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28.02.2009
 

Spitzenkandidatin

Gabriele Pauli führt Freie Wähler in die Europawahl

Im heimischen Bayern lehrte sie Edmund Stoiber das Fürchten, jetzt geht sie als Spitzenkandidatin für die bürgerlich-konservativen Freien Wähler in den Europawahlkampf. Selbsternanntes Ziel: Protest gegen das politische Establishment anzetteln.

München - Als CSU-Rebellin und "schöne Landrätin" wurde Gabriele Pauli bundesweit bekannt. Jetzt haben die Freien Wähler die eben erst in den bayerischen Landtag gewählte 51-Jährige zur bundesweiten Spitzenkandidatin bei der Europawahl gekürt. Vor Selbstbewusstsein strotzend verkündete sie: "Was heute von diesem Tag ausgeht, wird die Republik verändern." Ab Juli will sie Europa aufmischen.

Pauli: "Teuflisch gute Kandidatin"
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DPA

Pauli: "Teuflisch gute Kandidatin"

Der Listenplatz eins sei ihr sicher gewesen: "Ich habe nicht damit gerechnet, dass da jemand anders noch aufsteht", sagte sie. Ohne Gegenkandidat wurde sie am Samstag in einem Münchner Wirtshaus mit 76 von 81 Delegiertenstimmen gewählt. Welches prominente Zugpferd hätten die Freien Wähler sonst auch gehabt?

Vorgeschlagen hatte sie der Bundesvorsitzende Armin Grein, der ihr unlängst noch "Allüren eines Tanzmariechens" vorgeworfen hatte. Über alle anderen Listenplätze waren Kampfkandidaturen entbrannt.

Pauli sieht sich schon im Europaparlament: "Wir werden die fünf Prozent gut erreichen." Mit ihrer Partei spreche sie die Bürger an, "die die Machenschaften der etablierten Parteien satt haben". Dass die Freien Wähler kein Programm haben, sei okay: "Wir müssen uns Flexibilität, Spontaneität und Offenheit erhalten. Jede Idee ist es wert, angesehen zu werden", sagte sie.

Protest und Offenheit für spontane Einfälle - das hat Pauli in nicht einmal zwei Jahren bundesweit bekannt gemacht. Sie sei eine "teuflisch gute Kandidatin", hatte der bayerische Parteichef Hubert Aiwanger in einem Interview geschwärmt.

Mit erst 32 Jahren hatte Pauli für die CSU als jüngste Landrätin Deutschlands die SPD-Hochburg Fürth mit Wahlergebnissen über 65 Prozent erobert. Die CSU holte die zweifach geschiedene alleinerziehende Mutter in den Parteivorstand.

Politik der Provokationen

Schlagzeilen machte sie aber erstmals 2007, als sie in einem Internet-Forum die Ablösung von Parteichef Edmund Stoiber forderte. Ihr Vorwurf, Stoibers Büroleiter habe ihr Privatleben bespitzelt, gab den Anstoß für den Sturz des CSU-Chefs und Ministerpräsidenten.

Heldin für die einen, Hexe für die anderen, manövrierte sich Pauli mit spektakulären Auftritten und ständiger Kritik an der eigenen Partei aber rasch ins politische Abseits. Sie setzte sich mal mit Latexhandschuhen, mal mit Bayernfahne auf nackter Haut in Szene und provozierte mit dem Vorschlag, die Ehe auf sieben Jahre zu befristen. Ihre Bewerbung für den CSU-Vorsitz gegen Erwin Huber und Horst Seehofer fiel erwartungsgemäß durch, und sie verließ die Partei.

Mit Geldforderungen für Interviews und Streit über eine vorzeitige Pension als ehemalige Landrätin schien Pauli politisch endgültig in der Versenkung zu verschwinden. Aber dann überraschte sie mit ihrer Landtagskandidatur für die Freien Wähler, schaffte in Mittelfranken ein grandioses Ergebnis und wurde als Abgeordnete Vorsitzende des Innenausschusses.

Im Parlament blieb sie im Schatten Aiwangers, aber sie zieht die Medien magisch an. Geschickt hält sie ihre Haltung bei der Wahl des Bundespräsidenten im Mai offen - und sich in den Schlagzeilen. "Da ist noch viel Zeit zum Überlegen, wen ich wähle. Da ist kein Zeitdruck"", sagte sie am Samstag und lachte strahlend.

Was will Pauli im Europaparlament? "Wir legen unser Augenmerk auf die Punkte, die nicht richtig funktionieren, angefangen von den Machenschaften der großen Konzerne", sagte sie. "Wenn es mehr Wettbewerb und mehr Einbeziehung der Bürger gibt, dann lebt Europa wieder." Als einstiger Vizepräsidentin der europäischen kommunalpolitischen Vereinigung sei ihr das Parkett nicht fremd.

"Es ist wichtig, dass man Lobbyarbeit für die Gemeinden betreibt", sagte Pauli.

Roland Losch, AP

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