Mainz/Berlin - Die Werte sind bemerkenswert: Fünfeinhalb Monate nach seiner Ernennung steht Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in der Wählergunst an der Spitze. Im neuen ZDF-"Politbarometer" führt der CSU-Mann Ende Juli die Top-Ten-Liste der wichtigsten Politiker an und verdrängt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von Platz eins. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid zur Bewertung der Arbeit der Minister nimmt Guttenberg ebenfalls den Spitzenplatz ein. In der CSU wird bereits von einem weiteren Aufstieg des Parteikollegen geträumt.
Und auch wenn andere Umfragen, wie die aktuelle SPIEGEL-Politikertreppe, Guttenberg noch hinter Merkel sahen - die CSU frohlockt. "Wenn er lange genug Dienste getan hat als Minister, warum sollte er dann nicht mal für die CSU als Bundeskanzler antreten?", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Das ist ohne Weiteres drin. Die CSU wäre ja auch mal dran." Das Umfrageergebnis sei "ein Zeichen für ein gesundes Volksempfinden", sagte Geis.
Auch der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber ist begeistert von Guttenbergs Karriere. "Karl-Theodor hat sicherlich noch weiteres Potential", sagte er der Zeitung. "Das ist ein so phänomenaler Aufstieg, wie es ihn in 60 Jahren Bundesrepublik noch nicht gegeben hat. Alles Weitere muss man der Zukunft überlassen."
"Jeder Katholik kann auch Papst werden"
CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl sprach Guttenberg sein Lob aus: "Ich kann nur sagen: Weiter so! - bis zum 27. September und darüber hinaus." Auf die Frage, ob der Minister eines Tages Kanzler werden könne, erwiderte Uhl: "Jeder Katholik kann auch Papst werden."
Guttenberg wäre der dritte Kanzlerkandidat, den die CSU stellt. Vor ihm versuchten bereits zwei Christsoziale den Sprung an die Spitze der Regierung - und scheiterten. 1980 trat Franz Josef Strauß, damals CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident, gegen SPD-Kanzler Helmut Schmidt an. Er verlor. Einen neuen Anlauf unternahm 2002 Edmund Stoiber, der knapp Gerhard Schröder unterlag.
Merkel zieht Steinmeier davon
Merkel baut in den aktuellen Umfragen derweil ihren Vorsprung gegenüber Steinmeier aus. Im Politbarometer liegt die CDU-Vorsitzende bei der Frage, wen die Deutschen lieber als Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin hätten, inzwischen 37 Prozentpunkte vor ihrem SPD-Herausforderer. Demnach wollen aktuell 62 Prozent (plus 3 Punkte) Merkel als nächste Kanzlerin, nur noch 25 Prozent (minus 3 Punkte) sprechen sich für Steinmeier aus. Bei den SPD-Anhängern kommt Merkel auf 40 Prozent und Steinmeier auf 50 Prozent Zuspruch.
Skeptisch gegenüber Steinmeier zeigen sich die Bundesbürger auch in einer Umfrage des Berliner Meinungsforschungsinstituts Info GmbH. Auf die Frage: "Ist Ihrer Meinung nach Frank Walter Steinmeier der richtige Kanzlerkandidat der SPD", antworteten 43 Prozent der 1501 Befragten mit Nein, 33,6 Prozent mit Ja.
Auch lediglich 53 Prozent der SPD-Wähler halten ihn der Umfrage zufolge für den richtigen Kandidaten, 31 Prozent der SPD-Wähler tun das nicht. Die größte Ablehnung erfährt Steinmeier bei den über 50-Jährigen, die größte Zustimmung hat er bei Befragten mit einem Brutto-Einkommen ab 3000 Euro.
ffr/ddp/AFP
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