Jena/Erfurt - Ein auf SPIEGEL ONLINE veröffentlichtes Interview mit dem NPD-Aussteiger Uwe Luthardt hat möglicherweise rechtliche Folgen. Das Landeskriminalamt (LKA) Thüringen ermittelt jetzt wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.
NPD-Kundgebung: "Jede Menge SS-Bilder im Keller"
"Die Schilderungen haben ein am Mittwoch durch das Landeskriminalamt Thüringen eingeleitetes Ermittlungsverfahren zur Folge", bestätigte LKA-Sprecher Uwe Geisler SPIEGEL ONLINE. Die Ermittlungen richteten sich im Speziellen gegen die NPD-Kreisgruppe Jena/Saale-Holzland-Kreis.
Erste Überprüfungen hätten allerdings "keine Hinweise auf Waffen im Sinne des Waffengesetzes" gebracht. "Weitere Ermittlungshandlungen zu NS- und SS-Propagandamaterial werden folgen", so Geisler. Nähere Auskünfte könnten zum Schutz der Untersuchungen zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben werden.
Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE sagte der Chef des NPD-Kreisverbandes Ralf Wohlleben: "Ich kann angebliche Ermittlungen weder verneinen noch bestätigen, da mir ein solcher Vorgang nicht bekannt ist." Darüber hinaus gab er keinen Kommentar ab.
"Sammelbecken für Chauvinisten"
In der Landespolitik schlägt die Meldung hohe Wellen: "Rechtsextreme scheuen nicht davor zurück, ihre menschenverachtende Ideologie auch mittels Gewalt zu vertreten", ließen die Thüringer Grünen über ihre Sprecherin Astrid Rothe-Beinlich mitteilen.
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"Jetzt ist Schluss", wetterte auch SPD-Landeschef Christoph Matschie. "Wir brauchen dringend eine aktuelle Verfassungsschutzanalyse zur NPD." Er erinnerte an den jüngsten Angriff von Neonazis auf Gewerkschafter und Friedensaktivisten auf dem Rastplatz "Teufelstal".
Der Ex-NPD-Funktionär Luthardt hatte in dem Interview schwere Vorwürfe gegen die rechtsextreme Partei erhoben. Unter anderem würden Aussteiger mit allen Mitteln unter Druck gesetzt. "Jemand, der einfach so aussteigt, bekommt im Normalfall mächtig Probleme, der wacht unter Umständen auf der Intensivstation auf."
NPD-Mitglieder begrüßten sich Luthardts Schilderungen zufolge regelmäßig "mit gestrecktem Arm" und träumten "vom Deutschen Reich". Die Grundstimmung in der NPD schilderte der Aussteiger als aggressiv: "Die sind vollauf davon überzeugt, dass sie irgendwann mal eine Wahl gewinnen und dass es dann richtig losgeht. Was dann passiert, kann sich jeder denken."
amz/dpa
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