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05.06.2009
 

Kairoer Rede

Geschichtspatzer und Schleierzitat erzürnen Obamas Zuhörer

"Totales Unwissen von der Geschichte", "eine Ohrfeige für alle Frauen, die keinen Schleier tragen wollen": Zuhörer in Spanien und Frankreich kritisieren die historische Rede des US-Präsidenten Obama an die muslimische Welt. Die einen bemängeln einen Patzer, die anderen fehlende Sensibilität.

Madrid - In seiner historischen Rede über einen Neuanfang mit der islamischen Welt ist US-Präsident Barack Obama in Kairo nach spanischen Medienberichten ein Irrtum unterlaufen. Als Beispiel für das friedliche Zusammenleben von Muslimen, Christen und Juden habe Obama "al-Andalus" erwähnt. So bezeichneten die Muslime die Iberische Halbinsel, über die sie in großen Teilen fast 800 Jahre lang herrschten. Die Blütezeit des Kalifats von Cordoba war im 10. Jahrhundert. Der US-Präsident habe diese Epoche in seiner Rede am Donnerstag jedoch in die Zeit der Inquisition verlegt, die in Spanien erst 1478 von den Königen Ferdinand und Isabella eingerichtet worden war, schrieb die konservative Zeitung "ABC" am Freitag.

Das Reich der Mauren, wie die muslimischen Herrscher in Spanien genannt wurden, entwickelte sich zu einer zivilisatorischen Hochkultur in Wissenschaft, Kunst, Philosophie oder Medizin. Das weitgehend friedliche Zusammenleben von Muslimen, Christen und Juden trug dazu maßgeblich bei. Die Herrschaft der Mauren dauerte bis 1492, als ihr letzter Herrscher Boabdil am Ende der spanischen Reconquista (Rückeroberung) unter Ferdinand und Isabella besiegt wurde. Diese ordneten damals auch die Vertreibung der Juden aus Spanien an.

Und auch in Frankreich löste Obamas Rede Verstimmung aus. Französische Frauenrechtlerinnen reagierten empört auf ein Detail der Rede, in der er den Westen und die muslimische Welt zu gegenseitiger Achtung aufgerufen hat. Was Obama über die Ausübung der Religion gesagt habe, sei "eine Ohrfeige" für alle Frauen, die sich gegen den muslimischen Schleier wehrten, erklärte die Internationale Frauenliga am Freitag in Paris. Der Präsident der Vereinigten Staaten habe den Schleier in seiner Rede in Ägypten dreimal verteidigt - dabei hätten es Frauen in Algerien, Afghanistan und Iran "unter entsetzlichen Bedingungen" mit dem Leben bezahlt, den Schleier nicht zu tragen.

Obama hatte am Vortag in Kairo gesagt, der Westen dürfe sich nicht darin einmischen, wie Muslime ihre Religion ausüben wollten - "zum Beispiel, indem man vorschreibt, welche Kleidung eine muslimische Frau tragen sollte".

Sie frage sich, ob Obama sich "auf dem Rücken der Frauen" mit der muslimischen Welt versöhnen wolle, erklärte die Vorsitzende der Frauenliga, Anne Sugier. Auch die Frauenrechtsorganisation Ni Putes Ni Soumises (Weder Huren noch Unterworfene) verurteilte die Äußerungen des US-Präsidenten. Obama habe "den Kampf von Millionen Frauen" beleidigt, die es oft mit ihrem Leben bezahlen müssten, wenn sie der fundamentalistischen Gewalt entkommen wollten.

ffr/dpa/AFP

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