Berlin - Der jüdische Publizist Ralph Giordano wird sein Bundesverdienstkreuz nicht zurückgeben. "Die über ein ganzes Leben hin mühsam gewachsene Zugehörigkeit zur Bundesrepublik Deutschland wiegt mehr, als der Fehlgriff eines ihrer Organe", heißt es in einer Erklärung Giordanos, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.
Ralph Giordano hatte als Reaktion auf die umstrittene Verleihung des höchsten deutschen Ordens an die Israel-Kritikerin Felicia Langer kürzlich damit gedroht, sein eigenes Bundesverdienstkreuz zurückzugeben - sollte Bundespräsident Horst Köhler die Ehrung Langers nicht rückgängig machen. Das ist bislang nicht geschehen.
Die Ehrung Langers sei zwar ein Affront gegen die deutsch-jüdischen und deutsch-israelischen Beziehungen gewesen, heißt es in der Erklärung Giordanos. Doch seine ersten Überlegungen, sein eigenes Kreuz zurückzugeben, seien nicht richtig gewesen. "Dieser Impuls aber war falsch", schreibt der Publizist. Ein solcher Schritt wäre ihm "auf seine alten Tage sehr nahe gegangen".
Die Kritik an Langer hält der Publizist jedoch aufrecht. Mit der Tübinger Anwältin sei eine "Person ausgezeichnet worden, die seit Jahrzehnten mit an Blindheit grenzender Einseitigkeit ihre Menschenrechtsantennen in nur eine Richtung ausgefahren und Israel dabei zum bösen Prinzip der Weltgeschichte erklärt hat". Langer sei ein "Zerrbild einer glaubwürdigen Menschenrechtsaktivistin", kritisiert Giordano.
Das baden-württembergische Staatsministerium und das Bundespräsidialamt forderte er erneut auf, die Entscheidung zurückzunehmen.
wol/vme
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