Waffenrecht
Koalition zieht Paintball-Verbotsplan zurück
Von Torben Waleczek
Entwarnung für die Freizeit-Rambos: Das geplante Paintball-Verbot wird vorerst nicht kommen, kündigt SPD-Innenpolitiker Wiefelspütz an. Erst mal soll geprüft werden, wie gefährlich das Spiel wirklich ist - das sieht auch die Union so.
Berlin - Das von der Großen Koalition geplante Paintball-Verbot ist offenbar vom Tisch. "In dieser Wahlperiode wird es mit Sicherheit zu keinem Verbot mehr kommen", sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz. Er selbst halte Paintball zwar nach wie vor für sittenwidrig, "aber meine persönlichen Wertvorstellungen sind nicht unbedingt Grund für ein Verbot", sagte er SPIEGEL ONLINE.
Stattdessen erwägen die Fraktionen von SPD und Union derzeit einen Entschließungsantrag, der vorsieht, das Kampfspiel genauer zu prüfen. Am Ende könnten schärfere Auflagen bei der Altersfreigabe und den Spielregeln stehen. Mit dem Prüfungsantrag wäre ein Paintball-Verbot zumindest für diese Legislaturperiode praktisch beerdigt.
"Wir wissen noch zu wenig"
Bei der Union will man sich derzeit noch nicht so eindeutig äußern. Der Diskussionsprozess sei noch offen, sagte der CDU-Innenpolitiker Reinhard Grindel SPIEGEL ONLINE. Doch auch er hält eine Herabstufung des Verbots zu einem Prüfverfahren für wahrscheinlich. "Wir wissen momentan noch zu wenig darüber, wie gefährlich das Spiel wirklich ist", sagte Grindel.
Erst in der Nacht zu Mittwoch hatten sich Innenexperten von Union und SPD auf eine Verschärfung des Waffenrechts verständigt, vorgesehen war auch ein Paintball-Verbot. Die Politiker reagierten damit auf den Amoklauf in Winnenden mit 16 Toten.
Doch nach massivem öffentlichen Druck geben viele Parlamentarier den Plan nun auf. Abgeordnete berichten, dass sie in den vergangenen Tagen Hunderte wütende E-Mails und Briefe zum geplanten Verbot bekommen haben.
Paintball nur ein Randaspekt
Am kommenden Mittwoch ist das verschärfte Waffenrecht Thema im Kabinett, und da wird "das Paintball-Verbot herausgenommen", sagt SPD-Politiker Wiefelspütz. Ohnehin sei das Spiel nur ein Randaspekt bei der geplanten Verschärfung des Waffenrechts.
Vorgesehen ist in dem Gesetzespaket neben dem Paintball-Verbot bisher, die Altersgrenze für das Schießen mit Großkaliber-Waffen von 14 auf 18 Jahre anzuheben. Alle legalen Schusswaffen in Deutschland sollen in einem zentralen elektronischen Register erfasst werden. Außerdem müssen sich die Besitzer künftig auf verdachtsunabhängige Kontrollen zur Aufbewahrung von Gewehren, Flinten, Pistolen und Revolvern einstellen.
PAINTBALL
Paintball entstand in den achtziger Jahren in den USA. Das angeblich erste Spiel hatte zwölf Teilnehmer und fand in New Hampshire statt. Die Mitspieler sollen Farbgewehre zweckentfremdet haben, die ursprünglich von Waldarbeitern genutzt wurden, um bestimmte Bäume zum Fällen zu markieren.
Während in den meisten europäischen Ländern und den USA
Paintball als richtiger Sport gilt und gesetzlich kaum oder gar nicht eingeschränkt wird, herrschen in Deutschland strenge Regeln: Der Erwerb und Besitz von sämtlichen
Luftdruck- , Federdruck- und CO2- Waffen (dazu gehören auch Softair- und Gotcha-Waffen, deren Bewegungsenergie der Geschosse über 0,5 Joule liegt) mit einer höheren Geschossbewegungsenergie als 7,5 Joule ist erst ab 18 Jahren gestattet.
Zum Führen dieser Waffen in der Öffentlichkeit ist ein Waffenschein nötig.
Das Spiel ist nur innerhalb eines befriedeten Besitztums (also ein durch einen Zaun o.ä. klar abgegrenztes Privatgebiet) erlaubt, wenn gleichzeitig sichergestellt ist, dass die Geschosse das Grundstück nicht verlassen und Unbeteiligte verletzen können. Paintball-Spiele auf öffentlichem Gelände verstoßen gegen das Gesetz und werden geahndet. Für Verletzungen trägt jeder Spieler die Verantwortung – ein Gegenspieler kann bei Einhaltung der Spielregeln rechtlich nicht für eine Verletzung belangt werden.
In Deutschland gilt Paintball bisher nicht offiziell als Sport, es werden jedoch
Turniere ausgetragen - unter anderem von der Deutschen Paintball-Liga (DPL). Sie bemüht sich seit Jahren um die Anerkennung als regulärer
Sportverband und die Bewerbung von Paintball als ungefährlichem Sport.
Um das Image des Paintballs zu verbessern und dem Vorwurf des simulierten Tötens und "Kriegspielens" zu begegnen, vermeiden seriöse Paintball-Player kriegerische Anspielungen in Kleidung und Sprache. So wird die Waffe als "Markierer" bezeichnet, und rote Farbbälle sind wegen ihrer optischen Ähnlichkeit zu Blut verpönt. In den USA gibt es keine Altersbegrenzung für Paintball. Allerdings ist in manchen Städten das öffentliche Tragen der Markierer verboten, um eine Verwechslung mit echten Waffen zu vermeiden. In Österreich dürfen Jugendliche schon ab 14 Jahren im Beisein eines Erziehungsberechtigten Paintball spielen. Ab 16 Jahren ist das Spielen auf den meisten Anlagen mit Vorlage einer schriftlichen Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten gestattet.
Die
Deutsche Paintball- Liga verwendet Bälle mit einer
Gelatinehülle, die mit Kartoffelstärke, Pflanzenöl und
Lebensmittelfarbe gefüllt ist. Diese Bälle bauen sich innerhalb von zwei Wochen biologisch rückstandsfrei ab.
Paintball wird mit Schutzkleidung gespielt. Große Schutzmasken sind ebenfalls wichtig, damit niemand Farbe in Mund oder Augen bekommt.
In Druckflaschen wird das Treibmittel
CO2 (Kohlenstoffdioxyd) oder HP (Druckluft) gelagert. Durch den Druck werden die Bälle aus dem Markierer geschossen.
Nach Angaben der Deutschen Paintball-Liga gibt es in Deutschland Tausende Anhänger und mehr als 200 Spielfelder.
Heute finden in mehr als 60 Ländern regelmäßig
Paintball-Turniere statt. Das bisher größte
Indoor- Turnier wurde 1998 in Toronto organisiert. In den USA sponsern Unternehmen wie Pepsi und Budweiser die Teams.