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10.08.2009
 

Terrorprozess

Sauerland-Anführer verspottet Verfassungsschützer

Der Hauptangeklagte der Sauerland-Gruppe hat ein detailliertes Geständnis abgelegt. Hauptziel der Terrorgruppe waren laut Fritz Gelowicz in Deutschland stationierte US-Soldaten. Im Gerichtssaal verspottete der Rädelsführer die Fahnder - die Observation sei "viel zu auffällig" gewesen.

Düsseldorf - Bei der Schilderung der Anschlagsvorbereitungen in Deutschland hat sich der Rädelsführer der Sauerland-Gruppe, Fritz Gelowicz, über den Verfassungschutz in Deutschland lustig gemacht. Sein Komplize Atilla Selek habe "schnell" bemerkt, dass er observiert werde: "Die Observation war so auffällig, dass man das nicht übersehen konnte", sagte Gelowicz im Saal des Düsseldorfer Oberlandesgerichts.

Auch er selbst habe entdeckt, dass er beobachtet wurde. Er habe daher Selek beauftragt, einem der betreffenden Autos den Reifen zu zerstechen - die Ermittler seien darauf mit ihren rund zehn Fahrzeugen abgezogen: "Die Straße war menschenleer danach", berichtete Gelowicz unter dem Gelächter der Zuschauer im gutgefüllten Gerichtssaal. "Ich habe da keine logische Herangehensweise gesehen", legte Gelowicz nach.

Er habe sogar zeitweise den Verdacht gehabt, die Beobachter wollten gesehen werden und ihn und die anderen so einschüchtern: "Aber der Verfassungsschutz war nicht einschüchternd."

Gelowicz und seine Komplizen Atilla Selek und Adem Yilmaz sollen eine deutsche Zelle der Islamischen Dschihad-Union (IJU) gegründet und Anschläge mit Autobomben in Deutschland geplant haben. Die Anklage gegen sie lautet unter anderem auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags.

DER SPIEGEL 33/2009


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Die Terrorverdächtigen wollten nach Angaben ihres Anführers in Deutschland möglichst viele US-Soldaten töten. "Wir wollten Ziele auswählen, wo hauptsächlich US-Soldaten sind", sagte Gelowicz weiter. Der amerikanische Fliegerhorst Ramstein in der Pfalz und US-Konsulate seien als Ziele im Gespräch gewesen.

Schließlich habe man sich aber auf Discotheken und Pubs verständigt, in denen zahlreiche US-Soldaten verkehrten. Zudem hätten sie ein Zeichen für die deutsche Bevölkerung setzen wollen, "als allerletzte Warnung, ihre Truppen aus Afghanistan und Usbekistan abzuziehen".

Laut Anklage hatten die Männer genug Chemikalien gehortet, um 550 Kilogramm Sprengstoff herzustellen. Sie waren nach monatelanger Überwachung im Herbst 2007 in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen worden.

Gelowicz begann seine Aussage in dem Mammutprozess wegen des großen Besucherandrangs bei scharfen Sicherheitsvorkehrungen mit einstündiger Verspätung. In verwaschenen Jeans, schwarzem Sommerhemd, Turnschuhen und mit Vollbart schilderte der zum Islam konvertierte Ex-Student flüssig, wie er nach einer Pilgerreise nach Mekka versuchte, als Kämpfer in den "Dschihad" im Irak oder in Tschetschenien zu gelangen.

Nach einer Odyssee durch Syrien, die Türkei und Iran landete Gelowicz schließlich nach eigenen Worten mit dem ebenfalls angeklagten Adem Yilmaz zur dreimonatigen Ausbildung in einem Lager der usbekischen Extremistengruppe Islamische Dschihad-Union (IJU) im pakistanischen Grenzgebiet.

Die Hintermänner seien ihnen egal gewesen: "Die Leute wollen sich nicht einer Gruppe anschließen, die wollen Dschihad machen." Im Lager sei schnell klargeworden, dass die Organisation ihre Schüler für geeigneter hielt, in Europa Anschläge zu verüben als etwa in Afghanistan.

Die Dschihadisten könnten nur mit sehr großem Aufwand in Afghanistan US-Soldaten töten - "nur eine von zehn Operationen gelingt" - doch in Europa könne "mit geringem Aufwand größerer Schaden" verursacht werden. "Sie mussten mich nicht sehr überzeugen", sagte Gelowicz, "meine Bedenken waren wohl nur: Können wir das?" Yilmaz und er hätten ihre Zweifel aber überwunden: "Adem und ich erklärten uns bereit, es zu machen."

Er selbst sei zum Anführer bestimmt worden. In dem Lager seien Techniken der Geheimhaltung und der Umgang mit Waffen wie Kalaschnikows, Sprengstoff und Zündern gelehrt worden. Auch "kleinere Sprengübungen" habe es gegeben. Der Unterricht sei aber "nicht sehr professionell" gewesen.

Yilmaz und er hätten sich schnell für einen Sprengstoff auf Wasserstoffperoxidbasis entschieden - wegen der großen Sprengkraft, und weil die Chemikalie leicht zu bekommen sei. Die Beschaffung habe in Deutschland dann auch kein Problem dargestellt: "Das hat alles wunderbar geklappt".

SAUERLAND-TERRORPROZESS

Die Gruppe

Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf müssen sich vier mutmaßliche Mitglieder der terroristischen Sauerland-Gruppe verantworten. Es handelt sich um den zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz, den Neunkirchener Daniel Schneider, den Deutsch-Türken Attila Selek und den türkischen Staatsbürger Adem Yilmaz. Sie sollen zur Islamischen Dschihad Union gehören, einer Gruppe, die auch Kontakte zum Terrornetzwerk Qaida unterhält.

Der Plan

Die Festnahme

amz/dpa/AP/AFP

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