkurrenten beeindruckt, ja einschüchtert, sie mit Härte in der Minderheit hält. Kommunikative Führung gelingt nur demjenigen, der über sehr viel Autorität, Zielstrebigkeit und Gefahreninstinkt verfügt. Wohl aus diesem Grund waren bisher die Künder der "soft skills" letztlich nicht allzu erfolgreich.

Dazu: Um ganz oben im Zentrum der Macht zu überleben, ist es ratsam, sich politisch nicht vorschnell präzise festzulegen. Der pointierte Ideenproduzent ist der Held nur des Moments. Der flexible politische Moderator mit grenzenloser Geduld garantiert Dauer. Man lässt politische Debatten lieber laufen, den Prozess sich entfalten, die Kräfteverhältnisse herauskristallisieren, bevor man sich auf eine Seite schlägt.

Das ist eine der Regeln der Machtpolitik: Man kann etliche glänzende Einfälle haben - sobald man dabei einen schweren Fehler begeht, wird man fortgejagt. Also versucht man das Risiko, das jeder Originalität innewohnt, zu vermeiden, um die Führungsposition zu erhalten.

Grundehrliche Typen? Eine Fehlbesetzung in der Politik

Denn schließlich: In der Politik geht es um Macht, nicht um Sinnstiftung, nicht um Identitätswahrung, nicht einmal um Glaubwürdigkeit. Und noch einen Schritt weiter: Ein Politiker, der ein "grundehrlicher Kerl" sein möchte, wäre eine katastrophale Fehlbesetzung. Irgendwann würden ihn die Bürger mit Spott und Häme verjagen. Denn regierende Eliten müssen dazu fähig sein, trotz und am Ende aller Konsensrunden Verbindlichkeit zu erzwingen. Sie haben den Zugriff auf das Gewaltmonopol. Man erwartet von ihnen den Schutz der elementaren Lebensinteressen und Güter - gegen mögliche Usurpatoren im Inneren und Äußeren, von denen nicht zu erwarten ist, dass sie ihre niederträchtigen Absichten offenherzig preisgeben.

Insofern müssen Politiker kaltschnäuzig, unsentimental, knochenhart, listig sein. Sie müssen als kühl kalkulierende Strategen überzeugen. Aber ein Stratege darf nicht auf dem offenen Markt Absichten ausplaudern. Ein Stratege hat die nächsten Züge nicht anzukündigen, gar zur Abstimmung zu stellen. Ein Stratege operiert geheim; er täuscht, legt falsche Spuren, hebt Fallgruben aus, lauert hinter Hecken. Er hat allerdings Vorsorge dafür zu treffen, dass dies alles zugleich als "authentisch" erscheint, also mit dem "Saum des Glaubens" ausgestattet wird. Seit jeher kümmert sich erfolgreiche Führung darum, ihr Tun moralisch zu verbrämen.

Aber insgesamt: Politische Führung ist in modernen Zeiten, nach dem Ende verbindlicher Doktrinen, Milieus und Loyalitäten, in der säkularisierten Verhandlungs- und Konkordanzdemokratie gewiss nicht leichter geworden. Daher: Die nächste Führungskrise wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.

