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14.07.2009
 

Streit über EU-Kompetenzen

CSU droht Merkel mit Blockade

"In aller Freundschaft" will die CSU in einer Klausur mit Angela Merkel über den EU-Vertrag reden. Dennoch drohen die Christsozialen, den Zeitplan der Kanzlerin durcheinanderzubringen: Sie könnten dem neuen Begleitgesetz auch erst nach September zustimmen.

Bad Staffelstein - Die CSU gibt sich im Streit über die Europapolitik unnachgiebig: Generalsekretär Alexander Dobrindt drohte am Dienstag am Rande einer Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Kloster Banz, die von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geplante Neufassung des Begleitgesetzes zum EU-Vertrag zu blockieren.

Angela Merkel: Die CSU droht den Zeitplan der Kanzlerin durcheinander zu bringenZur Großansicht
AP

Angela Merkel: Die CSU droht den Zeitplan der Kanzlerin durcheinander zu bringen

Anders als für Merkel sei für seine Partei eine Überarbeitung des Gesetzes noch in dieser Legislaturperiode nicht zwingend, sagte Dobrindt. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Lissabon-Vertrag müsse bald umgesetzt werden. "Das kann im September sein, muss aber nicht zwingend im September sein." Die Inhalte stünden vor dem Zeitplan und anderen Erwägungen.

Wie vor ihm bereits CSU-Chef Horst Seehofer verteidigte Dobrindt die CSU-Forderung nach weitgehenden Mitspracherechten für Bundestag und Bundesrat mit dem Hinweis auf einen Gesetzentwurf aus dem Jahr 2005, den auch Merkel damals noch in der Regierungszeit von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) unterzeichnet habe. Der Entwurf habe vorgesehen, dass für die Bundesregierung eine Stellungnahme des Bundestags zu jeder europapolitischen Entscheidung weitgehend verbindlich sein solle, sagte Dobrindt.

Gleichzeitig versuchte der CSU-Generalsekretär aber, Schärfe aus der Debatte zu nehmen. "In aller Freundschaft und Gemeinsamkeit" würden die Positionen zwischen CDU und CSU ausgetauscht. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte, die Intensität der Debatte zeige vor allem, dass es CDU und CSU um Lösungen für die Europapolitik gehe. "Von den anderen Parteien ist hier überhaupt nichts zu melden."

Die CSU-Landesgruppe will auf ihrer am Dienstag begonnenen zweitägigen Klausurtagung ein 14-Punkte-Papier zur Neufassung des Begleitgesetzes verabschieden. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg warb für einen Kompromiss. Die CSU werde an ihrem 14-Punkte-Papier "vielleicht noch ein wenig zu feilen haben", sagte Guttenberg. Ziel müsse es sein, Europa demokratischer und bürgernäher zu machen, aber zugleich die Regierung in Brüssel handlungsfähig zu halten.

CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer verwies die CDU auf den gemeinsamen Gesetzentwurf von 2005, in dem die Unionsfraktion mehr verbindliche Mitsprache für Bundestag und Bundesrat in der Europapolitik gefordert hatte. "Das bindet uns gut zusammen innerhalb der Union", sagte Ramsauer. Die CSU sei "die letzte große Volkspartei", und zu einer Volkspartei gehöre, bei europäischen Rechtsetzung die Mitwirkung von Bundestag und Bundesrat zu wahren.

Mehrere CDU-Politiker attackierten die Schwesterpartei wegen ihrer Haltung: Der CSU-Generalsekretär habe "keine Ahnung", sagte der CDU-Europapolitiker Elmar Brok dem "Westfalen-Blatt" wegen Dobrindts Forderung nach einer Rückübertragung von Kompetenzen an die einzelnen Staaten. "Das steht bereits so im Vertrag von Lissabon", sagte Brok.

Der CDU-Europaabgeordnete warnte bei der Neufassung der Begleitgesetze des Lissabon-Vertrages vor zu weitreichenden Schritten. "Einige der diskutierten Vorschläge überschreiten die Linie zur Marginalisierung der deutschen Politik in Brüssel. Wir müssen aufpassen, dass die Bundesregierung nicht handlungsunfähig wird", sagte Brok der Zeitung.

Vertrag von Lissabon

EU-Ratspräsident

EC
Um mehr Kontinuität in die Arbeit der EU zu bringen, wird die Europäische Union künftig einen ständigen Ratspräsidenten haben. Er soll zweieinhalb Jahre den Europäischen Rat leiten. Zusätzlich gibt es weiterhin eine alle sechs Monate unter den Staaten rotierende Präsidentschaft.

Hoher Repräsentant für die Außenpolitik

EU-Kommissare

EU-Parlament

Kompetenzen

Mehrheitsentscheidungen

Stimmrechte

Verfügungsklauseln

Bürgerrechte

Vorrang des EU-Rechts

Beitritt und Austritt

Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sagte zu den CSU-Forderungen, das werde "so nicht gehen". Die Regierung brauche Gestaltungsspielraum bei Verhandlungen in der Europäischen Union, sagte Böhmer im Südwestrundfunk. Böhmer kritisierte gleichzeitig die von der CSU in ihrem Wahlaufruf geplante Festlegung auf Termine für das Unions-Wahlversprechen Steuersenkungen. Wer wie die CSU ein Datum für Steuersenkungen festlegen wolle, mache sich unglaubwürdig, sagte Böhmer.

als/dpa/AFP/ddp

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