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03.08.2009
 

Ankunft in München

Flughafenpolizei nimmt Waffenlobbyisten Schreiber fest

Um 9.22 Uhr endete ein jahrelanges juristisches Hickhack: Karlheinz Schreiber ist von Kanada ausgeliefert worden, am Morgen traf er in München ein. Dem Waffenlobbyisten soll in Augsburg wegen Politikerbestechung und Steuerhinterziehung der Prozess gemacht werden.

Toronto/München - Er hat alles unternommen, um der deutschen Justiz zu entgehen - doch jetzt muss sich der Waffenlobbyist doch noch vor einem deutschen Gericht verantworten. Am Montagmorgen um 9.22 Uhr ist die Maschine aus Toronto mit Schreiber an Bord in München gelandet. Flughafenpolizisten in Uniform betraten die Maschine und führten den 75-Jährigen ab.

Waffenlobbyist Schreiber am Sonntag in Toronto: Schlüsselfigur in der Parteispenden-Affäre der CDUZur Großansicht
AP

Waffenlobbyist Schreiber am Sonntag in Toronto: Schlüsselfigur in der Parteispenden-Affäre der CDU

Schreiber soll in Augsburg angeklagt werden, weil er als Rüstungslobbyist Millionengelder unversteuert kassiert und damit außerdem Politiker und Manager bestochen haben soll. Ihm wird deshalb unter anderem Steuerhinterziehung, Betrug und Korruption vorgeworfen. Die Vorwürfe gegen das frühere CSU-Mitglied haben eine politische Dimension, da Schreiber eine Schlüsselfigur des Ende der neunziger Jahre bekannt gewordenen CDU-Spendenskandals ist. Seine umstrittene 100.000-Mark-Spende an die CDU kostete seinerzeit Wolfgang Schäuble sein Amt als Partei- und Fraktionschef.

Kanada hatte am Wochenende nach zehn Jahren juristischen Tauziehens die Abschiebung des Waffenlobbyisten nach Deutschland überraschend in die Wege geleitet. Ein Berufungsgericht hatte zuvor am Sonntag eine einstweilige Verfügung zum Aufschub der Auslieferung abgelehnt. Der kanadische Justizminister Rob Nicholson erklärte, Schreiber sei noch am gleichen Tag auf Grundlage einer 2004 ausgestellten Auslieferungsanordnung den deutschen Behörden überstellt worden.

Schreiber hatte in den vergangenen Jahren alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Die Richterin am Berufungsgericht, Barbara Ann Conway, sagte, Schreiber habe seit Jahren gegen seine Auslieferung gekämpft. "Er ist nun am Ende dieses Weges." Der Lobbyist, der sowohl die kanadische als auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, war 1999 aufgrund eines deutschen Auslieferungsersuchens in Kanada festgenommen worden.

Laut Augsburger Staatsanwaltschaft hatte er von Thyssen für mehrere Rüstungsprojekte rund 15 Millionen Euro kassiert. Seit Mitte der achtziger Jahre bis 1995 soll er mit Hilfe ausländischer Tarnfirmen Geld über Schweizer Nummernkonten an Industrielle und Politiker verteilt haben. Eine Millionenspende überreichte er laut Staatsanwaltschaft in einem Koffer dem früheren CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep. Der ehemalige Verteidigungsstaatssekretär Holger Pfahls hatte von Schreiber 3,8 Millionen Mark Schmiergeld für die Hilfe beim Verkauf von Fuchs-Panzern nach Saudi-Arabien angenommen.

Hintergrund: Schreibers bestechende Argumente

Schreiber-Affäre

Seit 1995 beschäftigt die sogenannte Schreiber-Affäre die Republik - benannt nach dem Geschäftsmann Karlheinz Schreiber. Mit einem gewaltigen Aufwand haben die Augsburger Staatsanwälte Schreibers Geschäfte durchleuchtet. 1999 löste die Schreiber-Affäre den Parteispendenskandal der CDU und den Chefwechsel von Wolfgang Schäuble zu Angela Merkel aus. mehr zu Karlheinz Schreiber...

