Von Ole Reißmann
Hamburg - Das von Rechtsextremen seit Freitag vergangener Woche besetzte Landhotel in Niedersachsen wurde von vermummten Unbekannten heimgesucht. Der Vorfall ereignete sich bereits am Sonntag in den frühen Morgenstunden, wie die Polizei mitteilte. Mehrere Unbekannte betraten demnach das Gelände und fotografierten einen 18-jährigen Neonazi, der als Wache abgestellt war. Danach kam es zu einer Auseinandersetzung.
Die Polizei erfuhr erst Tage später von dem Vorfall. Mit herbeigerufener Verstärkung soll der Aufpasser die vermeintlichen Eindringlinge gesucht haben. Bei der Verfolgungsjagd wurde einer der Rechtsextremen nach eigenen Angaben von hinten geschlagen. Dabei verletzte er sich nach Angaben der Polizei leicht. Auch sollen zwei Schüsse gefallen sein. Welcher Art die Schüsse waren, ob es sich also um scharfe Munition gehandelt hat, und welcher Gruppe die Waffe zuzuordnen ist, konnte die Polizei bisher nicht überprüfen. Man habe das Grundstück nicht betreten, so ein Polizeisprecher.
Eine Handvoll Mitglieder der rechtsradikalen Szene hält sich seit einer Woche im Auftrag von NPD-Vizechef Jürgen Rieger im Hotel Gerhus im Landkreis Celle auf. Die Rechtsextremen wollen es für Schulungen, Parteitage und Jugendlager nutzen, befürchtet der Bürgermeister von Faßberg, Hans-Werner Schlitte.
Rieger hat mit der Familie des verstorbenen Eigentümers, die das Hotel an einen Zwangsverwalter geben musste, nach eigenen Angaben einen gültigen Pachtvertrag geschlossen. Die günstigen Konditionen des Vertrags sind nach Ansicht des Zwangsverwalters gegen die Interessen der Gläubiger - zumal ein Investor bereit steht, der das Hotel mit Hilfe der Kommunen übernehmen und zu einer Pflegeeinrichtung umbauen will.
Der Zwangsverwalter der Immobilie, ein Anwalt aus Hannover, und die Gemeinde Faßberg bezweifeln die Rechtmäßigkeit des Pachtvertrags. Eine Strafanzeige des Hausverwalters wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung liegt derzeit bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg und wird geprüft. Er hatte eine sofortige Räumung des Hauses gefordert. Die Polizei geht aber davon aus, dass der Zwangsverwalter gegen die Besetzung des Hauses zivilrechtlich vorgehen muss. Die Rechtslage sei aber bislang ungeklärt.
Die Polizei geht davon aus, dass die Eindringlinge der linken Szene zuzuordnen sind. Nachdem im Mai bereits in dem Hotel eingebrochen wurde und Ende Juni eine Anti-Nazi-Parole an eine Mauer gemalt worden war, hat sich die Lage nun nach Ansicht der Polizei verschärft. Man sei alarmiert und werde die Präsenz in der Region erhöhen, so ein Polizeisprecher.
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