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Schlüsselfigur im Spendenskandal Schreiber-Verfahren lenkt Blick auf Affären der Kohl-Ära

2. Teil: Schmiergeld für Manager, Politiker, Beamte

Als die Augsburger Staatsanwälte acht Monate nach dem bizarren Auftritt bei der Steuerfahndung im Oktober 1995 Schreibers Haus in Kaufering durchsuchen, fallen ihnen Tischkalender des Geschäftsmanns aus den Jahren 1991 und 1994 in die Finger. Fast auf jeder Seite stolpern sie über die Namen von Firmen, Managern und vor allem Politikern, mit denen Schreiber Kontakt hatte: Wolfgang Schäuble, Walther Leisler Kiep, Erich Riedl, Otto Wiesheu - die Liste ist lang.

Noch mehr Aufmerksamkeit der Ermittler erweckt das wiederkehrende Geflecht von Ziffern, Kürzeln und Codenamen. Mit gewaltigem Aufwand durchleuchten sie von da an die Geschäfte des Kaufmanns. Sie tüfteln und kombinieren, bis sie sich sicher sind: Ein Großteil der Provisionen, die Schreiber erhielt, seien gar nicht für den Lobbyisten bestimmt gewesen. Tatsächlich habe Schreiber diese Gelder nach einem Aufteilungsschlüssel auf Unterkonten mit Decknamen in der Schweiz weitergeleitet; bestimmt für Manager, Politiker und Beamte, die die Geschäfte befördert haben sollen.

Hintergrund: Schreibers bestechende Argumente
Seit 1995 beschäftigt die sogenannte Schreiber-Affäre die Republik - benannt nach dem Geschäftsmann Karlheinz Schreiber. Mit einem gewaltigen Aufwand haben die Augsburger Staatsanwälte Schreibers Geschäfte durchleuchtet. 1999 löste die Schreiber-Affäre den Parteispendenskandal der CDU und den Chefwechsel von Wolfgang Schäuble zu Angela Merkel aus. mehr zu Karlheinz Schreiber...
Jahrelang findet das Ermittlungsverfahren in Augsburg kaum öffentliche Beachtung, obwohl die Staatsanwälte längst auch gegen Manager, Politiker und Beamte ermittelte: Max Strauß, dem Sohn von Franz-Josef, warfen sie vor, er habe über ein Konto namens "Maxwell" mindestens 5,2 Millionen Mark Provisionen für Airbus-Geschäfte erhalten - Strauß wurde jedoch 2007 freigesprochen. Für den ehemaligen Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls sollten für das Panzergeschäft mit Saudi-Arabien aus dem Jahr 1991 3,8 Millionen Mark auf einem Konto "Holgart" bestimmt gewesen sein, ebenso wie Millionenbeträge auf zwei anderen Konten für die beiden Ex-Thyssen-Manager Wienfried Haastert und Jürgen Massmann. Auch Ermittlungen gegen den ehemaligen Ex-CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep, der 1991 eine Million Mark erhalten soll, regten die Öffentlichkeit nur mäßig auf.

Eine Millionen Mark im Koffer

Erst das Affären-Jahr 1999 rückt die Schreiber-Affäre ins Rampenlicht: Im April erwirkt die Augsburger Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den ehemaligen Rüstungsstaatsekretär Pfahls. Mittlerweile Daimler-Manager in Singapur, taucht Pfahls ab und begibt sich auf eine Aufsehen erregende, fünfjährige Flucht, die 2004 in Paris endet. Im September wird Schreiber in einem Restaurant in Toronto festgenommen. Er nimmt seinen zehn Jahre dauernden Kampf gegen die Auslieferung auf.

