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Milieu-Studie Deutsche schieben Öko-Frust

3. Teil: "Öko" als Sparprinzip der kleinen Leute

Nur in einer bundesdeutschen Lebenswelt skandierte man nicht den gegenwärtig dominanten Entlastungsrefrain vom "Man kann ja doch nichts machen". Während die sogenannten Leitgruppen derzeit alles andere als eine Vorbildrolle einnehmen, ragt in dieser Frage ausgerechnet das sogenannte "traditionsverwurzelte Milieu" durch exemplarisches umweltschonendes Alltagsverhalten heraus. In aller Regel genießen die "Traditionsverwurzelten" kein großes Renommee bei den Lebensweltforschern. Denn besonders modern und marktfähig geriert sich diese Gruppe nicht.

Der Sozialisationsort der Traditionsverwurzelten lag überwiegend in den fünfziger und sechziger Jahren. Viele sind heute Rentner, hängen weiterhin alten, vermeintlich überkommenen Einstellungen an, legen Wert auf Sparsamkeit, Fleiß, Disziplin, Häuslichkeit, Familie, aber auch ehrenamtlich gestützte Vereinsgeselligkeit. Hier lagern noch letzte Reste der alten sozialdemokratischen Gewerkschafts- und Solidaritätskultur, auch der sozialkatholischen Subsidiaritätsprinzipien christdemokratischer Façon. Es ist das klassische "Kleine-Leute-Milieu", weit entfernt von den Mentalitäten der sogenannten modernen Unterschichten, Mittelklassen oder Elitesektoren der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Die Partei der Grünen etwa würde unter den Traditionsverwurzelten die Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffen.

Der Begriff "Nachhaltigkeit" kommt in der Rhetorik der Traditionsverwurzelten nicht vor. Doch sie leben in der täglichen Praxis nachhaltiger als andere sonst. Mit Wasser geht man behutsam um. Der Komposthaufen im Garten ist selbstverständlich. Das Obst und Gemüse wird nicht gespritzt. Das Haus ist oft gedämmt, die Heizung sparsam eingestellt. Die Flugreise - auf die weder ergraute Postmaterielle noch neuliberale Performer verzichten wollen - ist ihnen gut entbehrlich. Man nimmt die Bahn oder fährt ein ressourcensparendes Auto, benutzt häufig jedoch das Fahrrad. Alte Möbel werden zu Regalen neu geschnitten und weiter gebraucht. Lockere Wegwerfneigungen sind verpönt, wie aber auch Parolen à la "Geiz ist geil".

Traditionsverwurzelte sind gewiss sparsam, aber nicht geizig auf Kosten anderer. In Fragen der Umwelt ist man firm, denn man hat mit den Kindern oder Enkeln die "Sendung mit der Maus" geschaut, in denen solche Probleme kompetent und mit großer Ernsthaftigkeit dargestellt worden sind.

Die Familie steht überhaupt im Fokus der Traditionsverwurzelten. Man versucht, dort Werte weiter zu vermitteln. Einzig in diesem Milieu ist die Philosophie präsent, dass man in einem großen Kosmos gewissermaßen seinen Platz und seine Aufgabe zugewiesen bekommen hat und die daraus resultierenden Pflichten schlicht selbstverständlich erfüllen muss. Und man delegiert die Verantwortung nicht fort, auch nicht im Bereich der Umwelt, beim Schutz der Natur. "Viel Kleines gibt ja auch was Großes" - heißt es wieder und wieder zur Begründung dafür, dass bei ihnen das Wasser beim Zähneputzen nicht läuft. Die Elitegruppen pflegen dergleichen Naivitäten süffisant zu belächeln.

In der Sozialforschung firmiert das "traditionsverwurzelte Milieu" als erodierendes oder gar absterbendes gesellschaftliches Segment. In der Tat: Diese Gruppe ist in den letzten 30 Jahren quantitativ kräftig zurückgegangen. Sie war (und ist noch) Hort der beiden Volksparteien. Wenn die Quellen der Traditionsverwurzelung versiegen, wird es nicht leicht für die Sozial- und Christdemokraten. Aber es wird auch nicht einfach für die politische Ökologie der Republik.

