Berlin - Der Vorsitzende des Bundestagshaushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), geht in der sogenannten Dienstwagenaffäre davon aus, dass Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) auch die Abrechnung ihrer Urlaubsreisen der vergangenen Jahre offenzulegen hat.
Der Haushaltsausschuss habe das Recht zu erfahren, was der Staat für die Urlaubstrips der Gesundheitsministerin bezahlt habe, sagte Fricke der "Bild"-Zeitung. Er betonte: "Wir wollen wissen, ob sie Hin- und Rückfahrt immer privat abgerechnet hat oder nur in diesem Jahr." Fricke hatte die Ministerin aufgefordert, die Fahrten ihrer Urlaubsreisen bis Donnerstag offenzulegen.
Auch nach Auffassung der Grünen ist die Dienstwagen-Affäre mit dem Rechnungshofbericht nicht ausgeräumt. "Das ist ein Freispruch dritter Klasse", sagte Grünen-Haushaltsexperte Alexander Bonde der "Frankfurter Rundschau" und fügte hinzu: "Frau Schmidt muss noch viele Fragen beantworten." Bonde kritisierte der Zeitung zufolge vor allem, dass die Ministerin ursprünglich erklärt habe, ihr Dienstwagen sei während ihres Spanienurlaubs ganz überwiegend dienstlich genutzt worden. Gegenüber dem Rechnungshof deklarierte sie dem Blatt zufolge nun fast alle Fahrten als privat und kündigte ihre Versteuerung an.
Sie will den geldwerten Vorteil für alle Privatfahrten - also auch die etwa 5000 Kilometer An- und Abreise in ihren Urlaubsort bei Alicante - versteuern. Deswegen verzichtete die Bonner Behörde auf eine Wirtschaftlichkeitsprüfung und konnte keinen Schaden für den Bundeshaushalt erkennen. "Nur durch die Abkehr von der eigenen Rechtsposition ist Ulla Schmidt gerade noch durch das Schlupfloch geschlüpft", sagte Bonde. "Unanständig war das trotzdem."
Bonde kündigte an, der Haushaltsausschuss des Bundestages werde sich am 26. August mit dem Vorgang beschäftigen.
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatte am Montag die Debatte über Schmidt für beendet erklärt, da es "keine Unregelmäßigkeiten gegeben" habe. Die Ministerin war wegen der Nutzung ihres Dienstwagens im Spanienurlaub heftig in die Kritik geraten. Sie verzichtete zunächst auf einen Platz in Steinmeiers Wahlkampfteam. Nach der Prüfung des Bundesrechnungshofs nahm Steinmeier die Ministerin jedoch am Wochenende in sein Team auf.
anr/dpa/ddp
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema Superwahljahr 2009 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH