Von Olaf Sundermeyer, Dortmund
Auch für den Verfassungsschutz sind die AN eine echte Herausforderung. Aus einem einfachen Grund: "Viele von uns machen hier mit, weil wir als Nationalisten anonym bleiben wollen. Deshalb werden wir auch immer mehr", sagt einer, der in Dortmund dabei war, um Gleichgesinnte zu treffen. Niemand weiß genau, wie groß die Gruppe der AN inzwischen ist. Offizielle Schätzungen variieren deutschlandweit um ein paar Hundert. Um ein Vielfaches höher ist die Sympathisantenszene.
"In der NPD -
Reisen in die National Befreite Zone"
Beck'sche Reihe; 2009; 229 Seiten; 12,95 Euro
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Einzelne Schulen werden regelmäßig mit Flugblattaktionen heimgesucht. Anders als beispielsweise die rechtsextreme NPD, die ihre Funktionäre vor die Schulen schickt, stehen die AN auch auf den Schulhöfen, weil viele selbst noch Schüler sind.
In der Stadt agitieren sie auf dem Hauptbahnhof, in der Fußgängerzone, auf der Südtribüne des BVB-Stadions, und in Kneipen, wo sie niemand als Neonazis ausmacht. Die AN sind so etwas wie eine Stadtguerilla, eine Art außerparlamentarische Opposition von rechts. Manche sind ausschließlich erlebnisorientiert, andere stark politisiert. Rassistisch, antisemitisch, nationalistisch, globalisierungsfeindlich und antiamerikanisch.
Und alle sind sie sehr jung.
Der 23-jährige Giemsch gehört bereits zu den Veteranen der AN, die 2003 erstmals in NRW auffiel. Der Trend kam aus Berlin. Giemsch gibt sich als junger Mann mit bürgerlichen Umgangsformen, der in Jeans, Ringelsweatshirt und schwarzen ledernen Adidas-Schuhen steckt. Unter seiner Kappe schauen zwei braune Augen aus einem freundlichen Bubigesicht. Wie Giemsch sehen die Neonaziführer der Generation Internet aus, und sie bespielen ihre Gruppe professioneller als die gesamte NPD, die kaum Einfluss auf die AN hat.
Was ist eigentlich mit der NPD, Herr Giemsch?
"Ich wünsche ihr viel Glück auf ihrem Weg über die Parlamente, aber wir glauben nicht an die Demokratie", sagt er und wirkt dabei echt gleichgültig. Wenn es so etwas gibt, sind Giemsch und seine Autonomen die ehrlicheren Neonazis. In diesem Jahr sind hier Kommunalwahlen. "Dabei werde ich jedenfalls nicht für die NPD kandidieren."
"Abwarten", sagt der Hamburger Neonazi Thomas Wulff, ein Parteirebell, der als Bindeglied zur Szene den freien Neonazikameradschaften im Bundesvorstand der NPD sitzt. "Leider lassen sich die jungen Leute immer wieder korrumpieren, die Verlockung ist einfach zu groß."
In NRW sind die AN längst kein Flügel mehr, sondern eine wachsende Mehrheit innerhalb der Bewegung. Deshalb kämpft der NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer auch um ihre Gunst: "Warum sollte nicht ein charakterstarker und disziplinierter Kamerad, der bei den autonomen Nationalisten aktiv ist und schon Jahre im nationalen Widerstand verbracht hat, auch auf einer NPD-Liste auftauchen?"
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