Doch erst der Haftbefehl Kiep im November 1999 und seine anschließende Vernehmung sind der Treibsatz der Affäre. Der ehemalige Schatzmeister sagt aus, 1991 im schweizerischen St. Margrethen von Schreiber auf einem Parkplatz eine Million Mark in bar in einem Koffer entgegen genommen zu haben; allerdings nicht für sich persönlich, sondern für seine Partei, die CDU. Die Parteispenden-Affäre der CDU kommt ins Rollen. Im Laufe der Zeit wird deutlich, dass die Union ein regelrechtes Netz von illegalen Spenden und Geheimkonten besaß. Helmut Kohl räumt ein, dass er selber 2,1 Millionen Mark geheime Spenden entgegengenommen hatte. Wer die Spender waren, darüber schweigt er sich bis heute aus und versteckt sich hinter einem "Ehrenwort" gegenüber den Spendern.

Zwischen dem damaligen Fraktionschef Wolfgang Schäuble und der ehemaligen CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister kommt es zu einem erbitterten Streit um eine Schreiber-Spende aus dem Jahr 1994. Dass Schreiber 100.000 Mark gespendet hatte, ist bis heute unumstritten. Nur der Ablauf der Übergabe ist bis heute umstritten, beide geben bei einer Gegenüberstellung im Parteispenden-Untersuchungsausschuss - ein Novum - im Jahr 2000 unterschiedliche Versionen zu Protokoll. Schreiber unterstützte in Interviews Baumeisters Version. Selbst ein Ermittlungsverfahren der Berliner Staatsanwaltschaft gegen die beiden CDU-Politiker wegen uneidlicher Falschaussage, das 2002 eingestellt wurde, konnte die Wahrheit nicht ans Licht bringen. Doch Schäuble war sein Amt in der Fraktion ebenso los, wie den Parteivorsitz der Union. Der Aufstieg von Angela Merkel konnte beginnen.

Verbindungen zur Leuna-Affäre?

Die Affäre hat damit ihren Zenit erreicht. Es folgt eine zähe, juristische Aufarbeitung mit Verurteilungen, Revisionsverfahren, erneuten Verurteilungen und einem Freispruch. Viele Thesen der Staatsanwälte, die sich vor allem auf Indizienbeweise stützen, haben vor Gericht bestanden, manche wurden durch den Bundesgerichtshof gekippt. Allen voran wurde Max Strauß freigesprochen, es war kein Urteil aus Mangel an Beweisen.

Recht hatten die Ermittler mit ihrer Annahme, dass Walter Leisler Kiep eine Million Mark erhalten hatte. Ebenso wurden die Manager Haastert und Massmann zu Bewährungsstrafen verurteilt, weil sie von Schreiber Geld erhalten hatten. Der ehemalige Rüstungsstaatssekretär und Daimler-Manager Ludwig-Holger Pfahls gestand in seinem Prozess 2005, dass Schreiber für 3,8 Millionen Mark beiseite gelegt und auf einer Schweizer Bank verwahrt habe. Von der Gesamtsumme will er aber nur 873.000 Mark bar in drei Tranchen 1991 und 1992 erhalten haben. Über den Verbleib des Rests wisse er nichts. Das Augsburger Gericht verurteilte ihn zu 27 Monaten Haft.

Das bislang letzte Urteil in der Causa Schreiber fällten die Augsburger Richter im Juli 2008. Damals verurteilten sie Dieter Holzer wegen Fluchthilfe für Pfahls zu neun Monaten Haft zu Bewährung. Der saarländische Geschäftsmann spielte in der Schreiber-Affäre kaum eine Rolle. Dafür war Holzer die Schlüsselfigur in der anderen großen Affäre der neunziger Jahre - den nie bewiesen Schmiergeld-Vorwürfen im Zusammenhang mit der Privatisierung der ostdeutschen Raffinerie Leuna an den damaligen französischen Mineralölkonzern Elf Aquitaine.

Andeutungen und Drohungen

So werden in dem Prozess gegen Karlheinz Schreiber die Affären der Ära Kohl wieder auferstehen. Noch immer sind viele Fragen offen: Was geschah mit den Millionen, deren Verbleib die Staatsanwälte nicht nachweisen konnten? Gab es noch weitere Spenden des Kaufmanns? Sind die verschiedenen Verbindungen zwischen den einzelnen Affären nur Zufall? Kann Schreiber all seinen Andeutungen und Drohungen, die er während seines zehnjährigen Exils in Kanada ausgestoßen hat, Belege folgen lassen?

