Dresden - Nach den Demonstrationen gegen den Neonazi-Aufmarsch in Dresden am vergangenen Wochenende hat es offenbar einen weiteren Zwischenfall gegeben. Wie die SPD-Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Nordsachsens, Liane Deicke, am Donnerstag in Leipzig mitteilte, wurde eine Gruppe Jugendlicher auf der Rückreise von der Veranstaltung in einem Regionalzug von Neonazis angegriffen.
Bislang waren nur zwei Angriffe bekannt. Einer geschah auf einem Thüringer Autobahn-Rastplatz. Dort hatten Neonazis nach den Gedenktagen an die Luftangriffe auf Dresden vergangenen Samstag Protestierer attackiert. Eines der Opfer, ein Gewerkschafter aus Hessen, erlitt schwere Verletzungen am Kopf. Verdächtig sind 41 schwedische Neonazis, deren Bus die Polizei kurz nach dem Übergriff gestoppt hatte. Sie nahm die Personalien auf, verzichtete jedoch auf Festnahmen. So konnten die gesuchten Schweden am Sonntag offenbar ungehindert in ihr Heimatland zurückfliegen.
Auch die Polizei im sächsischen Chemnitz ermittelt nach einer Attacke mutmaßlicher Neonazis an einer Raststätte. Dabei war eine Gruppe aus Weimar angegriffen worden. Vier Menschen waren leicht verletzt worden.
Beim jetzt bekannt gewordenen Vorfall sei eine junge Frau verletzt worden, sagte die SPD-Abgeordnete Deicke. Sie warf der Polizei vor, die Rückreise der Rechtsextremen nicht genügend abgeschirmt und damit andere Reisende gefährdet zu haben.
Die Frau habe sich dagegen gewehrt, von den Rechtsradikalen fotografiert zu werden, und war daraufhin geschlagen worden, hieß es. An der Haltestelle Priestewitz im Kreis Meißen sei sie dann gemeinsam mit ihrer Begleitung und einem Jugendstadtrat aus Taucha von den Angreifern "regelrecht aus dem Zug geworfen" worden.
Eine weitere Gruppe um den Juso-Vorsitzenden in Nordsachsen, Nico Wesser, ist wenig später ebenfalls dazu gedrängt worden, den Zug zu verlassen. Wesser war nach eigenen Angaben mit weiteren Mitgliedern eines Jugendparlamentes aus der Stadt Taucha auf dem Heimweg.
Die Gruppe habe noch versucht, sich schützend vor die beiden Opfer zu stellen, sei deswegen aber selbst bedroht und eine Station später aus dem Zug gedrängt worden. Polizisten habe er in dem Zug nicht gesehen. Die Rechtsextremisten, die auch Kameradschaftslieder gegrölt hätten, seien in der Überzahl gewesen.
Ein Sprecher der Bundespolizei sagte, dieser Fall sei bislang nicht bekannt gewesen, es lägen auch noch keine Strafanzeigen vor. Die Polizei werde nun von sich aus Ermittlungen aufnehmen.
Dabei soll auch geprüft werden, ob der Zug von Bundespolizisten gesichert wurde. Wie der Sprecher sagte, wurde am Wochenende je nach Lage vom jeweiligen Polizeiführer entschieden, ob und wie viele Bundespolizisten in den einzelnen Zügen mitfahren.
vme/AP/dpa/ddp
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