Von Markus Dettmer
Berlin - Große Skandale beginnen oft beiläufig. Alles deutet auf Routine hin, als am 3. Februar 1995 Karlheinz Schreiber in den Büros der Augsburger Steuerfahndungsstelle erscheint. Er hatte am Tag zuvor sein Kommen telefonisch angekündigt.
Der Geschäftsmann aus Kaufering druckst zuerst herum und versucht dann eine Geschichte vom Tisch zu bekommen, die noch gar nicht aktenkundig ist. Sie handelt von Airbus-Verkäufen und Vermittlungsdiensten. Es gehe auch um eine Liechtensteiner Gesellschaft und Provisionsabwicklungen, lässt der Kaufmann die verdutzten Beamten wissen, mit denen er absolut nichts zu tun habe.
Der Auftritt ist so bizarr, dass der Augsburger Steuerfahnder Winfried Kindler direkt unter dem Zeichen FR 080/95 eine Akte anlegt. Es ist der Tag, an dem die Schreiber-Affäre ihren Anfang nimmt, und mit der Auslieferung ihres Namensgebers Karlheinz Schreiber nach Deutschland hat sie noch nicht ihr Ende gefunden.
Schlüsselfigur einer riesigen Polit-Affäre
In den vergangenen fast anderthalb Jahrzehnten mutierte der Besuch bei der Steuerfahndungsstelle Augsburg zu einer der größten Politaffären in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Sie zerfaserte in immer neue Affärenstränge, welche die deutsche Politik in den neunziger Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends erschütterte - von der Lieferung von Fuchs-Spürpanzern nach Saudi-Arabien bis zur Affäre um den Verkauf der ostdeutschen Raffinerie Leuna. Aus ihr entwickelte sich die CDU-Parteispenden-Affäre, welche die Union in die tiefste Krise ihrer Geschichte stürzte. Sie brachte das Denkmal Helmut Kohl ins Wanken.
Der Fall Schreiber ging in die Rechtsgeschichte ein: Weil bereits 2005 die Vorwürfe von Steuerhinziehung, Betrug und Bestechung gegen den Kaufmann im Exil zu verjähren drohen, beschließt der Bundesrat im Juli des Jahres eine "Lex Schreiber": Danach ruht die Verjährung einer Straftat, solange der Beschuldigte sich im Ausland aufhält und die deutschen Behörden seine Auslieferung betreiben.
Panzer für die Saudis
Der Namensgeber der Affäre hat in seinem Leben viele Menschen beglückt: Politiker mit Spenden, die Bayern mit orientalischen Teppichen, die Saudis mit Panzerfahrzeugen. Schreiber wurde am 25. März 1934 in Kaufering geboren. Der Vater ist Polsterer, das Geld ist knapp. Nach dem Krieg wird Schreiber in einem Textilhaus zum Verkäufer ausgebildet. In München wird er Geschäftsführer eines Teppichhauses, später übernimmt er eine Firma für Straßenmarkierungen. Über den Wirtschaftsbeirat der Union kommt das CSU-Mitglied Schreiber in den Dunstkreis des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß und wird einer seiner Vertrauten. Er macht in Kanada Immobiliengeschäfte für Strauß, die aber nicht von Erfolg gekrönt sind.
Doch Ausgangspunkt für die Affären ist die Dauerkrise von Airbus, die Mitte der achtziger Jahre bedrohliche Ausmaße annimmt. Der Flugzeugbauer kann nicht genügend produzieren, weil er in vielen Ländern das Monopol von Boeing nicht brechen kann. Das weiß auch der Aufsichtsratsvorsitzende Strauß. Er lanciert Karlheinz Schreiber als Türöffner für Airbus auf dem nordamerikanischen Markt. Sein Freund verfügt über einen kanadischen Pass und beste Beziehungen in dem Land, bis hin zum damaligen Premierminister Brian Mulrony. Zudem versucht er ab den achtziger Jahren für Thyssen, den Bau einer Panzerfabrik in Kanada voranzutreiben, das sogenannte Bear-Head-Projekt.
So fungiert Schreiber in den achtziger und Anfang der neunziger Jahre bei allerlei Verkäufen von Hubschraubern, Flugzeugen und Spürpanzern gegen Honorarzahlung als Lobbyist. Es sind Millionenbeträge, die in der Folge diskret über Konten und Briefkastenfirmen in der Schweiz und Liechtenstein fließen. Allein für den umstrittenen Verkauf von Fuchs-Spürpanzern nach Saudi-Arabien gingen 24,4 Millionen Mark Provisionen an eine Briefkastenfirma, die die Staatsanwälte Schreiber zuschreiben.
Auf anderen Social Networks posten:
Es liegt mir fern die rotlackierten Faschisten zu verteidigen, aber im Fall Schreiber stinkts gewaltig, warum sonst wäre ein Staatsanwalt Meier so gerade von CSU-Leuten bedrängt worden ? Warum sonst der Bückling des Richters [...] mehr...
;) mal wieder daneben gelegen. Und alles, was hier so an heisser Luft von links verblasen wurde. Rein gar nichts hat irgend etwas oder jemanden erschüttert. Schon gar nicht der Schreiber. mehr...
Wieder einmal hat sich bewiesen, daß die obskuren Verdächtigungen Linker nichts anderes sind, als böswillige Verleumdungen. Die Justiz hat gezeigt, daß der Spruch - Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen - nicht gilt. [...] mehr...
Damals konnte Herr Schreiber und andere Bestechungsgelder von der Stuerabsetzen, solange die Bestochenen Ausländer waren, waren solche Bestechungen ganz legal. Nur dem Herr Schneider wird wohl jetzt vorgeworfen Deutsche [...] mehr...
Das wäre auch sehr ungerecht, denn es waren Politiker, die Bedingungen für Waffenkäufe stellten. Ein Rabattsystem spezieller Art betreiben alle Rüstungsunternehmen. Politiker sind vereidigte Beamte, die müssten unabhängig sein [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema Karlheinz Schreiber | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH