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05.06.2009
 

Mauergedenken im November

Merkel will Obama offenbar nach Berlin einladen

Kaum ist er gelandet, wird auch schon über seinen nächsten Besuch spekuliert: Nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung" will Kanzlerin Merkel US-Präsident Obama zur Feier des Mauerfalls vor 20 Jahren nach Berlin einladen - und so den Verdacht entkräften, Obama meide die Hauptstadt bewusst.

Berlin/Leipzig - Er ist da: US-Präsident Barack Obama ist am Donnerstagabend gegen 21 Uhr in Dresden gelandet. Es ist bereits der dritte Deutschland-Besuch von Obama binnen eines Jahres - und offenbar erwägt die Bundesregierung, flugs den nächsten Besuch des globalen Hoffnungsträgers in Deutschland zu planen. Nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung" will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Treffen mit Barack Obama auch über eine mögliche Teilnahme des US-Präsidenten an den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls sprechen.

US-Präsident Obama bei seiner Ankunft in Dresden: Nächster Besuch im November?
AP

US-Präsident Obama bei seiner Ankunft in Dresden: Nächster Besuch im November?

Das berichtete die Zeitung am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise. Merkel plane zu den Feiern im November ein "Stelldichein der großen Staatsmänner in Berlin". Es wäre Obamas erster offizieller Präsidentenbesuch in der deutschen Hauptstadt. Bei seinem ersten Besuch in Berlin im vergangenen Jahr war Obama noch als Präsidentschaftskandidat angereist.

Zuvor war bereits aus Diplomatenkreisen durchgesickert, man habe den Jahrestag des Mauerfalls für Obamas Staatsbesuch in Berlin ins Auge gefasst.Als Staatschef dagegen hat Obama bislang einen Bogen um Berlin gemacht. Im April besuchte er den Nato-Gipfel, der im französischen Straßburg sowie in Kehl und Baden-Baden stattfand. Jetzt stattet er lediglich Dresden sowie der KZ-Gedenkstätte Buchenwald einen Besuch ab. Nach Auffassung von Beobachtern könnte dies auch ein Zeichen sein, dass der Präsident Merkel verübelt, dass diese ihm bei seinem Auftritt im Sommer 2008 einen Auftritt am Brandenburger Tor verwehrt hatte. Obama musste seine Rede an der Berliner Siegessäule halten.

Dem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" zufolge will die Bundesregierung jetzt die Gelegenheit nutzen, um bei Obamas Besuch in Dresden auszuloten, ob er zu einer Teilnahme bei den Feiern im November bereit sei. Für den offiziellen Teil der Einladung wäre zwar der Bundespräsident zuständig, "aber das Umfeld dieser Obama-Reise ist sehr günstig für eine Vorklärung", hieß es den Angaben zufolge aus der Regierung. Solche Einladungen würden informell "am besten direkt zwischen den Spitzen" abgesprochen. Käme Obama am 9. November nach Berlin, wäre dies auch ein Zeichen an andere bedeutsame Staatschefs, sich am Brandenburger Tor zu treffen.

Obama und Merkel treffen sich am Freitag in Dresden zu politischen Gesprächen. Nach dem Versöhnungsangebot von Obama an die muslimische Welt will Merkel mit dem Präsidenten über das weitere Vorgehen im Nahost-Friedensprozess sprechen. Merkel wird Obama zu einem einstündigen Gespräch im Historischen Grünen Gewölbe empfangen. Der US-Präsident war von Kairo kommend in Dresden eingetroffen.

Nach einem Besuch der Dresdner Frauenkirche wird Obama in Begleitung der Kanzlerin am Nachmittag in der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar erwartet und dort als erster US-Präsident ein ehemaliges Konzentrationslager auf deutschem Boden besuchen. Obama wird von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel begleitet. Wiesel gehörte zu den Insassen, die von amerikanischen Streitkräften 1945 aus dem Konzentrationslager befreit werden konnten. Er soll auch den Anstoß für den Wunsch Obamas gegeben haben, das Lager zu besuchen.

Zum Abschluss seines knapp eintägigen Deutschlandaufenthalts besucht Obama am frühen Abend in Landstuhl in der Pfalz ein amerikanisches Militärhospital. In dem Krankenhaus werden Soldaten behandelt, die bei Kampfeinsätzen etwa im Irak oder in Afghanistan verletzt wurden. Am Samstag wird der US-Präsident in der Normandie an den Feiern zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten teilnehmen.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle kritisierte unterdessen in der "Passauer Neuen Presse", "wie wenig in Berlin die Tiefe und Ernsthaftigkeit des amerikanischen Politikwechsels seit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten verstanden wird". Der FDP-Chef vermutete, dass Obama unter anderem deshalb bei seinem gegenwärtigen Deutschlandbesuch nicht nach Berlin reist. Dies dürfe man "durchaus als Geste verstehen". Zur Rede des US-Präsidenten an die islamische Welt in Kairo sagte Westerwelle, Obama habe "die an sich schon hohen Erwartungen weit übertroffen". Die Rede sei "ein starker Pfeiler für eine neue Brücke der Kooperation zwischen dem Westen und der islamischen Welt".

beb/AFP/dpa

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