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Politische Quereinsteiger Der Alltag entzaubert die Hoffnungsträger

2. Teil: Seiteneinsteiger verzweifeln häufig an der Politik

Da Politik, wie bereits Bismarck wusste, "eine Kunst" ist, lässt sie sich nicht durch einen Studiengang und den Erwerb formaler Eignungsnachweise erlernen. Auch eine feste Aufgabenstruktur gibt es für den Politiker nicht. Das notwendige Wissen und Können ist vielmehr nur durch praktische politische Erfahrung, kurz: durch "learning by doing" erwerbbar. Eben hierfür aber bietet die "Ochsentour" mit ihrer Vielzahl an Bewährungszwängen in den verschiedenen politischen Ämtern und Mandaten der unterschiedlichen Ebenen grundsätzlich geradezu ideale Bedingungen.

Andererseits ist die Klage über einen Mangel an Farbe, Kanten und Kaliber bei dem Gros der gegenwärtigen politischen Elite unzweifelhaft berechtigt. Doch liegen die Ursachen für die wahrgenommene Biederkeit des politischen Spitzenpersonals weniger in diesem selbst als in den äußeren Umständen. Die Westdeutschen mussten - glücklicherweise - nach NS-Diktatur, Weltkrieg und Nachkriegschaos nicht mehr durch das Stahlbad dramatischer Zeitläufte, erschütternden Leids und polarisierter Ideologien.

Politik hatte bis weit in die Nachkriegsdemokratie hinein für viele Ex-Häftlinge, Frontsoldaten und Remigranten, die oftmals dem Tod ins Auge geblickt hatten, einen existentiellen Charakter besessen. Das ist heute - wiederum: glücklicherweise - anders und Politik ein Job wie andere auch. Zudem war Politik in Zeiten blockierter Bildungswege eine wichtige Leiter des sozialen Aufstiegs ohne Zertifikat und zog eben dadurch begabte, willensstarke Naturen an.

Nicht zuletzt erschlossen die sozialmoralischen Milieus den Parteien ein breites Spektrum vielfältig geprägten Nachwuchses, sei es dem kirchennahen, gewerkschaftlichen oder wirtschaftsbürgerlichen Bereich. Auch diese Quellen sind versiegt, seitdem die Milieus erodierten und die Bildungswege für alle Schichten geöffnet wurden - ebenso wie auch der traditionelle Respekt einer lange gouvernmental geprägten Kultur vor dem Politikerberuf längst geschwunden ist.

Seiteneinsteiger könnten der politischen Klasse infolgedessen durchaus zusätzliche Farbe verleihen. Bloß stimmt es nicht, dass sie von einer besitzstandswahrenden Politikerkaste nur nicht gerufen werden - sie überhören oftmals auch ganz bewusst die Rufe.

Schließlich ist der Wechsel in einen so zeitraubenden, arbeitsintensiven und erwartungsüberfrachteten Beruf, wie die Politik ihn darstellt, für etliche Elitenangehörige nicht eben attraktiv. Zumal wenn das Engagement kein zusätzliches Renommee zu verleihen verspricht, mit einem hohen Abwahlrisiko verbunden und obendrein schlechter bezahlt ist, als die bisherige Tätigkeit.

Und wenn sie sich trotz allem dennoch dafür entscheiden, in die Politik zu gehen, verzweifeln sie zumeist alsbald an den Eigenheiten ihrer neuen Wirkungsstätte. Gerade Wissenschaftler und Wirtschaftsführer scheitern daher mit großer Regelmäßigkeit, wenn sie sich für einen Seitenwechsel entscheiden. Unternehmer beispielsweise fremdeln mit der ständigen Notwendigkeit zur Begründung von Entscheidungen, erfolgt doch in der Wirtschaft Handeln eher aufgrund von Befehlen und Anweisungen.

Entsprechend gering entwickelt ist ihre Diskussions- und Rechtfertigungsbereitschaft. Auch die Unklarheit, in der Politik Erfolg und Misserfolg zu bestimmen, stellt für Wirtschaftskapitäne eine Terra incognita dar. Wissenschaftler wiederum sind es gewohnt, ihre Überzeugungen dogmatisch zu vertreten und in der Vereinzelung ihrer Schreibstube zu forschen, während in der Politik Flexibilität und Kontaktfreude gefordert sind.

Infolgedessen überrascht es wenig, dass Seiteneinsteiger ihr politisches Engagement oftmals bereits nach kurzer Zeit wieder beenden, dass - wie es über Kurt Biedenkopf geheißen hat - bald aus Wunderknaben wunde Knaben werden. Eher als den Ruf der Politik zu verbessern, reduzieren Seiteneinsteiger durch ihre Sprunghaftigkeit und Unberechenbarkeit noch zusätzlich das höchste Gut der Demokratie: das Vertrauen in die Politik. Eben das macht auch den Fall Werner Marnette symptomatisch für das Phänomen Seiteneinsteiger insgesamt.

