Von Alex Wolf
Berlin - Ein deutliches Votum gegen den Bildungsföderalismus: Satte 91 Prozent der Eltern wünschen sich, dass die Bildungshoheit der Länder abgeschafft wird, um das Bildungssystem bundesweit zu vereinheitlichen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des forsa-Institutes im Auftrag der Zeitschrift "Eltern". "Wenn eine Familie von Bayern nach Schleswig-Holstein zieht, will sie dort nicht ein völlig anderes Schulsystem vorfinden", erklärte "Eltern"-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki in Berlin.
Alleinerziehende Mütter: 65 Prozent haben Probleme, Beruf und Familie zu vereinen.
Seit 1966 beschäftigt sich die Zeitschrift "Eltern" mit familienrelevanten Themen. Insgesamt leben in Deutschland rund 14 Millionen minderjährige Kinder, die bei der Bundestagswahl noch keine eigene Stimme abgeben dürfen. Anders ihre Eltern: "Wir wollten wissen, welche Themen diese Eltern besonders beschäftigen", sagte Marie-Luise Lewicki.
Lob bekam sie dafür von forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner: "Es ist gut, dass die Betroffenen mal direkt gefragt wurden und nicht nur spekuliert wird." Die meisten Ergebnisse der Studie seien noch immer aktuell, da sich die abgefragten Positionen nicht täglich verändern würden, sagte Güllner. In einer telefonischen Umfrage waren vom 18. bis 28. Mai 1000 Eltern befragt worden, davon 55 Prozent Mütter. Der Anteil der Alleinerziehenden lag bei 14 Prozent.
64 Prozent der Eltern votieren für längere Grundschulzeit
Besonders unzufrieden zeigten sich die Eltern mit dem Bildungssystem und der Familienförderung. So fordern 81 Prozent der Eltern, eine Verbesserung des Schul- und Bildungssystems müsse von der Politik "mit Vorrang" behandelt werden. Etwas mehr als die Hälfte würde seine Kinder sogar auf eine Privatschule schicken, wenn die finanziellen Mittel vorhanden wären. Für eine längere Grundschulzeit sprachen sich 64 Prozent der Eltern aus; die Trennung der Kinder in verschiedene Schulformen erfolge ihrer Meinung nach zu früh.
Kritik ernteten auch die verschiedenen Förderprogramme für Familien: 81 Prozent der Eltern sind verwirrt und haben das Gefühl, dass bei ihnen nichts ankommt. Drei Viertel halten die Familienförderung zudem für Augenwischerei. Der Staat gebe Geld, das er vorher über Steuern und Abgaben weggenommen habe. Nur 22 Prozent finden die Verteilung der Fördermittel richtig und gerecht. 77 Prozent der 1000 Befragten fordern vom Staat, die Förderung und finanzielle Entlastung von Familien oben auf die politische Agenda zu schreiben.
Für die Parteien interessant könnte die politische Wunschliste der Eltern sein: 35 Prozent wünschen sich eine Grundsicherung zwischen 300 und 400 Euro für jedes Kind - eine Forderung, die nur bei den Grünen im Wahlprogramm zu finden ist, die bei der SPD aber auch Anhänger hat. Jeder dritte Elternteil spricht sich zudem für eine kostenlose Betreuung der Kinder im Kindergarten aus. Bei den Wünschen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Gering- und Vielverdienern: So fordern zwar 31 Prozent der Eltern mit einem monatlichen Einkommen von über 3000 Euro höhere steuerliche Freibeträge für jedes Kind, jedoch nur 13 Prozent der Geringverdiener mit einem Einkommen von weniger als 2000 Euro.
SPD und Grüne bei Eltern etwas höher im Kurs
Grundsätzlich halten zwei Drittel der Eltern die Politik der Regierung für falsch: Anstatt die einzelnen Familien mit Zahlungen zu unterstützen, sollte das Geld besser direkt in Bildung und Betreuung investiert werden. Besonders die SPD-Anhänger würden diesen Schritt befürworten (73 Prozent).
Problematisch ist es für viele Familien noch immer, den Beruf und Kinder miteinander zu vereinbaren. So haben 55 Prozent damit "einige" oder "große Probleme", bei den Geringverdienern sogar 61 Prozent. "Eltern"-Redakteurin Anke Willers sieht zwar Fortschritte, aber noch viel Handlungsbedarf in diesem Bereich. "Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist Deutschland noch immer ein Schwellenland", sagte Willers. Eine große Mehrheit würde gerne wieder ins Berufsleben einsteigen, wenn die Bedingungen besser wären. Die befragten Eltern wünschen sich in diesem Zusammenhang vor allem ein flexibles Angebot zur Kinderbetreuung (43 Prozent) und verbesserte Angebote für Teilzeitarbeit (37 Prozent).
Bei der Umfrage wurde den Eltern auch die sogenannte "Sonntagsfrage" gestellt, also wie sie wählen würden, wenn am nächsten Sonntag die Bundestagswahl wäre. Die Verteilung entspricht weitgehend den Umfragewerten in der Gesamtbevölkerung, SPD und Grüne können sich aber über einen Zugewinn von je zwei Prozent freuen. Die Linke, die FDP und die Sonstigen verlieren jeweils einen Prozentpunkt. "Diese Werte sind aber nicht mehr aktuell", schränkte Manfred Güllner ein. Erschreckend sei aber für ihn auch in diesem Fall wieder der Wert der Nichtwähler: 23 Prozent der Eltern gaben an, nicht zur Stimmabgabe gehen zu wollen.
Mitarbeit: Anja Herr
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Das hat mit "deutscher Leitkultur" nichts zu tun. Es gab in der deutschen Geschichte auch schon andere Lösungen. Sie sollten außerdem die anderen nicht unterschätzen. Ein "wirtschaftsliberales", [...] mehr...
... dann gibt es nur eine deutsche LkL (=Leitkulturlösung). Das ist der Geldbeutel der Eltern und schon gibt es außer etwas Störfeuer durch ein paar unverbesserliche Sozis und Linke (ist sowieso ein roter Eintopf) überhaupt [...] mehr...
Sie sollten attraktivere Berufe nicht außer Acht lassen: Hipphopper, Räpper, Börsenanalyst, Mediadiseiner, Chefvolkswirt. mehr...
Das sollte man im beruflichen Bereich auch so machen. Schließlich geht es um den Arbeitnehmer, allein er sollte entscheiden, ob er lieber als KFZ-Mechatroniker oder als Physikprofessor arbeiten möchte. mehr...
Ich denke weder die Eltern noch die Lehrer sollen über die weiterführende Schule entscheiden. Allein der Schüler bestimmt auf welche Schule er später einmal gehen möchte. Es geht ja um die Schule des Schülers. Ihm muss die [...] mehr...
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