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25.02.2009
 

Politischer Aschermittwoch

Franz Josef Seehofer

Aus Passau berichtet Sebastian Fischer

"Neues wagen" und Rückbesinnung auf Franz Josef Strauß: CSU-Chef Horst Seehofer skizziert in seiner ersten Passauer Aschermittwochsrede die Zukunft seiner Partei. Zwischendurch schien ihm der körperliche Zusammenbruch zu drohen.

Passau - Irgendwie sind jetzt auch Andreas und Stilla Spreng ganz oben angekommen. Jahrelang sind sie hinter Horst Seehofer hergereist. Haben zum Beispiel mal ein Transparent drucken lassen, blau auf weiß, "Seehofer für Bayern und Deutschland". 60 Euro hat das gekostet. Damals, 2007, als "der Horst" aus ihrem Wahlkreis um den CSU-Vorsitz kämpfte, letztlich aber gegen Erwin Huber unterlag.

Seehofer in Passau: "Unser Obama"
DDP

Seehofer in Passau: "Unser Obama"

Zwei Jahre später steht das Ehepaar Spreng sehr stolz im VIP-Bereich der Passauer Dreiländerhalle beim Aschermittwoch der CSU, die rund 3500 Besucher grölen Zustimmung. Denn hoch oben über ihnen zeigt die Riesenleinwand, wie die Sprengs zwei Schilder hochhalten, direkt hinter Seehofer: "Yes we can - mit Horst" und "Seehofer ist unser Obama", steht darauf.

Amerikanische Verhältnisse bei der Christenunion, "Change" in Bayern? Beim CSU-Vorsitzenden klingt das so: "Lasst uns etwas Neues wagen", ruft Seehofer in die Halle. Die gesellschaftlichen Kräfte in Deutschland sollten "einen Vertrauenspakt schließen", um gemeinsam aus der Wirtschafts- und Finanzkrise herauszukommen - fernab von parteipolitischem Gezänk. Da reckt Stilla Spreng ihr Obama-Plakat erneut in die Höhe.

Seehofer fordert mehr Bürgerbeteiligung, etwa durch Volksentscheide zu europäischen Fragen wie der Übertragung von Souveränitätsrechten oder EU-Erweiterungen. Eine Forderung, die insbesondere von der Schwesterpartei CDU bisher abgelehnt wird. "Ob die europäische Familie durch die Türkei vergrößert wird oder nicht, das soll das Volk entscheiden", sagt aber Seehofer.

Und erntet damit Gejohle. Die Frage eines EU-Beitritts der Türkei ist ein Klassiker auf dem politischen Aschermittwoch der CSU. Sie gehört genauso dazu wie Claudia Roth. Die Grünen-Chefin erinnere ihn an den Schlager "Es geht eine Träne auf Reisen", spottet Seehofer. Raspelkurzes Haar, Trachtenjanker, breitbeinig hinterm Rednerpult massiert er die schwarze Seele von Passau. "Irren ist menschlich, immer irren ist sozialdemokratisch", ruft er. Oder zählt die Karrierestationen eines Grünen-Politikers auf: "Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal." Und ehemalige Guantanamo-Insassen nach Bayern? "Wir sind doch nicht das Sozialamt für die ganze Welt, nicht die Reha-Klinik für Guantanamo."

Umjubelter "Senkrechtstarter" Guttenberg

CSU-Folklore. Seehofer arbeitet sie ab, springt willkürlich von einem Thema zum anderen.

Dann kann er nachdenklicher werden - und von seiner "Mission" sprechen: "Meine CSU soll die modernste, kompetenteste und frischste Partei in Deutschland werden." Sie sei bereits jetzt "jünger, frischer, weiblicher". Er selbst sei mit 59 beinahe so alt wie das neue Generalsekretärsteam - Alexander Dobrindt und Dorothee Bär - zusammen.

Und dann kommt der neue Wirtschaftsminister dran. Ein "Senkrechtstarter" sei der, lobt Seehofer. Die Halle jubelt. Karl-Theodor zu Guttenberg steht auf, winkt den Leuten zu. Ganz plötzlich hat die CSU einen neuen Hoffnungsträger. An Ex-Minister Michael Glos, der die Seehofer-CSU mit seinem Rücktritt Anfang Februar in eine erneute Führungskrise zu stürzen drohte, denkt kaum noch einer.

