Hamburg - Was für ein Unternehmen gilt, ist auch bei Parteien üblich: Die Überprüfung der Finanzen und Bilanzen. Die Parteien müssen der Bundestagsverwaltung einen Rechenschaftsbericht vorlegen, ähnlich der Jahresbilanz eines Wirtschaftsunternehmens.
Als Steuerberater stellte die Bundes-CDU 1972 den gelernten Diplom-Kaufmann, Steuer- und Wirtschaftsprüfer Horst Weyrauch ein. Laut Berufsordnung haben Steuerberater folgende Aufgaben: Sie beraten und vertreten ihre Auftraggeber in Steuerangelegenheiten und leisten bei der Erfüllung ihrer Steuerpflichten Hilfe. Besonders bei Steuerbilanzen ist der Rat eines solchen Finanzexperten gefragt.
Weyrauch allerdings war viel mehr für die Partei. Er gilt als ein Schöpfer des Schwarzgeld-Kontensystems, in das auch die Millionen flossen, die der ehemalige Parteivorsitzende Helmut Kohl annahm und deren Herkunft er verschweigt. Für die hessische CDU, deren Finanzberater Weyrauch war, legte er 1983 Millionen in der Schweiz an. Zugleich war er Treuhänder von CDU-Konten im Ausland.
Wegen der Affäre trennten sich sowohl die Bundes-CDU als auch der Landesverband Hessen zum Beginn dieses Jahres von Weyrauch. Die Staatsanwaltschaften in Bonn und Wiesbaden ermitteln gegen ihn wegen des Verdachtes auf Beihilfe zur Untreue. Ohne das Wissen und die finanztechnischen Finessen eines Steuerexperten wie Weyrauch hätten die schwarzen Kassen der CDU wohl kaum organisiert werden können. Weyrauch selbst sieht sich nur als "Rad im Räderwerk" des CDU-Finanzsystems.
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