Mit Sicherheit dürfte das Verfahren ein Spektakel werden, denn Schreiber hat immer von sich behauptet: "I was born ugly, but not stupid - ich bin hässlich geboren worden, aber nicht dumm."

Chronologie: Die Jagd auf Schreiber
Oktober: Nach der Durchsuchung seines Hauses im oberbayerischen Kaufering setzt sich Schreiber nach Pontresina in der Schweiz ab.

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insgesamt 570 Beiträge
ante84 03.08.2009
WENN, DANN nach der Wahl! :-) Sonst würde die CDU/CSU ja noch wirklich Probleme bekommen...
WENN, DANN nach der Wahl! :-) Sonst würde die CDU/CSU ja noch wirklich Probleme bekommen...
Klo 03.08.2009
Ich glaube nicht wirklich an eine Aufklärung, da die damaligen Lobbyisten heute noch aktiv sind und der Parteiensumpf weit in die Justiz hineinreicht. Man wird schon etwas finden, Schreiber davonkommen zu lassen, damit er nicht [...]
Zitat von sysopZehn Jahre lang kämpfte der Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber gegen seine Auslieferung, jetzt hat Kanada ihn an deutsche Behörden übergeben. Wird der Fall jetzt aufgeklärt? Diskutieren Sie mit!
Ich glaube nicht wirklich an eine Aufklärung, da die damaligen Lobbyisten heute noch aktiv sind und der Parteiensumpf weit in die Justiz hineinreicht. Man wird schon etwas finden, Schreiber davonkommen zu lassen, damit er nicht gegen Kohl, Schäuble und Konsorten aussagen muß. Eigentlich gehören diese Leute, sofern sie noch leben hinter Gitter und ihr Privatvermögen eingezogen. Aber man hat ja sogar Pfahls und Max Strauß davonkommen lassen, deren Schuld eigentlich jeder kennt. Und von der Baumeister, Leisler-Kiep und dem brutalstmöglichen Nichtaufklärer Koch redet heute keine Sau mehr. Diese Leute sind tief in Schuld verstrickt und damit die Hauptverantwortlichen für die Parteienverdrossenheit. Hier gehört endlich mal mit dem eisernen Besen gekehrt und ALLES muss ans Licht. Auch Kohl gehört vor Gericht, nötigenfalles auch mit Beugehaft. Niemand darf sich persönlich über das Recht stellen. Das muß dringendst aufgearbeitet und die Amigos ein für alle Mal dingfest gemacht werden. Leider schafft das wohl nur eine unabhängige Justiz und die haben wir nicht. Das Klo.
heuss 03.08.2009
Er sitzt in Augsburg ein, da hat die CSU ein Wort mitzureden, wenn es um die Karriere von Staatsanwälten geht. Was erwarten sie, dass die ganze Schmier-Schwarz- und Spendengeldaffaire der CDU, so kurz vor einer Wahl nochmal [...]
Er sitzt in Augsburg ein, da hat die CSU ein Wort mitzureden, wenn es um die Karriere von Staatsanwälten geht. Was erwarten sie, dass die ganze Schmier-Schwarz- und Spendengeldaffaire der CDU, so kurz vor einer Wahl nochmal thematisiert wird? Die Mühlen der Justitz werden langsam mahlen, die Presse wird da auch nicht freudig aufspringen, da kommt nicht viel. Wenn Schreiber das wollte, so würde es auch anders gehen, nur der wird nicht sein Pulver im Vorfeld verschiesen.
shokaku 03.08.2009
Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem "bedauerlichen Unfall" kommt erscheint mir doch größer.
Zitat von sysopWird der Fall jetzt aufgeklärt?
Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem "bedauerlichen Unfall" kommt erscheint mir doch größer.
Berta 03.08.2009
wird Schreiber wohl nicht mehr lange leben.
wird Schreiber wohl nicht mehr lange leben.
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