"Karl-Theodor steht an der Spitze der Jungen", sagt Seehofer später. Wieder muss Guttenberg aufstehen. Neben ihm auf der Bierbank sitzt der nur wenig ältere Markus Söder, Bayerns Umweltminister. Er macht gute Miene zum bösen Spiel, wartet ab. Guttenberg sei "der Ribéry der CSU", schmeichelt Seehofer jetzt von oben: "Nur spielt der Mitte links, Du spielst Mitte rechts."

Hier die Jugend, da das Neue. Er habe das Gefühl, dass er sich durch die Berufung der jüngeren Politiker sein "eigenes Grab geschaufelt" habe, "das werde ich noch zu spüren bekommen", bedenkt Seehofer schon das eigene Ende. Diese Art von Ironie hätte Vorvorgänger Edmund Stoiber nie aufgebracht. Aber auch daraus resultierte ja schließlich das CSU-Führungsproblem der letzten Jahre. Seehofer will damit Schluss machen: "Wir haben ja ein gewisses Rotationsprinzip - im dritten Jahr steht hier der dritte Ministerpräsident. Wir arbeiten hart daran, dass dieses Rotationsprinzip der Vergangenheit angehört."

Überhaupt Stoiber. Der kommt bei Seehofer nur indirekt vor: beim Biertrinken. Seehofer tut erstaunt: Im Krug sei tatsächlich Bier! In der Halle wissen sie Bescheid. Schließlich soll Stoiber immer wieder Wasser oder Tee statt Bier aus dem Tonkrug genossen haben.

Plötzlich, die Rede ist zur Hälfte durch, wirkt Seehofer ermattet, in der Halle ist es stickig. Er klammert sich am Pult fest, spricht deutlich leiser, langsamer. Am Bier kann es nicht liegen, der CSU-Chef hat nur daran genippt. Es ist eine Grippe, berichtet Seehofer später, ein Virusinfekt. Am Vortag habe er noch gar nicht reden können: "Ich danke dem Herrgott, dass ich heute wieder die Kraft habe." Er habe zwischenzeitlich auch an Franz Müntefering gedacht. Der war 2005 auf einer Wahlkampfveranstaltung zusammengebrochen. In seiner Aschermittwochsrede habe es "manche schwierige Situation" gegeben, so Seehofer.

Rückbesinnung auf Strauß

Doch er hält die gut achtzig Minuten durch. Damit fasst er sich knapp kürzer als Edmund Stoiber. Und deutlich kürzer als Ex-Parteichef Franz Josef Strauß, der über Stunden sprach. Ansonsten aber soll am Aschermittwoch 2009 direkt an Strauß angeknüpft werden, wie es schon Generalsekretär Dobrindt im Vorfeld angekündigt hatte. Standen Stoiber, Huber, Beckstein bei ihren Auftritten noch auf einer Art Bühneninsel im Publikum, so gibt es nun wieder die klassische Frontal-Show. Und Seehofer zitiert Strauß wo er nur kann. Rückbesinnung auf den Patriarchen plus "Neues wagen" - das ist das Programm Zurück in die Zukunft, Ziel absolute Mehrheit.

Draußen vor der Halle blüht derweil der Handel mit FJS-Devotionalien: Mini-Büsten, DVDs ("FJS live") und Bücher ("Lebenswerk und Abschied"). Stoiber dagegen habe man nicht mehr da, heißt es: Alles bereits vor dem Aschermittwoch ausverkauft, nachgeordert werde nicht mehr. Bei Strauß lohne sich das, bei Stoiber nicht mehr.

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insgesamt 55 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
26.02.2009 von The_Mimi: Sonntagsreden am Mittwoch

Ein klares Ja auf diese Frage. Bierzeltgedröhn pur ist kein Beitrag zur politschen Kultur. mehr...

26.02.2009 von Bulgakow:

Lasst den Seehofers doch auch ihren Fasching! mehr...

26.02.2009 von forumgehts?:

Solange die Freibier-Krüge noch voll sind, werden mindestens die Teilnehmer dies nicht so sehen. mehr...

26.02.2009 von Adran:

Als Uckermärkerin? Ewig und drei tage.. Uckermärker sind ruhig, aber zäh, da kann man(n) sich die zähne ausbeißen.. mehr...

26.02.2009 von wahlberechtigter: Die Bayern lernten deutsch, na da wird’s aber Zeit!

Seehofer hat verraten, dass die Bayern erst deutsch lernen mussten. Bei etlichen (z.B. dem Huaba) hat man jedoch den Eindruck, dass sie es bis heuten nicht geschafft haben. Sind es solche Minderwertigkeitskomplexe, die dazu [...] mehr...

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