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insgesamt 133 Beiträge
sowosammerneger 22.02.2009
Könnten wir dann bitte eine anarchistische Monarchie einführen? Wir müßen nur eine Familie durchfüttern, dafür bekommen wir was für die Klatschzeitungen geliefert und dürfen machen, was wir wollen. Scheint mir eine gute [...]
Könnten wir dann bitte eine anarchistische Monarchie einführen? Wir müßen nur eine Familie durchfüttern, dafür bekommen wir was für die Klatschzeitungen geliefert und dürfen machen, was wir wollen. Scheint mir eine gute Alternative zu sein, deren positive Effekte man in den Zeiten des großen Schröderendes gut beobachte konnte ...
...ergo sum 22.02.2009
Unterm Strich also, - das Volk WILL nicht nur diese Art von Menschen mit genau diesen, eigentlich verabscheuungswürdigen Eigenschaften, es braucht sie sogar. Schlußendlich demnach heißt das, - je mehr von diesen Eigenschaften [...]
Unterm Strich also, - das Volk WILL nicht nur diese Art von Menschen mit genau diesen, eigentlich verabscheuungswürdigen Eigenschaften, es braucht sie sogar. Schlußendlich demnach heißt das, - je mehr von diesen Eigenschaften ein Politiker hat, desto besser seine Politik FÜR !!!!! Das Volk ? Über diese merkwürdigen Thesen muß ich zunächst erst einmal noch einige Zeit nachdenken. Z.Z. denke ich das man das SO nicht ganz stehen lassen kann (und darf ?).
christiane006 22.02.2009
vielleicht wäre es schön, wenn es tatsächlich so wäre. Dem Bürger bietet sich allerdings ein anderes Bild. In der Politik tummeln sich nicht nur Machtmenschen in vorderster Reihe, es tummeln sich leider auch Apparatschiks und [...]
Zitat von sysopPolitik ist ein Geschäft für kaltschnäuzige, unsentimentale, knochenharte und listige Menschen - das liegt in der Natur des Systems. Nur Kraftnaturen kommen ganz nach oben, nicht die Schlausten. Franz Walter über das Geheimnis erfolgreicher Machtmenschen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,608322,00.html
vielleicht wäre es schön, wenn es tatsächlich so wäre. Dem Bürger bietet sich allerdings ein anderes Bild. In der Politik tummeln sich nicht nur Machtmenschen in vorderster Reihe, es tummeln sich leider auch Apparatschiks und Funktionäre, deren einziges Streben, eine gesicherte Versorgung ist. Leute wie Kauda, Pofalla, Niebel, Scholz, Bütikofer oder wie sie sonst noch so heißen mögen, kann man wohl kaum als Machtmenschen qualifizieren. Es handelt sich hier eher um saft- und kraftlose Typen, die es in der Wirtschaft wohl eher sehr schwer gehabt hätten, eben weil ihnen Charisma und Machtstreben fehlt. Politik ist somit eine hervorragende Nische für Minderleister. Sicherlich darf man diesen Charakterköpfen in der Politik keine unbegrenzte Macht zuordnen, es wäre aber nicht schade, wenn wir von diesem Typus ein paar Protagonisten mehr hätten, dazu zähle ich Leute wie Steinbrück und Seehofer, oder Lafontaine wenn man sich weiter umschaut hat man allerdings Schwierigkeiten weitere Exemplare dieser Güte zu entdecken. Unsere politische Vertretung erstickt im Mittelmaß, dies macht einen Teil der Politikverdrossenheit aus.
derweise 22.02.2009
Platon sagt in der "Politeia" über Politiker folgendes: „Und so wird unsere von euch geführte Staatsregierung eine solche von wachenden Menschen sein und nicht von träumenden, wie es jetzt bei den meisten Staaten der [...]
Platon sagt in der "Politeia" über Politiker folgendes: „Und so wird unsere von euch geführte Staatsregierung eine solche von wachenden Menschen sein und nicht von träumenden, wie es jetzt bei den meisten Staaten der Fall ist, deren Leiter Schattengefechte miteinander ausfechten und bei ihrer Verwaltung Parteikämpfe um die Herrschaft führen, als ob diese ein gar großes Gut wäre. In Wahrheit aber steht es so, der Staat, in welchem die zur Regierung Berufenen am wenigsten Lust haben zu regieren, wird notwendig am besten und ruhigsten, der aber, der Regenten entgegengesetzter Art bekommt, auch entgegengesetzt verwaltet werden.“ (Nestle, Platon Hauptwerke,“ 212) Platon formuliert also folgendes: 1. Politiker sollten wache Menschen, keine Illusionisten (!) sein! 2.Schattengefechte und Parteikämpfe: darum geht es den Politikern - als ob diese wichtig wären! 3. die besten Politiker wären die, die eigentlich gar keine Lust zu diesem Geschäft haben.Nachdenklich sollte es deshalb einen stimmen, wenn von einem Politiker etwas von "Leidenschaft zur Macht" zu hören ist!
Zuul 22.02.2009
Also ich weiß nicht. Sobald der F.W. irgendeine Binsenwahrheit akademisch verbrämt daherschwätzt, hört der SPIEGEl zu. Dabei erzählt er uns bloß vom Unterschied zwischen Menschen, die Macht als Zweck betrachten und solchen [...]
Zitat von sysopPolitik ist ein Geschäft für kaltschnäuzige, unsentimentale, knochenharte und listige Menschen - das liegt in der Natur des Systems. Nur Kraftnaturen kommen ganz nach oben, nicht die Schlausten. Franz Walter über das Geheimnis erfolgreicher Machtmenschen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,608322,00.html
Also ich weiß nicht. Sobald der F.W. irgendeine Binsenwahrheit akademisch verbrämt daherschwätzt, hört der SPIEGEl zu. Dabei erzählt er uns bloß vom Unterschied zwischen Menschen, die Macht als Zweck betrachten und solchen Menschen, die Macht als Mittel zum Zweck betrachten. Es ist eine Frage, deren Antwort entweder niedere oder edle Beweggründe sind; niedere bei den Politikern, die sich um der Macht willen aufgeben und edle bei jenen, welche die Macht um ihres eigenen Seelenheils willen aufgeben. Erstere sind Verwalter, letztere Gestalter. Erstere gibt es wie Sand am Meer, letztere sucht man wie die Nadel im Heuhaufen.
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