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insgesamt 86 Beiträge
silverboy 13.07.2009
mal wieder Stimmung machen gegen BIO. Wer nicht unkontrolliert GEN-Mist in sich hineinfuttern will, muß zu Bio greifen! Codex Alimentarius kommt schließlich - da wird der Pöbel noch ein wenig weichgeklopft.
mal wieder Stimmung machen gegen BIO. Wer nicht unkontrolliert GEN-Mist in sich hineinfuttern will, muß zu Bio greifen! Codex Alimentarius kommt schließlich - da wird der Pöbel noch ein wenig weichgeklopft.
maradeur 13.07.2009
man nehme meine generation (80er), gebe ein bisschen wirtschaftskrise dazu, ein bisschen krieg und viel ökologischen wahnsinn und man bekommt was? nichts, noch nicht mal heiße luft. es wird weggenickt oder weggeschüttelt. das [...]
man nehme meine generation (80er), gebe ein bisschen wirtschaftskrise dazu, ein bisschen krieg und viel ökologischen wahnsinn und man bekommt was? nichts, noch nicht mal heiße luft. es wird weggenickt oder weggeschüttelt. das war's. armes deutschland, deine letzte jugend war n nullnummer.
Klymer 13.07.2009
obschon ich selbst viele bio-prdukte konsumiere, finde ich den artikel doch ganz interessant. was das angesprochene mülltrennungs-thema betrifft: stimmt da muß ich mich an die eigene nase fassen - aber das liegt auch am dsd [...]
Zitat von silverboymal wieder Stimmung machen gegen BIO. Wer nicht unkontrolliert GEN-Mist in sich hineinfuttern will, muß zu Bio greifen! Codex Alimentarius kommt schließlich - da wird der Pöbel noch ein wenig weichgeklopft.
obschon ich selbst viele bio-prdukte konsumiere, finde ich den artikel doch ganz interessant. was das angesprochene mülltrennungs-thema betrifft: stimmt da muß ich mich an die eigene nase fassen - aber das liegt auch am dsd (vulgo grüner punkt) - da wurde nämlich eine idee als "öko" verkauft, die das so gar nicht ist. ich denke der artikel ist keine anti-bio stimmungsmache sondern eine interessante bestandsaufnahme. und, entschuldigung, es ist ja schon so: wenn ich sage daß unserer familie der opel corsa reicht und ich aus umweltgründen keinen spritschlucker kaufen will werde ich angeschaut wie von hinterm mond. und wenn ich dann noch sage daß ich mit dem fahrrad oder dem bus in die arbeit fahre also da auch kein auto brauch kommt der kommentar: "das geht? ist das nicht eine einschränkung"...
Fritz II 13.07.2009
Auch Bio - wie fast jedes Lebensmittel - ist u.a. durch Zuchtwahl genetisch verändert ... diese Anti-Gen-Kampagne ist lächerlich ... jedes Bier was wir trinken basiert auf genmanipulierten Hefepilzen ... regt auch (fast) keinen [...]
Zitat von silverboyWer nicht unkontrolliert GEN-Mist in sich hineinfuttern will, muß zu Bio greifen!
Auch Bio - wie fast jedes Lebensmittel - ist u.a. durch Zuchtwahl genetisch verändert ... diese Anti-Gen-Kampagne ist lächerlich ... jedes Bier was wir trinken basiert auf genmanipulierten Hefepilzen ... regt auch (fast) keinen auf ... Prost!
Phoeni 13.07.2009
... halte ich den Artikel. Er enthält die Grundstimmungen quer durch die Gesellschaft, bzw. Ausschnitte davon mit denen bzw. Teilen man sich selbst identifizieren kann. Wer kein GEN-Mist futtern will, MUSS zu Bio greifen. Man [...]
Zitat von silverboymal wieder Stimmung machen gegen BIO. Wer nicht unkontrolliert GEN-Mist in sich hineinfuttern will, muß zu Bio greifen! Codex Alimentarius kommt schließlich - da wird der Pöbel noch ein wenig weichgeklopft.
... halte ich den Artikel. Er enthält die Grundstimmungen quer durch die Gesellschaft, bzw. Ausschnitte davon mit denen bzw. Teilen man sich selbst identifizieren kann. Wer kein GEN-Mist futtern will, MUSS zu Bio greifen. Man denke an die Liste der angeprangerten Lebensmittel der Verbraucherzentrale Hamburg. Auch ein Bio-Produkt war dabei. Kaum waren die Richtlinien für Bio-Produkte bzw. das Qualitätsprädikat geändert seitens der EU, schossen die BIO-Siegel in jedem Billigsupermarkt wie Pilze aus dem Boden. Wo ist das Bio? Wer wirklich wissen will, was er ißt, kommt nicht umhin dort einzukaufen, wo der Erzeuger hinter der Theke steht um es mit den Worten des Kochs Klink zu sagen. Spätestens nach im indischen Ozean gefangenen, aus Fischeiweiß zusammengepressten Garnelen weiß man, das alles nur Schall und Rauch ist, auch ein tolles Biosiegel. Bio ist mittlerweile genauso wie jeder andere Bereich zum reinen Geschäft verkommen, so what? Andererseits, um den Kritikern der Preise was zu entgegnen, direkt beim Bauer eingekauft gestaltet sich in der Regel als äußerst preiswert.
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