Die Deals

Die Geschmierten

CDU-Skandal

Der 75-Jährige hatte seine Abschiebung am Sonntag nochmals in letzter Minute verhindern wollen. Auf seinen Antrag hin kam es zu einer außerplanmäßigen Anhörung vor dem Berufungsgericht in Toronto, nachdem am Freitagnachmittag Vertreter des Justizministeriums zu ihm gekommen waren. Diese gaben ihm bis Sonntag Zeit, sich in Auslieferungshaft zu begeben, wie Schreiber in einem bei Gericht verlesenen Brief an den kanadischen Ministerpräsidenten Stephen Harper geschrieben hatte.

Nach der Entscheidung des Berufungsgerichts kam Schreiber in Auslieferungshaft. Bei der Ankunft am Gefängnis in Toronto bezeichnete er die Vorwürfe gegen ihn und seine Auslieferung als politisch motiviert. "In Deutschland sind im September Wahlen", sagte er. Die Sozialdemokraten hätten mit seinem Fall bereits drei Wahlen gewonnen. Seine Rückkehr nach Deutschland würde einen "Riesenzirkus sowie eine Untersuchung auslösen und Kanzler Kohl und alle wären dabei", sagte Schreiber.

Die Absicht hinter all dem sei es, die nächste Wahl zu gewinnen. Eine Kopie des Briefs an Harper hat Schreiber laut dem Berliner "Tagesspiegel" auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschickt. Darin äußert er demnach die Befürchtung, dass ihm in Deutschland kein fairer Prozess bevorsteht, sondern ein politisches Verfahren.

Chronologie: Die Jagd auf Schreiber

Oktober: Nach der Durchsuchung seines Hauses im oberbayerischen Kaufering setzt sich Schreiber nach Pontresina in der Schweiz ab.

Eine kanadische Untersuchungskommission will bis Ende dieses Jahres ihren Bericht über die Korruptionsvorwürfe gegen den früheren Ministerpräsidenten Brian Mulroney vorlegen. Bis dahin wollte die Regierung Schreiber eigentlich nicht ausliefern. Die öffentlichen Anhörungen zu dem Fall waren am Dienstag jedoch zu Ende gegangen.

Mulroney, Regierungschef von 1983 bis 1993, hat zugegeben, 225.000 kanadische Dollar von Schreiber angenommen zu haben; seiner Darstellung zufolge allerdings erst nach dem Ausscheiden aus dem Amt.

beb/AFP/AP

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insgesamt 570 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
06.05.2010 von CAJ: Nicht ganz

Es liegt mir fern die rotlackierten Faschisten zu verteidigen, aber im Fall Schreiber stinkts gewaltig, warum sonst wäre ein Staatsanwalt Meier so gerade von CSU-Leuten bedrängt worden ? Warum sonst der Bückling des Richters [...] mehr...

06.05.2010 von Henner Dehn:

;) mal wieder daneben gelegen. Und alles, was hier so an heisser Luft von links verblasen wurde. Rein gar nichts hat irgend etwas oder jemanden erschüttert. Schon gar nicht der Schreiber. mehr...

05.05.2010 von Palmstroem: Ende des Großmauls Schreiber

Wieder einmal hat sich bewiesen, daß die obskuren Verdächtigungen Linker nichts anderes sind, als böswillige Verleumdungen. Die Justiz hat gezeigt, daß der Spruch - Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen - nicht gilt. [...] mehr...

06.02.2010 von Fred W: Bestechung in Deutschland Legal - Illegal

Damals konnte Herr Schreiber und andere Bestechungsgelder von der Stuerabsetzen, solange die Bestochenen Ausländer waren, waren solche Bestechungen ganz legal. Nur dem Herr Schneider wird wohl jetzt vorgeworfen Deutsche [...] mehr...

06.02.2010 von Bernd Schlüter: Aufklärung-was ist das?

Das wäre auch sehr ungerecht, denn es waren Politiker, die Bedingungen für Waffenkäufe stellten. Ein Rabattsystem spezieller Art betreiben alle Rüstungsunternehmen. Politiker sind vereidigte Beamte, die müssten unabhängig sein [...] mehr...

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