ThemaSuperwahljahr 2009RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
15.06.2009
 

Rede beim BDI

Heimspiel für Guttenberg

Von Florian Gathmann

Angenehmer Termin für den Wirtschaftsminister: So wohlwollend wie CSU-Mann Guttenberg wurde beim Tag der Deutschen Industrie keiner empfangen. Er warb für unternehmerische Verantwortung - und stichelte gegen die Krisenpolitik der SPD.

Berlin - Nein, Karl-Theodor zu Guttenberg kann kein kaltes Herz haben. Nicht nach diesem Auftritt. Ab Reihe fünf im Zuhörerraum trägt kaum einer mehr sein Jackett, der Minister schwitzt am Rednerpult immer sichtbarer. Schließlich, nach einer knappen halben Stunde, erlöst sich Guttenberg selbst. Er habe sich schon gewundert - noch im Büro sitzend - als der Kabinettskollege Steinmeier an diesem Rednerpult mit schweißnassem Gesicht auf dem Fernsehbildschirm zu sehen war.

CSU-Politiker Guttenberg beim BDI: Einer der angenehmeren Termine für den WirtschaftsministerZur Großansicht
dpa

CSU-Politiker Guttenberg beim BDI: Einer der angenehmeren Termine für den Wirtschaftsminister

Jetzt wisse er, warum, sagt Guttenberg, dankt für die Aufmerksamkeit und geht unter großem Beifall ab.

Dass er alles andere als kaltherzig ist, wie der eine oder andere Sozialdemokrat zuletzt geätzt hatte, will Guttenberg beim Tag der Deutschen Industrie aber auch inhaltlich widerlegen. "Ich gehe nicht mit kaltem Herz in die kommenden Wochen", lässt er die versammelten Unternehmer wissen. Sicher, die Krise habe man längst nicht überwunden - aber kaltherzig seien doch eher jene, die mit "Heilsversprechen" aufwarteten. Wen der CSU-Politiker damit meint, ist klar: Jene Sozialdemokraten, die ihn wochenlang wegen seiner Haltung bei Opel und Arcandor attackierten und als abgehobenen "Baron da aus Bayern" verspotteten.

Es ist, trotz der Hitze, ein sehr angenehmer Termin beim Bund der Deutschen Industrie (BDI) für Guttenberg.

Seit er bei Opel den Oberordnungspolitiker gab, ist Guttenberg für viele hier ein Held. "Ich bin nicht gerade ein glühender Staatsromantiker" - mit diesem Satz wird er später eine Menge Beifall erhalten.

Keiner vor ihm - Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel, nicht einmal FDP-Chef Guido Westerwelle - ist so zuvorkommend empfangen worden. Natürlich ist BDI-Chef Hans-Peter Keitel auch für den Wirtschaftsminister vor die Veranstaltungshalle getreten, um den Gast zu begrüßen. "Schön, dass Sie da sind", sagt er und strahlt ihn an. BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf sagt nur "Servus", als Guttenberg aus der Limousine steigt. Schnappauf war mal ein wichtiger CSU-Politiker und Minister in Bayern, man kennt sich.

"Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, Offenheit und Mut". All dies lobt Schnappauf am Wirtschaftsminister in seiner kurzen Einführungsrede. "Geradlinig" sei der Kurs Guttenbergs, findet der BDI-Geschäftsführer. Wie wenig geradlinig - erst recht in diesen Krisenzeiten - die Unternehmen und ihre Verbände agieren, offenbart Schnappauf beinahe im gleichen Satz. Nachdrücklich wolle er nochmals für Hilfe bei Kreditversicherungen werben, sagt er in Richtung des Gastes. Staatliche Hilfe.

Guttenberg weiß um diese Widersprüche. Es gehe in diesen Zeiten nicht "um die reine Lehre, sondern um Vernunft". Eine "ordnungspolitische Gratwanderung" nennt er die Kreditversicherungsdebatte, als er am Podium steht.

Vor allem aber geht es für den Wirtschaftsminister um positive Stimmung: "Ein Wettbewerb der Kassandrarufe hilft uns nicht." Er wünsche sich, sagt Guttenberg, "ein Mindestmaß an Zuversicht und Mut". Das kommt an bei den Unternehmern. Genauso das Lob des Ministers für die heimische Wirtschaft, die er "stark" nennt. Und da Guttenberg ein gebildeter Mann ist, fügt er eine kleine Etymologie der Krise an. Im Griechischen werde "Krisis" mit Wendepunkt übersetzt. "Das kann auch Kraft verleihen."

Guttenberg scheint in den wenigen Monaten seiner Amtszeit nur wenig Kraft eingebüßt zu haben. Er wirkt nach dem ständigen Krisenmanagement und den innerkoalitionären Auseinandersetzungen immer souveräner. Das ist auch daran abzulesen, dass er seine Gastgeber mit klaren Worten an ihre eigene Verantwortung erinnert: "Die Bewältigung der Krise ist in erster Linie Aufgabe der Unternehmen selbst."

Und: Guttenberg wird zunehmend angriffslustig. Am Ende setzt er eine weitere feine Attacke in Richtung Sozialdemokraten. "Überschaubar kreativ" nennt Guttenberg die SPD-Kritik an den Steuersenkungsplänen der Union und lächelt süffisant ins Publikum.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 1249 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.10.2009 von Negotiator:

Der neue Wirtschaftsminister ist der alte ... der sich ja noch schnell kurz vor der Wahl gründlich blamiert hat. Und sicher inzwischen nicht noch schnell ein Volkswirtschaftsstudium abgeschlossen hat, wodurch ausgeschlossen ist, [...] mehr...

05.10.2009 von ergoprox:

Na immer hin dutzt er sich mit Thomas Gottschalk, hat also die Rentnergeneration auch schon "eingefangen", dann noch die Techno-Generation mit seiner netten Geschichte des "zufälligen Kennenlernens" der von und [...] mehr...

04.10.2009 von blackfellow: Wenn ich Guttenberg sehe,

Wenn ich Guttenberg sehe, überlege ich mir so manschmal was dieser "Von" überhaupt für diese Land getan hat . Obwohl ich angestrengt überlege fällt mir garnichts ein. Geht mir bei der früheren FDJ Sekretärin Frau [...] mehr...

03.10.2009 von babblefish: Guttenberg die/der Allzweck(w)affe

Sie kennen ihn also persönlich? Und den Rest des Parlamentes auch? "erfrischend" und "find ich gut" gilt bei mir auch für Zitroneneis. Zur Erinnerung: Über zu Guttenberg war bis zu seiner [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Superwahljahr 2009

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP