Einerseits. Doch anderseits kann diese nur derjenige effektiv verwenden und durchsetzen, der durch Energie, Disziplin, Kaltschnäuzigkeit und Machtwillen auch Konkurrenten beeindruckt, ja einschüchtert, sie mit Härte in der Minderheit hält. Kommunikative Führung gelingt nur demjenigen, der über sehr viel Autorität, Zielstrebigkeit und Gefahreninstinkt verfügt. Wohl aus diesem Grund waren bisher die Künder der "soft skills" letztlich nicht allzu erfolgreich.
Dazu: Um ganz oben im Zentrum der Macht zu überleben, ist es ratsam, sich politisch nicht vorschnell präzise festzulegen. Der pointierte Ideenproduzent ist der Held nur des Moments. Der flexible politische Moderator mit grenzenloser Geduld garantiert Dauer. Man lässt politische Debatten lieber laufen, den Prozess sich entfalten, die Kräfteverhältnisse herauskristallisieren, bevor man sich auf eine Seite schlägt.
Das ist eine der Regeln der Machtpolitik: Man kann etliche glänzende Einfälle haben - sobald man dabei einen schweren Fehler begeht, wird man fortgejagt. Also versucht man das Risiko, das jeder Originalität innewohnt, zu vermeiden, um die Führungsposition zu erhalten.
Grundehrliche Typen? Eine Fehlbesetzung in der Politik
Denn schließlich: In der Politik geht es um Macht, nicht um Sinnstiftung, nicht um Identitätswahrung, nicht einmal um Glaubwürdigkeit. Und noch einen Schritt weiter: Ein Politiker, der ein "grundehrlicher Kerl" sein möchte, wäre eine katastrophale Fehlbesetzung. Irgendwann würden ihn die Bürger mit Spott und Häme verjagen. Denn regierende Eliten müssen dazu fähig sein, trotz und am Ende aller Konsensrunden Verbindlichkeit zu erzwingen. Sie haben den Zugriff auf das Gewaltmonopol. Man erwartet von ihnen den Schutz der elementaren Lebensinteressen und Güter - gegen mögliche Usurpatoren im Inneren und Äußeren, von denen nicht zu erwarten ist, dass sie ihre niederträchtigen Absichten offenherzig preisgeben.
Insofern müssen Politiker kaltschnäuzig, unsentimental, knochenhart, listig sein. Sie müssen als kühl kalkulierende Strategen überzeugen. Aber ein Stratege darf nicht auf dem offenen Markt Absichten ausplaudern. Ein Stratege hat die nächsten Züge nicht anzukündigen, gar zur Abstimmung zu stellen. Ein Stratege operiert geheim; er täuscht, legt falsche Spuren, hebt Fallgruben aus, lauert hinter Hecken. Er hat allerdings Vorsorge dafür zu treffen, dass dies alles zugleich als "authentisch" erscheint, also mit dem "Saum des Glaubens" ausgestattet wird. Seit jeher kümmert sich erfolgreiche Führung darum, ihr Tun moralisch zu verbrämen.
Aber insgesamt: Politische Führung ist in modernen Zeiten, nach dem Ende verbindlicher Doktrinen, Milieus und Loyalitäten, in der säkularisierten Verhandlungs- und Konkordanzdemokratie gewiss nicht leichter geworden. Daher: Die nächste Führungskrise wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.
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