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insgesamt 273 Beiträge
Satiro 19.02.2009
Weil die Karriere von Berufspolitern mit dem Kleben von Wahlplakten bereits im frühen Jugendalter beginnt.
Zitat von sysopNicht nur Berufspolitiker sollten das Parlament und die Parteien prägen. Wie wichtig sind Quereinsteiger für die deutsche Politik? Warum ist eine Karriere in der Politik für Seiteneinsteiger so schwierig?
Weil die Karriere von Berufspolitern mit dem Kleben von Wahlplakten bereits im frühen Jugendalter beginnt.
jajokat 19.02.2009
Klar doch wir brauchen Quereinsteiger! Ich hätte auch schon ein paar Posten für"besonders fähige" Quereinsteiger: Bundeskanzler:J.Ackermann Wirtschaftsminister:H.Mehdorn Finanzminister:K.Zumwinkel [...]
Zitat von sysopNicht nur Berufspolitiker sollten das Parlament und die Parteien prägen. Wie wichtig sind Quereinsteiger für die deutsche Politik? Warum ist eine Karriere in der Politik für Seiteneinsteiger so schwierig?
Klar doch wir brauchen Quereinsteiger! Ich hätte auch schon ein paar Posten für"besonders fähige" Quereinsteiger: Bundeskanzler:J.Ackermann Wirtschaftsminister:H.Mehdorn Finanzminister:K.Zumwinkel Außenminister:J.Ratzinger Aber die wollen ja alle nicht! (Aber warum werde ich das Gefühl nicht los,daß diese Personen-Liste könnte ja problemlos fortgesetzt werden-schon die Geschicke unsere Landes bestimmen obwohl sie nicht im Parlament sitzen bzw. führende Positionen in den Parteien innehaben?)
stefkarr 19.02.2009
wer denkt sich immer diese Themen aus? Wie kann man nur annehmen, dass "Berufspolitiker" eine Selbstverständlichkeit wären? Es hat sich so eingebürgert, dass sich einige Herrschaften in unsrem Land auf den gut [...]
Zitat von sysopNicht nur Berufspolitiker sollten das Parlament und die Parteien prägen. Wie wichtig sind Quereinsteiger für die deutsche Politik? Warum ist eine Karriere in der Politik für Seiteneinsteiger so schwierig?
wer denkt sich immer diese Themen aus? Wie kann man nur annehmen, dass "Berufspolitiker" eine Selbstverständlichkeit wären? Es hat sich so eingebürgert, dass sich einige Herrschaften in unsrem Land auf den gut bezahlten Sesseln bequem gemacht haben. Der Eid den sie schwören "Schaden vom deutschen Volke ab zuwenden", wird alleine dadurch gebrochen, dass die Herrschaften so lange in Ihren Ämtern verweilen. In unserer Verfassung gibt es den "Berufspolitiker" nicht, auch nicht in den einschlägigen Gesetzen. Berufspolitiker sind Menschen, die das nicht einhalten, was Sie von der Masse erwarten: Flexibilität und Mobilität im Arbeitsleben. Berufspolitikter sind im Laufe der Zeit weg vom Alltagsleben, das 95% der Bevolkerung leben. Berufspolitiker sind Marionetten der Lobby. Sie sind mit Sicherheit alles das, was die Gründerväter unserer Repuplik nicht wollten: Fern vom Volk, gekauft von Lobbyisten. Für mich sind Sie des weiteren, genau dass was Sie selbst glauben was Harz-IV-Empfänger seien: Sozialschmarotzer, aber mit weit aus höheren monatlichen Bezügen. Und mit dem Unterschied, dass Sie mit Ihrer Machtfülle großen Schaden anrichten, was man von Harz-IV-Empfängern nicht sagen kann. Wir brauchen keine Quereinsteiger, sondern einfach nur Politiker die sich spätestens nach 2 Legislaturperioden verabschieden, dann ist das Thema Ouereinsteiger gelöst, und wir brauchen Quoten im Parlament, vom Handwerksmeister über Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftlern, und nicht wie heute einseitig meist beamtete verschiedener Berufszweige und Juristen. Das Argument, dass damit zuviel Kompetenz verloren ginge, kann so nicht gelten, sonst hätten wir heute nicht den Wirtschaftsminister den wir heute haben!
ANDIEFUZZICH 19.02.2009
Klasse! Was ist eigentlich aus dieser deutschen Version (ja, ja, bei den Medien kopieren wir alles, da es uns an eigener Fantasie mangelt) von "spitting image" geworden? Mit dieser Besetzung könnte man den Brüller [...]
Zitat von jajokatKlar doch wir brauchen Quereinsteiger! Ich hätte auch schon ein paar Posten für"besonders fähige" Quereinsteiger: Bundeskanzler:J.Ackermann Wirtschaftsminister:H.Mehdorn Finanzminister:K.Zumwinkel Außenminister:J.Ratzinger Aber die wollen ja alle nicht! (n?)
Klasse! Was ist eigentlich aus dieser deutschen Version (ja, ja, bei den Medien kopieren wir alles, da es uns an eigener Fantasie mangelt) von "spitting image" geworden? Mit dieser Besetzung könnte man den Brüller des Jahres landen!
bürger mr 19.02.2009
Warum? - Da sitzen doch zum Großteil Beamte .
Zitat von sysopNicht nur Berufspolitiker sollten das Parlament und die Parteien prägen. Wie wichtig sind Quereinsteiger für die deutsche Politik? Warum ist eine Karriere in der Politik für Seiteneinsteiger so schwierig?
Warum? - Da sitzen doch zum Großteil Beamte .
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