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Internationale Presse "Alptraum für die Demokratien"

"Il Messaggero", Italien:

"Der Walzer hat zu lang gedauert, hat alle, Tänzer und Musikanten, erschöpft. Am 3. Oktober 1999 hat Österreich gewählt. Nach 112 Tagen der politischen Pirouetten haben die Österreicher nun die Aussicht auf eine Mitte-Rechts-Regierung. Aber es ist keine x-beliebige Rechte, sondern die von Jörg Haider, der Mann, der mit populistischen und ausländerfeindlichen Parolen mehr als ein Viertel der Wählerschaft eroberte. ... Haider hat von der Unzufriedenheit mit der starren Politik einer ewigen Koalition profitiert. Seine Alternative ist jedoch voller Schatten."

"La Charente Libre", Frankreich:
"Die Situation in Österreich beschert den Demokratien einen Alptraum. Wird man sich morgen in einem Bündnis wiederfinden, das die extreme Rechte einbindet, und wird es übermorgen einen Neonazi als Bundeskanzler geben? Und warum erwachen diese alten Dämonen in einem Land, das zweifellos zu denen in Europa gehört, wo der Lebensstandard am höchsten ist, die Arbeitslosenquote am niedrigsten und die Zuwanderung am geringsten? Es ist schwer zu verstehen, wie ein wirtschaftlich blühendes Land ohne soziale Spannungen, das sehr viel weniger als seine Nachbarn von der Globalisierung und der Immigration bedroht ist, in solche Irrtümer zurückfallen kann."

"Basler Zeitung", Schweiz:
"Eine Regierungsbeteiligung der Haider-Partei FPÖ wird sich kaum noch vermeiden lassen. Das vernichtende Echo im Ausland ist somit absehbar. Schon hat Israel Sanktionen angedroht. Doch Horrorszenarien für den Fall der FPÖ-Regierungsbeteiligung sind contraproduktiv. Dämonisierung überhöht die Figur Haider unzulässig, zumal wenn der Rechtsaußen in Kärnten bleibt. In einer Koalition könnte seine Partei den rechten Umsturz in Österreich kaum bewerkstelligen. Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union bietet eine zusätzliche Sicherung gegen Alleingänge. Andererseits ist bekannt, dass erstarrte Machtverhältnisse den Radikalsten unter den Systemkritikern Zulauf verschaffen. Einbindung in die Verantwortung lautet daher die Formel für ihre Entzauberung."

"Der Standard", Österreich:
"Die Freiheitlichen werden zeigen müssen, wie ernst ihre Inhalte zu nehmen sind. Das ist gut so. Die FPÖ wird sich zum ersten Mal seit langem konstruktiv verhalten und sogar unpopuläre Maßnahmen umsetzen müssen: beispielsweise das Pensionsantrittsalter erhöhen. So steht es schwarz auf weiß im kürzlich präsentierten Zukunftsprogramm. Das könnte gerade der FPÖ-Klientel wenig gefallen, sind es doch häufig Abstiegsgefährdete mit einem dumpfen Groll auf 'die da oben'. Mit einem Wort: Die Zeit der Wahrheit ist gekommen. Ist die FPÖ konstruktiver als ihr Ruf, wird das dem Land nicht schaden. Bleibt sie windig, können sie die Wähler ja wieder auf das ihr zustehende Maß zurückstutzen."

"Stuttgarter Zeitung", Deutschland:
"Mit nationalistischen, EU- und ausländerfeindlichen Parolen hat Haider seine Karriere gemacht, mit der Verharmlosung der braunen Vergangenheit des Landes vielen aus der Seele gesprochen. Gegen das 'Machtkartell' der jahrzehntelang amtierenden Großen Koalition ist der Dauerrebell angerannt. Jetzt steht er kurz vor seinem Lebensziel - und noch weiß keiner, ob die Gespräche mit der ÖVP schon seines Kalküls letzter Schluss sind. Eine noch größere Befriedigung müsste es Haider nämlich bereiten, die Sozialdemokraten (er nennt sie 'Sozialisten') in seine Richtung umfallen zu sehen. Dann hätte er diesen Staat geknackt und wäre international von allen möglichen Odien reingewaschen.

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