Berlin - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) keilt wieder gegen die Steueroasen in Deutschlands Nachbarschaft. Der Schweiz und Liechtenstein warf er vor, sie würden gezielt darum werben, dass Gelder aus Deutschland am Finanzamt vorbei in der Eidgenossenschaft angelegt würden. "Wir dürfen nicht verharmlosend darüber hinweggehen, dass es Jurisdiktionen, Steueroasen und Nationalstaaten gibt, die nicht nur billigend in Kauf nehmen, sondern vorsätzlich dazu einladen, dass deutsche Steuerzahler ihr Geld dorthin transferieren, in der klaren Absicht, hier Steuerhinterziehung und Steuerbetrug zu betreiben", sagte Steinbrück am Donnerstag im Parlament. "Und das darf man diesen Ländern sagen." Im Falle der Schweiz und Liechtenstein sei dies "ganz klar der Fall".
Finanzminister Peer Steinbrück: Nächste Attacke gegen Steueroasen
CDU/CSU hatten die Gesetzespläne des sozialdemokratischen Finanzministers lange blockiert. Erst nach Wochen wurden sich die Koalitionspartner einig. Vorgelegt wurde nun ein abgespecktes Gesetz, das der Regierung lediglich erlaubt, mit Zustimmung des Bundesrats eine Rechtsverordnung zu erlassen. Darin sollen dann Nachweis- und Mitwirkungspflichten vorgesehen werden bei Geschäftsbeziehungen zu Staaten, die den OECD-Standard zum Auskunftsaustausch nicht einhalten. Macht der Steuerzahler nicht mit, können ihm in Deutschland Vergünstigungen gestrichen werden, zum Beispiel der Betriebsausgabenabzug, eine Entlastung von der Kapitalertrags- oder Abzugssteuer oder die Steuerbefreiung für Dividenden.
Im Prinzip gilt also: Hilft der fremde Staat dem deutschen Fiskus nicht beim Ermitteln gegen Steuerhinterziehung, dann muss sich der Steuerpflichtige besonders tief in die Karten schauen lassen. Auf diese Weise würden Steuerflucht und Steuerhinterziehung erschwert, hieß es aus dem Finanzministerium. Allerdings steht derzeit überhaupt kein Staat auf der schwarzen Liste der OECD. Zuletzt hatten auch Costa Rica, Malaysia, die Philippinen und Uruguay den OECD-Standard zum Austausch der entsprechenden Informationen akzeptiert.
Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms sprach deshalb von einem überflüssigen Gesetz: Deutschland müsse vielmehr ein Steuerrecht schaffen, das vom Bürger akzeptiert werde. Es sei derzeit "unsäglich kompliziert, unüberschaubar und umständlich". Der CSU-Abgeordnete Eduard Oswald forderte ein System, das "einfach und gerecht" sei. Er sprach sich dafür aus, die geplanten Regelungen in Bezug auf Steueroasen nur zu nutzen, wenn alle anderen Mittel zu einer freiwilligen Kooperation der Staaten mit Deutschland nicht griffen.
Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine, monierte, das geplante Gesetz sei nur eine "bescheidene Verbesserung" bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung. Jürgen Trittin (Grüne) warf Steinbrück vor, der Gesetzentwurf sei "verzögert und verwässert" worden.
Steinbrück hatte sich bereits Anfang der Woche wieder auf die europäischen Steueroasen eingeschossen. Am Dienstag sagte Steinbrück auf die Frage nach einer Steuerkonferenz in Berlin im Juni, dort würden "Luxemburg, Liechtenstein, die Schweiz, Österreich, Ouagadougou" vorgeladen, um für ihre Steuerpolitik Rede und Antwort zu stehen. Ouagadougou ist die Hauptstadt des armen westafrikanischen Staates Burkina Faso, der bisher nicht einmal als Steueroase aufgefallen war. Im März hatten Steinbrücks Angriffe gegen die Schweiz sogar für diplomatische Verwicklungen mit Deutschland geführt - Bern bestellte den deutschen Botschafter ein.
Politiker aus Luxemburg reagierten empört über diesen Vergleich.
Der deutsche Finanzminister sei auf "Biertischniveau" angekommen, kritisierte Außenminister Jean Asselborn im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Asselborn hat sich nach eigenen Angaben nun bei Außenminister Frank-Walter Steinmeier über seinen renitenten Kabinettskollegen beschwert. Asselborn hofft, Steinmeier werde Steinbrück demnächst in den Arm fallen. Dem Sender WDR 5 sagte Asselborn, er sei überzeugt, dass sein Berliner Amtskollege "es fertigbringen wird, hier Halt zu gebieten". Er habe mit Steinmeier über Steinbrück gesprochen. "Und ich rate wirklich Herrn Steinbrück, die Notbremse zu ziehen", sagte Asselborn.
beb/dpa/Reuters/AP/ddp
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Vor allem, ist D. eine der grössten Steueroasen. Leider nur für die Wirtschaft. Der reale Steuersatz für grosse Unternehmen liegt bei 9%, der Umsatzsteuerbetrug durch virtuelle Waren liegt mindestens in der Höhe des [...] mehr...
Man sollte Steueroasen nicht bekämpfen. Vielmehr sollte man sich bei den Staaten bedanken, sie sorgen seit Jahren dafür, dass bei uns die Steuersätze nicht ins Exorbitante angehoben werden können. mehr...
Exakt. Man fragt sich, wer Junckers für diesen Blödsinn bezahlt. mehr...
Klar, die exorbitant steigenden Löhne werden die befürchtete (oder besser immer mal wieder geradezu paranoid herbeifabulierte) Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen und die EZB wird nix dagegen tun. Ach, drauf gesch... - sehen wir [...] mehr...
Kennen Sie meine Oma? Sie erwartet auch jeden Moment eine Währungsreform. :-) mehr...
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