Hamburg - Der ehemalige CSU-Chef Edmund Stoiber hat die Schwesterpartei CDU dazu ermahnt, sich stärker um die konservativen Stammwähler der Partei zu kümmern. Es sei ein "absolutes Alarmzeichen", dass immer mehr Unionsanhänger ins Lager der Nichtwähler wechselten, sagte Stoiber im SPIEGEL-Gespräch. "Deshalb muss die Union auch wieder deutlich machen, wofür sie steht. Es wird im Wahlkampf notwendig sein, den Wählern klarzumachen, was lupenreine Positionen der Union sind."
Vor dem Hintergrund der Kritik von Kanzlerin Angela Merkel am Papst sagte Stoiber, es sei notwendig, tiefgläubige Christen an die Union zu binden. "Diese Menschen wählen Union - oder gar nicht. Jedem in der Union muss klar sein: Wer Stammwähler aufgibt, gibt seine Wurzeln auf."
Es reiche auch nicht, die Wähler nur mit Sachthemen gewinnen zu wollen. "Eine Volkspartei lebt vom Feuer und der Leidenschaft derjenigen, die hundertprozentig überzeugt sind", sagte der CSU-Ehrenvorsitzende. "Hier brauchen Sie auch ein Stück Emotionalisierung unserer Anhänger."
Stoiber warnte insbesondere davor, Familien mit einer traditionellen Rollenaufteilung aus dem Blick zu verlieren. "Es gibt einen Trend, Frauen regelrecht zu stigmatisieren, die für ihre Kinder den Beruf aufgeben", sagte Stoiber und beklagte in diesem Zusammenhang das neue Unterhaltsrecht als Verstoß gegen die von der CSU propagierte Wahlfreiheit zwischen Familie und Beruf.
Stoiber sprach sich gegen ein Bündnis der Union mit den Grünen nach der nächsten Bundestagswahl aus. "Ein schwarz-grünes Bündnis würde zuallererst die Grünen zerreißen, sicher die CSU und wahrscheinlich auch die CDU."
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